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Schluss mit der Banane: So geht Aufklärung richtig

Viele Eltern warten auf "den richtigen Moment". Den gibt es so nicht.
Viele Eltern warten auf "den richtigen Moment". Den gibt es so nicht. ©Symbolbild: Canva
Emilia Waanders (VOL.AT) emilia.waanders@russmedia.com
Banane, Kondom, fertig? So einfach ist Aufklärung nicht. Was Kinder wirklich brauchen – und warum Gespräche oft zu kurz greifen.

Wo der Fokus liegt

Viele Eltern schieben es vor sich her – dabei beginnt Aufklärung viel früher, als die meisten denken. Sexualberaterin Bettina Schwung erklärt, warum das berühmte "eine Gespräch" ein Mythos ist und was Kinder und Jugendliche wirklich brauchen.

Podcast: Was Eltern ihren Kindern wirklich sagen sollten

Aufklärung beginnt im Kleinkindalter

Wer beim Thema Aufklärung an ein einmaliges Gespräch mit zwölf denkt, liegt laut Schwung falsch. "Ich würde raten, von Anfang an mit den Kindern Geschlechtsteile zu benennen", sagt sie. Es gehe zunächst nicht um Sex, sondern um den eigenen Körper, Gefühle und Grenzen.

Kinder sollen früh lernen: Mein Körper gehört mir. Ebenso wichtig sei es, zwischen guten und schlechten Geheimnissen zu unterscheiden – ein zentraler Punkt in der Prävention, erklärt Schwung in der sechsten Folge von "Let's Talk About Sex – Vorarlberg Edition."

Video: Die ultimativen Aufklärungs-Ratschläge

Warum es Eltern oft schwerfällt

Dass Gespräche über Sexualität unangenehm sind, liegt oft an der eigenen Vergangenheit. "Weil wir nicht gelernt haben, darüber zu reden – und schon gar nicht mit Kindern", erklärt Schwung. Viele Eltern hätten selbst nie altersgerechte Antworten bekommen.

Die Folge: Unsicherheit. Oder das Gegenteil – ein Übermaß an Informationen. "Es gibt die sehr Übermotivierten, die ganz schnell alles loswerden wollen", sagt die Expertin. Entscheidend sei aber, sich am Kind zu orientieren, nicht am eigenen Redebedürfnis.

Das bekannte Unterrichtsbild: Ein Kondom über einer Banane – für Sexualberaterin Bettina Schwung greift diese Form der Aufklärung oft zu kurz. ©VOL.AT/Emilia Waanders

Keine Einmal-Aufklärung – sondern ein Prozess

Aufklärung ist kein fixer Zeitpunkt, sondern ein laufender Prozess. Kinder stellen Fragen, wenn sie bereit sind. "Manchmal sind sie mit einer ganz einfachen Antwort schon zufrieden", so Schwung.

Eltern sollten daher ehrlich, aber altersgerecht antworten. Ein Beispiel: Die Entstehung eines Babys lässt sich zunächst biologisch erklären – ohne direkt auf Sexualität einzugehen. Das bekannte Bild aus dem Unterricht – Kondom über eine Banane – sei vielen präsent, greife laut Schwung aber zu kurz, weil dabei oft nur die Technik im Fokus stehe, nicht aber Themen wie Gefühle, Grenzen oder Beziehungen.

Internet und Pornos: Gespräch statt Verbot

Früher oder später stoßen Kinder online auf Sexualität – oft ungefiltert. "Der Dschungel im Internet ist riesig", sagt Schwung. Umso wichtiger sei ein offenes Verhältnis.

Wer sein Kind nur schützt, ohne zu sprechen, verliere den Zugang. "Es ist wichtig, dass mein Kind so einen Draht hat, dass es mit mir darüber spricht."

Auch beim Thema Pornos rät sie zur Ruhe: "Pornos sind Science Fiction." Eltern sollten erklären, dass diese Darstellungen nichts mit realer Sexualität zu tun haben – ohne Panik oder Vorwürfe.

Was Kinder wirklich brauchen

Ein häufig unterschätzter Punkt: kindliche Sexualität. Kinder entdecken ihren Körper selbst – auch durch Berührungen. "Es ist wichtig, dass das nicht verteufelt wird", sagt Schwung.

Zwei von Schwungs Kinderbuchempfehlungen für Aufklärung. ©VOL.AT/Emilia Waanders

Stattdessen brauchen Kinder Privatsphäre und klare Regeln: Es sei wichtig beizubringen, dass sie selbst ihren eigenen Körper berühren dürfen, aber dass niemand anderes ihren Körper anfassen darf, wenn sie das nicht wollen. Ebenso müssen sie lernen, "Nein" zu sagen – und den Unterschied zwischen guten und schlechten Geheimnissen lernen.

Die wichtigsten Tipps im Überblick

  • Früh beginnen: Körperteile benennen, Gefühle ansprechen
  • Altersgerecht erklären – nicht überfordern
  • Aufklärung als Prozess verstehen, nicht als einmaliges Gespräch
  • Offenen Umgang mit Internet und Fragen fördern
  • Gute und schlechte Geheimnisse thematisieren
  • Kinder in ihrer Körperwahrnehmung stärken

Ein Satz bringt es laut Schwung auf den Punkt: "Mutige Kinderfragen haben mutige Erwachsenen-Antworten verdient."

(VOL.AT)

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