AA

Ruaßiga Fritig: Ein alter Faschingsbrauch

Das steckt hinter dem rußigen Freitag.
Das steckt hinter dem rußigen Freitag. ©Steurer
Am Freitag vor Aschermittwoch schwärzen Kinder und Jugendliche in vielen Vorarlberger Gemeinden einander das Gesicht. Der "Ruaßiga Fritig", auch "bromigo Fritag", ist einer der letzten Höhepunkte der Fastnacht – und ein Brauch mit Wurzeln bis ins Mittelalter.

Wer am Freitag vor Beginn der 40-tägigen Fastenzeit durchs Dorf geht, muss damit rechnen, mit einem rußgeschwärzten Gesicht nach Hause zu kommen. Vor allem Kinder und Jugendliche machen sich an diesem Tag einen Spaß daraus, Freunde, Nachbarn oder Klassenkameraden "anzuruaßen".

Früher kam dafür tatsächlich Ruß aus dem Ofen zum Einsatz. Heute ist es meist harmlose, abwaschbare schwarze Farbe. Der Gedanke dahinter aber ist derselbe: ein letzter närrischer Streich, bevor mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt.

Der "rußige Freitag" ist Teil der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, die in Vorarlberg tief verwurzelt ist – vom Unterland bis ins Montafon.

Ursprung im Mittelalter

Die Ursprünge des Brauchs reichen nach Überlieferungen bis ins Mittelalter zurück. Eine verbreitete Erklärung führt zum Backofen: Der Freitag vor Aschermittwoch soll die letzte Gelegenheit gewesen sein, Schmalzgebäck auszubacken, bevor in der Fastenzeit auf tierische Fette verzichtet wurde.

Nach dem Backen wurde der Ruß aus den Öfen gekratzt – und offenbar nicht immer nur entsorgt. Stattdessen landete er scherzhaft im Gesicht anderer. So soll aus einer pragmatischen Notwendigkeit ein närrischer Brauch entstanden sein.

In manchen Regionen ist auch vom "schmalzigen Freitag" die Rede. Bereits am "gumpigen" oder "schmutzigen" Donnerstag wurden traditionell "Küachle" in heißem Fett ausgebacken. Das Wort "gumpiger" leitet sich vom mittelhochdeutschen "gumpeln" ab – also Possen reißen, ausgelassen sein.

Was bedeutet "bromig"?

Neben "rußig" ist in Vorarlberg vor allem die Bezeichnung "bromigo Fritag" oder "beramig" gebräuchlich. Sprachforscher führen das Wort auf das mittelhochdeutsche "râm" zurück, das "Ruß" bedeutet.

Eine andere, regional überlieferte Erklärung besagt, dass "Brom" für Pfannenruß steht. Das gegenseitige "Anruaßen" wurde damit zum Namensgeber des Tages – und zum zentralen Element des Brauchtums.

Ruß als Maskierung und Schutz

Neben dem kulinarischen Ursprung gibt es weitere Deutungen. So könnte das Schwärzen des Gesichts auch eine einfache Form der Maskierung gewesen sein. Gerade für ärmere Bevölkerungsschichten war Ruß eine leicht verfügbare Möglichkeit, sich zu verkleiden – ganz ohne aufwendige Larven oder Kostüme.

Zudem schrieb man dem Ruß im Volksglauben eine schützende Wirkung zu: Er sollte böse Geister fernhalten. Ein Gedanke, der gut zur Fastnacht passt, die seit jeher auch das Austreiben des Winters und dunkler Mächte symbolisiert.

Kirchliche Einschränkungen – und gelebte Tradition

Historischen Berichten zufolge untersagte eine päpstliche Verordnung aus dem Jahr 1748 bestimmte Brauchübungen am Freitag, dem Gedenktag an den Tod Jesu. Doch das "Anruaßen" verschwand nicht. In vielen Regionen – auch in Vorarlberg – hielt sich der Brauch über Generationen hinweg.

(VOL.AT)

  • ADMIN AT
  • Fasching
  • Ruaßiga Fritig: Ein alter Faschingsbrauch