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Rondo mit starker Substanz – aber Margen unter Druck

Kapitalbasis von Rondo bleibt außergewöhnlich robust
Kapitalbasis von Rondo bleibt außergewöhnlich robust ©Klaus Hartinger ©Klaus Hartinger
Rondo Ganahl bleibt stabil, doch der Margendruck ist deutlich spürbar.

Mit einer neuen Serie blicken wir hinter die Zahlen der heimischen Wirtschaft. Regelmäßig analysieren wir veröffentlichte Jahresabschlüsse von Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Heute in Teil 15: die Rondo Ganahl Aktiengesellschaft.

„Die Kostensteigerungen der letzten Jahre haben unsere Ergebnissituation stark beeinflusst“, sagt Hubert Marte, Vorstandsvorsitzender der Rondo Ganahl AG. Nach dem operativen Rekordjahr 2022 blieb der Umsatz hoch, die Ertragskraft des international tätigen Verpackungs- und Papierherstellers mit Sitz in Frastanz geriet zuletzt jedoch unter Druck.

Im Geschäftsjahr 2024 erzielte Rondo auf Konzernebene einen Umsatz von rund 503 Millionen Euro. Eine leichte Umsatzsteigerung, aber klar unter dem Ausnahmejahr 2022.

Größe & Struktur

Umsatz- und Bilanzentwicklung

Nach dem Umsatzhoch 2022 mit rund 552 Mio. Euro stabilisiert sich der Umsatz 2024 bei gut 503 Mio. Euro, während Eigenkapital und Bilanzsumme auf hohem Niveau verbleiben.

Mitarbeiterentwicklung

Die Mitarbeiterzahl steigt von 1.588 im Jahr 2019 auf 1.847 im Jahr 2024 kontinuierlich an und unterstreicht das nachhaltige Wachstum des Unternehmens.

Deutlich stärker fiel der Rückgang beim Ergebnis aus. Der operative Gewinn sank 2024 auf 11 Millionen Euro, nach 41 Millionen Euro im Jahr 2022. Der Jahresüberschuss belief sich auf knapp 12 Millionen Euro.

Kosten steigen schneller als Erlöse

Haupttreiber des Ergebniseinbruchs waren die stark gestiegenen Kosten. Die Personalaufwendungen haben sich 2024 der Marke von 100 Millionen Euro genähert. „Diese Steigerungen können durch Produktivitätsgewinne und Automatisierung nur teilweise abgefedert werden. Eine Erhöhung der Verkaufspreise ist daher unumgänglich“, so Marte. Auch die gestiegenen Energiekosten blieben ein zentrales Thema. Diese haben sich in fünf Jahren weit mehr als verdoppelt.

Trotz des Margendrucks blieb die Innenfinanzierungskraft stabil. 2023 stach mit einem operativen Cashflow von rund 78 Millionen Euro hervor, begünstigt durch Lagerabbau und geringere Forderungen. 2024 ging der operative Cashflow auf rund 35 Millionen Euro zurück, blieb aber solide.

Ergebnis & Rentabilität

Gewinnentwicklung

Nach starken Ergebnissen bis 2022 fällt der operative Gewinn 2024 deutlich auf rund 10,8 Mio. Euro zurück. Hauptursache sind die massiven Kostensteigerungen.

Rentabilitätskennzahlen

Der Rückgang von operativem Gewinn und Jahresüberschuss 2024 belastet Gewinnmarge und Eigenkapitalrendite spürbar gegenüber den Vorjahren.

Eigenkapitalquote auf Spitzenwert

Die Bilanz zählt weiterhin zu den großen Stärken des Konzerns. Die Eigenkapitalquote lag 2024 bei rund 82 Prozent und damit auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Die Bankverbindlichkeiten sind gering, die liquiden Mittel beliefen sich zum Jahresende auf 84 Millionen Euro. Diese finanzielle Unabhängigkeit verschafft dem Unternehmen erheblichen Handlungsspielraum.

Bilanzstruktur

Eigenkapitalquote

Mit einem Eigenkapital von rund 390 Mio. Euro bei einer Bilanzsumme von etwa 478 Mio. Euro bleibt die Eigenkapitalquote auch 2024 auf einem sehr hohen Niveau. Der negative Nettoverschuldungsgrad signalisiert eine Netto-Cash-Position und eine äußerst komfortable Finanzlage.

