Sanierung im Egger Zentrum: 2,2 Millionen Euro Investition in Gebäude aus den 70ern
In den 70ern erbaut, 1978 eröffnet
Es tut sich was im Egger Zentrum. Für das Wohn- und Geschäftshaus "Loco 910" im Zentrum ist eine umfassende Sanierung vorgesehen. Die Eigentümergemeinschaft brachte den Antrag dafür ein.
Das Haus ist als GZ (kurz für Geschäftezentrum) vielen im Bregenzerwald ein Begriff. Erbaut wurde es im Jahr 1977. Bereits seit 1978 ist im Gebäude ein Lebensmittelmarkt untergebracht, der "Löwo Lado" war zuerst ein Adeg, seit 2012 gehört er zu Spar. Auch Behmann Mode, den Friseursalon Figolant und einen Skinfit-Shop findet man im GZ.
Neue Außenhülle für das GZ
Im Erdgeschoss vor Behmann Mode wurde diese Woche eine Bauabsperrung aufgestellt. In den Obergeschossen müssen laut Hausverwalter Helmut Fetz die Balkone der Wohnungen saniert werden. "Aufgrund des Alters", merkt er an. "Hier sind jetzt massive Abbrucharbeiten von den Balkonbrüstungen und auch von den Bodenbelägen erforderlich, damit wir danach wieder thermisch sanieren können."
Da auch Gebäudeteile nach unten fallen könnten, wurde die großräumige Absperrung eingerichtet. Der Geschäftsbetrieb kann so weiterlaufen. Der Zugang zu den Geschäften im ersten Obergeschoss erfolgt während der Bauzeit über den allgemeinen Zugang vom Treppenhaus.
Die Sanierung betrifft vor allem die Außenhülle des Gebäudes. Sie soll an veränderte Sanierungs- und Wärmedämmungsanforderungen angepasst werden. Mitarbeiter der Firma Berkmann sind mit den Abbrucharbeiten beschäftigt.
Rund sechs Monate Sanierungsdauer
Die Abbrucharbeiten werden noch rund zehn Tage andauern. Während der fünf bis sechs Monate andauernden Sanierungszeit sind die Balkone der Wohnungen aufgrund von Absturzgefahr gesperrt. "Ausziehen muss niemand", betont Fetz. Im Wohnbereich werden Fenster und Türen ausgetauscht. Mieter werden über den Zeitpunkt informiert: "Sie bekommen einen genauen Termin", so Fetz. Der Ein- und Ausbau erfolgt am selben Tag, Fensteranschlüsse werden unmittelbar von Malern und Verputzern erledigt.
Durch den Fenster- und Türentausch wird laut Helmut Fetz künftig 60 Prozent weniger Energie verbraucht. Auf das Gebäude kommt zudem auch eine PV-Anlage, damit ein Teil Eigenstrom abgedeckt werden kann. Auch das ist Teil der Förderung.
Nach dem Abbruch folgt die thermische Sanierung. Die Gebäudedämmung wird ganzflächig erneuert. Die komplette Fassade wird modernisiert: "Wie es bei uns im Bregenzerwald ist: Die Fassade wird eine Holzfassade", verrät Helmut Fetz. Damit soll sich das alte Gebäude optisch den Gegebenheiten im Ortskern mit dem neuen Posthus anpassen.
Auch in der Tiefgarage wird im Deckenbereich eine neue Dämmung angebracht, wie der Hausverwalter beim Lokalaugenschein erklärt: "Die ganzen Leitungen an der Decke müssen abgeschraubt werden, die ganzen Lichter." Die Installationen werden auf den neuesten Stand nachgerüstet. "Die Beleuchtung wird auch energiesparend mit LEDs ausgestattet."
Erste Überlegungen vor rund 15 Jahren
Bereits vor 12 bis 15 Jahren gab es laut Fetz erste Überlegungen, die Außenfassade zu sanieren. Vor rund drei Jahren wurde das Projekt konkret. In der Vorplanungsphase wurde geprüft, welche Voraussetzungen für Förderungen von Land und Bund erfüllt werden müssen.
Im Dezember des Vorjahres wurde das Vorhaben von der Gemeinde Egg genehmigt. "Die Sanierung hat im Jänner begonnen und wird spätestens bis zum 30. September abgeschlossen", informiert Helmut Fetz.
Herausforderungen bei der Sanierung
Beim GZ gibt es eine Wohnungseigentümergemeinschaft mit Eigentumswohnungen. Die Geschäftsflächen sind vermietet. Zu den Eigentümern im Geschäftsbereich zählen unter anderem die Familie Behmann sowie die Familie Weidinger (Geschäftsflächen von Spar, Figolant, Skinfit).
Die Hausverwaltung ist mit der Wohnungseigentümergesellschaft, der Bauleitung, ausführenden Firmen und Mietern im ständigen Kontakt und Austausch. Voraussetzung für die Sanierung war ein einstimmiger Beschluss. "Da haben wirklich alle am gleichen Strick gezogen", verdeutlicht Fetz. Die Eigentümer und Mieter seien "mit im Boot" und hätten Verständnis für die "Sanierungs-Unannehmlichkeiten".
Eine besondere Herausforderung war laut Helmut Fetz, die Bestandspläne aus den 70ern zu bekommen. Hier sei alles bestens dokumentiert.
2,2 Millionen Euro Sanierungssumme
Im Vorfeld wurde ein Komplettkonzept für die Ermittlung der Sanierungskosten auf- und den Förderungen gegenübergestellt. "Wir sprechen hier von einer Sanierungssumme von circa 2,2 Millionen Euro", verdeutlicht Helmut Fetz.
Die Finanzierung erfolgt über die Reparaturrücklage, diese deckt jedoch laut Fetz nicht die gesamte Summe ab. Dazu kommen Förderungen von Land und Bund, darunter begünstigte Kredite wie die Wohnbauförderung. Einen gewissen Restbetrag müssen die einzelnen Eigentümer selbst aufbringen.
Behmann Mode: Betrieb läuft weiter
Wie stehen Geschäftsbetreiber zur Sanierung? Michael Behmann, seines Zeichens auch Obmann der Egger Kaufmannschaft, zeigt sich erfreut. Für sein eigenes Unternehmen sieht Behmann jedoch eine besondere Ausgangslage: "Wir haben unser Modegeschäft schon vor rund 15 Jahren saniert", informiert Behmann gegenüber VOL.AT. Bereits 2010 wurde das Geschäft nach einer zehnwöchigen Umbau- und Erweiterungsphase neu eröffnet.
Die Sanierung bei laufendem Betrieb befürwortet der Egger Händler: "Aus Geschäftssicht läuft der Betrieb ganz normal weiter." Die Sanierung und damit einhergehende Modernisierung des Gebäudes freut Behmann. "Man ist schon seit rund 15 Jahren dran. Es ist eine tolle Geschichte, dass es endlich so weit ist."
(VOL.AT)