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"Schlussendlich ist es nur Turnen"

©European Gymnastics
Bianca Franzoi aus Mäder steht an der Spitze des europäischen Team-Turnens. Ihre Reise dorthin begann mit einem zufälligen Gespräch auf dem Schulweg.

"Ich will auch turnen", sagte die zehnjährige Bianca damals, als sie zwei Freundinnen auf dem Schulweg über ihren Turnverein sprechen hörte. Eine spontane Kindheitsentscheidung, die alles veränderte. Heute, 38 Jahre später, wurde die Vorarlbergerin zur Präsidentin des Komitees für Team-Turnen von European Gymnastics gewählt. Damit hat sie nicht nur Sitz und Stimme im Vorstand des europäischen Turnverbandes, sondern auch eine zentrale Rolle in der Zukunft einer aufstrebenden Disziplin.

Bianca Franzoi (2. v. r.) übernimmt mit ihrer neuen Aufgabe viel Verantwortung. ©Filippo Tomasi

Eine Disziplin für alle

Team-Turnen, das aus Skandinavien stammt, ist ein dynamischer Mannschafts-Dreikampf, der an drei Geräten ausgetragen wird: Boden, Tumbling und Trampolin. Für Franzoi ist es weit mehr als ein sportliches Format. Es ist eine Chance: "Team-Turnen ist für viele die sportliche Heimat, wenn sie im klassischen Kunstturnen nicht mehr weitermachen. Es ist schnell, abwechslungsreich und mitreißend, für Aktive wie für Zuschauer."

Nach dem Ende ihrer aktiven Turnerinnenzeit im Jahr 2000 fand sie im neu aufkommenden Team-Turnen einen Weg, dem Sport treu zu bleiben. "Ich wollte dem Turnsport nicht ganz den Rücken kehren", erinnert sie sich. Also kehrte sie zu ihrem Stammverein TS Götzis zurück und war von Anfang an beim Aufbau des neuen Formats in Österreich dabei.

Zur Person

Name
Bianca Franzoi
Geboren
10. Juni 1977
Wohnort
Mäder
Beruf
Trainerin für Sportrehabilitation
Ausbildung
Matura am Sportgymnasium
Fernstudium Sportrehabilitation
Ausbildung zur internationalen Kampfrichterin
Familie
Verheiratet mit Wolfgang

Engagement, das Grenzen überschreitet

Schon mit 14 begann Franzoi als Trainerin im Turnverein. Später trainierte sie Mädchen bis zu 22 Stunden pro Woche am Olympiazentrum Vorarlberg in Dornbirn. Seit 2003 pendelt sie regelmäßig in die Schweiz, wo sie als Trainerin für Sportrehabilitation im Fitnesscenter Nöllen in Altstätten arbeitet.

Parallel dazu wuchs ihr Engagement im Verband. 2024 wurde sie eine von vier Vizepräsidentinnen von Turnsport Austria. Eine Rolle, die sie zunächst zögerlich annahm: "Ich dachte mir: Was soll ich noch alles machen? Aber nach dem Gespräch mit Präsidentin Gabriela Jahn fühlte es sich richtig an." Gemeinsam wurde seither vieles neu aufgesetzt und weiterentwickelt.

Ein Teil der Turnsport-Austria-Führungsriege: Sportdirektor Florian Leimlehner, Vizepräsidentin Bianca Franzoi, Präsidentin Gabriela Jahn und Generalsekretär Robert Labner ©Hannah Lachinger

An der Spitze Europas – mit Teamgeist

Bei der Generalversammlung Ende 2025 in Prag wurde sie zur Präsidentin des europäischen Komitees für Team-Turnen gewählt. Damit folgt sie dem Schweden Per Sjöstrand. Ihre Vision ist klar: "Ich möchte gemeinsam mit meinem großartigen Komitee intensiv daran arbeiten, das Team-Turnen in ganz Europa voll zu etablieren und weiterzuentwickeln."

Ihr Komitee umfasst neben ihr noch sechs weitere Mitglieder, wobei alle die höchste Kategorie im internationalen Brevet (Kampfrichterausbildung und Lizenzierung) haben und somit Experten sind. Gemeinsam entwickeln sie die Wertungsvorschriften, klären internationale Anfragen und denken das Format weiter: Auch Länder wie Australien und die USA haben bereits erste Schritte gesetzt. Ein Ziel ist es, Team-Turnen weltweit zu etablieren, ohne dabei zu überstürzen.

Bianca Franzoi (l.) möchte das Team-Turnen weltweit etablieren. ©European Gymnastics

Zwischen Zugfahrt und Adventkalender

Wer Bianca Franzoi begegnen will, trifft sie oft im Zug, in der ÖBB oder der Westbahn. Denn sie ist ständig unterwegs: als Trainerin, Funktionärin, Pendlerin. Und doch findet sie Zeit für das Persönliche. Jedes Jahr überrascht sie eine andere Person mit einem selbst gebastelten Adventkalender. Kürzlich schrieb sie sogar ein 300-seitiges Buch, als Geschenk für eine Freundin.

Und wie bringt man all das unter einen Hut? Franzoi lacht: "Ich weiß es ehrlich gesagt selbst nicht. Mein Mann fragt mich das auch immer." Ihre Antwort liegt wohl in ihrer Leidenschaft. Denn für sie ist klar: "Turnen war und ist für mich immer das Wichtigste."

(VOL.AT)

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