Reststoffkraftwerk als Schlüsselprojekt

Ein zentrales Zukunftsprojekt ist das geplante Reststoffkraftwerk in Frastanz. „Mit diesem Projekt könnten wir über 90 Prozent unseres Energiebedarfs selbst abdecken und wären auf Jahre hinaus autark und krisenresistent“, betont Marte. Der UVP-Prozess läuft, die Gutachten seien positiv. Das Kraftwerk würde fossile Energieträger ersetzen, die Wettbewerbsfähigkeit stärken und die Papierproduktion sowie rund 450 Arbeitsplätze am Standort Frastanz langfristig absichern, so Marte.

Vorsichtiger Optimismus

Das Geschäftsjahr 2025 liegt laut Unternehmensangaben in etwa auf dem Niveau von 2024. „Die Tendenz im vierten Quartal stimmt positiv und macht leise Hoffnung für 2026“, sagt Marte. Gleichzeitig bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Neben der schwachen Baukonjunktur nennt der Vorstand vor allem energiepolitische Rahmenbedingungen als Risiko. Während deutsche Wettbewerber von Energiepreiskompensationen profitieren, sieht Ganahl hierzulande weiterhin Wettbewerbsnachteile. „Die latente Industriefeindlichkeit und die spürbare Abwanderung der Industrie bereiten uns große Sorgen“, richtet Marte auch mahnende Worte an die Politik.

"Latente Industriefeindlichkeit bereitet uns große Sorgen"

Interview mit Hubert Marte, Vorstandsvorsitzender der Rondo Ganahl AG

Hubert Marte, Vorstandsvorsitzender der Rondo Ganahl AG

VN: 2024 war von massivem Margendruck geprägt. Wo sehen Sie aktuell die größten Hebel, um Kostensteigerungen – insbesondere bei Personal und Energie – künftig besser abzufedern?

Hubert Marte: Die Kostensteigerungen der letzten Jahre haben unsere Ergebnissituation stark beeinflusst. Die Personalkostensteigerungen in dieser Höhe können durch Produktivitätssteigerungen und Automatisierung nur teilweise abgefedert werden. Somit ist eine Erhöhung der Verkaufspreise unserer Produkte unumgänglich. Was die Energiekosten anbelangt, haben wir die perfekte Lösung mit unserem Reststoffkraftwerk schon zur Hand. Mit diesem Zukunftsprojekt würden wir unseren Energiebedarf zu über 90 Prozent selbst abdecken und wären damit auf Jahre hinaus autark und krisenresistent. Zudem würden wir von fossilen Energieträgern auf regionale Energieressourcen umstellen.

VN: Wie beurteilen Sie das gerade abgeschlossene Geschäftsjahr 2025. Können Sie hier schon erste Zahlen nennen?

Hubert Marte: Das Jahr 2025 haben wir ungefähr auf dem Niveau von 2024 abgeschlossen, wobei die Tendenz im vierten Quartal 2025 positiv stimmt und leise Hoffnung für 2026 macht. Wir hoffen, dass sich auch die Baubranche und somit das von uns stark belieferte Baunebengewerbe in diesem Jahr wieder erholt.

VN: Trotz des aktuell herausfordernden Marktumfelds zählt Rondo Ganahl weiterhin zu den finanzstärksten Industrieunternehmen des Landes. In welchen Bereichen wollen Sie diese finanzielle Stärke in den kommenden Jahren gezielt einsetzen?

Hubert Marte: Wir sind bereits heute bei den Produktionstechnologien im absoluten europäischen Spitzenfeld, und diese Position wollen wir halten, um unseren Kunden weiterhin innovative und qualitativ hochwertige Verpackungen liefern zu können. Erste Priorität ist es, unsere finanzielle Stärke für den weiteren Ausbau der Zufriedenheit unserer Kunden zu nutzen. Wir beobachten auch die Entwicklung im Bereich der KI und versuchen, Lösungen pragmatisch in unsere Prozesse zu integrieren. Und natürlich schauen wir uns am Markt nach Möglichkeiten zur Expansion um.

VN: Gehen Sie für das Jahr 2026 von einer strukturellen Erholung des Marktes aus, oder rechnen Sie längerfristig mit einem dauerhaft anspruchsvolleren Umfeld für Papier- und Wellpappehersteller?

