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Revolutionäre Gentherapie: Forscher schaffen gezielte Behandlung einzelner Organe

Neue Gentherapie erreicht gezielt einzelne Organe (Symbolbild)
Neue Gentherapie erreicht gezielt einzelne Organe (Symbolbild) ©Mit KI-generiert
Ein Forschungsteam des Deutschen Herzzentrums der Charité (DHZC) hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Gentherapien künftig hochkonzentriert direkt in einem einzigen Organ angewendet werden können – bisher ein ungelöstes Problem der modernen Medizin.

Die neue Methode wurde im Fachjournal "JACC: Basic to Translational Science" vorgestellt. Die Resultate im Tiermodell deuten auf einen Durchbruch in der organspezifischen Therapie hin.

Problem der bisherigen Gentherapie

Konventionelle Gentherapien verbreiten sich nach Verabreichung im gesamten Blutkreislauf. Um das Zielorgan zu erreichen, müssen hohe Dosen eingesetzt werden, was nicht nur die Behandlung verteuert, sondern auch erhebliche Nebenwirkungen verursachen kann. Die Vektoren – also die Gen-Transporter – reichern sich häufig in der Leber oder Milz an, anstatt das kranke Organ gezielt zu erreichen.

Neuer Therapieansatz mit geschlossener Organperfusion

Das Team um Herzchirurg Prof. Maximilian Emmert entwickelte ein katheterbasiertes "Closed-Loop-Perfusionssystem", das die gezielte Behandlung einzelner Organe ermöglichen soll. In Kooperation mit dem Schweizer Unternehmen DiNAQOR wurde dabei die Niere eines Tieres temporär vom Blutkreislauf getrennt und über einen eigenen Mini-Kreislauf mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Innerhalb dieses isolierten Kreislaufs wurde die Gentherapie verabreicht.

Prof. Dr. med. Maximilian Emmert ©DHZC

Die Konzentration der therapeutischen Vektoren in der Niere war bis zu 69.000-mal höher als im restlichen Körper. Gleichzeitig war die Aufnahme der Vektoren durch die Nierenzellen bis zu 75-mal höher als bei herkömmlicher intravenöser Gabe. Andere Organe wurden kaum belastet.

Darstellung des katheterbasierten "Closed-Loop-Perfusionssystems" ©DHZC

Übertragbarkeit auf andere Organe denkbar

Das Verfahren wurde bislang im Großtiermodell getestet. Die Forschenden sehen darin aber einen Ansatz, der sich auch auf andere Organe wie Herz, Lunge oder Leber übertragen ließe. Laut DHZC war eine gezielte Perfusion bei aufrechterhaltener Organfunktion bislang nur außerhalb des Körpers möglich. Die neue Methode könnte somit neue Wege in der Präzisionsmedizin eröffnen.

Potenzial bei genetischen Nierenerkrankungen

Besonders relevant könnte die Methode bei genetischen Nierenerkrankungen wie der autosomal-dominanten Zystennierenkrankheit (ADPKD) sein, von der laut Schätzungen rund 50.000 Menschen in Deutschland betroffen sind. Auch beim Alport-Syndrom, einer weiteren erblich bedingten Nierenerkrankung, könnte der Ansatz neue Therapiemöglichkeiten eröffnen. Darüber hinaus könnte die Methode bei lokal begrenzten Entzündungen oder toxischen Nierenschäden zur Anwendung kommen.

Nächste Schritte

Bis zu einem möglichen klinischen Einsatz beim Menschen sind weitere präklinische und klinische Studien notwendig. Ziel ist es, in ersten Phase-I-Studien die Sicherheit der Methode zu überprüfen. Die Forschenden am DHZC bewerten die Ergebnisse jedoch als vielversprechenden Schritt hin zu einer neuen Generation zielgerichteter Therapien.

(VOL.AT)

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