Hubert Marte: Wir gehen grundsätzlich positiv ins Jahr 2026, aber selbstverständlich wird das Umfeld weiterhin anspruchsvoll bleiben. Gerade im Papierbereich sind wir bei der wichtigen Ressource „Energie“ von Entscheidungen der Politik abhängig. Während unser Wettbewerb im deutschen Markt eine Energiepreiskompensation bzw. einen Industrie-Energiepreis erhält, haben sich unsere Politiker noch immer nicht zu einer vergleichbaren Unterstützung der energieintensiven Branchen in Österreich durchgerungen. Damit entsteht eine massiv wettbewerbsverzerrende Situation gegenüber deutschen Papierherstellern. Im Bereich der Wellpappe-Verpackungen sind wir von der produzierenden und verpackenden Industrie abhängig und da macht uns die latente Industriefeindlichkeit und somit eine spürbare Abwanderung der Industrie in andere Länder große Sorgen.
(Hinweis der Redaktion: Zum Zeitpunkt des Interviews war die am 14. Jänner angekündigte Einführung eines vergünstigten Industriestrompreises ab 2027 noch nicht bekannt.)

VN: Wie ist der aktuelle Stand beim geplanten Reststoffkraftwerk in Frastanz, und welche strategische Bedeutung hat dieses Projekt für Rondo Ganahl – insbesondere mit Blick auf Energieversorgungssicherheit, Kostenstabilität und Wettbewerbsfähigkeit in den kommenden Jahren?

Hubert Marte: Beim Reststoffkraftwerk ist der UVP-Prozess am Laufen. Wir haben die vollständigen Unterlagen im Oktober letzten Jahres eingereicht. Die Gutachten sind alle positiv und weit unter den strengen Grenzwerten. Wir würden mit diesem Projekt unsere Energieversorgung ins Unternehmen integrieren und somit autark werden. Mit dem äußerst positiven Nebeneffekt, dass wir weg von fossilen Energieträgern kämen. Durch dieses Projekt würden sieben Prozent des gesamten Vorarlberger Gas-Bedarfs auf einen Schlag durch regionale Energieträger (Industrie- und Gewerbe-Reststoffe) abgedeckt. Zudem würde es unsere Wettbewerbsfähigkeit enorm steigern, weil die meisten unserer Wettbewerber bereits über solche Kraftwerke verfügen. Und wir würden die Papierproduktion und somit die 450 Arbeitsplätze am Standort Frastanz langfristig absichern.

Kennzahlen – kurz & verständlich

Größe & Struktur

Umsatz (Umsatzerlöse)

Entgelte aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit innerhalb des Geschäftsjahres gemäß UGB (netto, ohne USt).

Größe & Struktur

Bilanzsumme

Summe der Aktiva (entspricht Summe der Passiva) am Bilanzstichtag – misst die Unternehmensgröße.

Größe & Struktur

Eigenkapital

Reinvermögen der Eigentümer am Stichtag (gezeichnetes Kapital, Kapitalrücklagen, Gewinnrücklagen, Gewinnvortrag, Jahresergebnis).

Größe & Struktur

Mitarbeitende

Durchschnittliche Kopfzahl bzw. am Stichtag beschäftigte Personen (je nach Quellenlage).

Ergebnis & Rentabilität

Operativer Gewinn (EBIT)

Ergebnis aus dem Kerngeschäft vor Zinsen und Steuern (UGB-GuV: Betriebsergebnis).

Ergebnis & Rentabilität

Jahresüberschuss

Ergebnis nach Steuern der Periode (vor Gewinnverwendung/Ausschüttung).

Ergebnis & Rentabilität

Cashflow

Zahlungsmittelüberschuss der Periode; üblicherweise der operative Cashflow aus der Kapitalflussrechnung.

Ergebnis & Rentabilität

Operative Gewinnmarge

Anteil des operativen Gewinns am Umsatz (EBIT-Marge).

Marge = EBIT ÷ Umsatzerlöse × 100 %
Ergebnis & Rentabilität

Eigenkapitalrendite (ROE)

Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals im Jahresverlauf (gebräuchliche Standarddefinition).

EK-Rendite = Jahresüberschuss ÷ durchschnittliches Eigenkapital × 100 %
Stabilität & Liquidität

Eigenkapitalquote

Finanzierungsstruktur: Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme.

EK-Quote = Eigenkapital ÷ Bilanzsumme × 100 %
Stabilität & Liquidität

Nettoverschuldungsgrad

Der Nettoverschuldungsgrad gibt an, in welchem Verhältnis die Nettoverschuldung zum Eigenkapital des Unternehmens steht

Nettoverschuldungsgrad = (Nettoverschuldung×100) ÷ Eigenkapital inkl. Investitionszuschüsse

(VOL.AT/VN)

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