"Schlussendlich wollte das niemand mehr verantworten" – Darum findet der Kinderumzug in Dornbirn wieder nicht statt
Der Kinderfaschingsumzug galt lange als fixer Programmpunkt im Dornbirner Fasching. Über Jahre hinweg beteiligten sich mehrere Schulen gemeinsam mit der Fasnat-Zunft Dornbirn an der Veranstaltung, bei der Kinder aus verschiedenen Schulen durch die Stadt zogen.
Warum der Umzug verschwand
Schon im vergangenen Jahr hatte der Kinderumzug ausgesetzt, auch in diesem Jahr wurde er nicht mehr ins Programm aufgenommen. Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Zunft wurde zuletzt immer schwieriger.
"Wir haben den Kinderumzug eigentlich für die Schulen gemacht", sagt Dagmar Fenkart-Kaufmann, Zunftmeisterin der Dornbirner Fasnat-Zunft. Das Interesse habe jedoch spürbar nachgelassen. Gleichzeitig sei der organisatorische Aufwand stark gestiegen – von Absperrungen über Sicherheitsauflagen bis hin zu Haftungsfragen.
Aufsichtspflicht als größte Hürde
Besonders deutlich werden die Gründe aus Sicht der Schulen. Sobald eine Schule offiziell am Umzug teilnahm, lag die volle Aufsichtspflicht bei den Lehrpersonen. Problematisch war dabei vor allem das Ende des Umzugs.
"Das größte Thema ist der Schluss", erklärt Richard Gurschler, Direktor der Volksschule Rohrbach, im Gespräch mit VOL.AT. "Die Kinder treffen dort ihre Eltern, Großeltern oder Verwandten. Abmeldungen funktionieren oft nicht. Dann wissen wir nicht: Ist das Kind abgeholt worden oder nicht?"
Teilweise habe man eine Stunde lang Kinder suchen müssen, während unklar gewesen sei, ob sie bereits mit Angehörigen nach Hause gegangen seien. "Dann stehen wir da und tragen die volle Verantwortung", sagt Gurschler. "Schlussendlich wollte das niemand mehr verantworten."
Sonntag, Freizeit, freiwillig
Ein weiterer Knackpunkt war der Zeitpunkt der Veranstaltung. Der Kinderumzug fand generell am Faschingssonntag statt – also außerhalb der regulären Dienstzeit. Für Lehrkräfte bedeutete die Teilnahme zusätzliche Verantwortung in der Freizeit. "Das ist eine freiwillige Sache", so Gurschler. Nicht alle Lehrpersonen seien faschingsaffin, viele hätten die Belastung über die Jahre als zu hoch empfunden. Die rechtliche Unsicherheit habe die Bereitschaft zusätzlich sinken lassen. Auch die Unterstützung durch Eltern habe abgenommen. Immer öfter sei die Verantwortung bei den Lehrpersonen geblieben, statt von Erziehungsberechtigten übernommen zu werden.
Keine Teilnahme mehr an Umzügen
Die Konsequenz: Die Volksschule Rohrbach nimmt inzwischen an keinem Faschingsumzug mehr teil – auch nicht am großen Umzug, der alle zwei Jahre stattfindet. Dort sei das Empfinden nach Durcheinander sogar noch höher. Stattdessen organisiert die Schule am Faschingsdienstag einen internen Umzug während der Unterrichtszeit, gemeinsam mit dem Kindergarten, in einem klar geregelten Rahmen.
Ähnlich sehen es auch andere Schulen. Für die Fasnat-Zunft ist das Aus des Kinderumzugs dennoch schmerzlich. "Es ist schade, dass irgendwo etwas verloren geht", sagt Fenkart-Kaufmann. Gleichzeitig sei die Faschingssaison sehr dicht gedrängt, zusätzliche Formate seien kaum mehr zu stemmen.
(VOL.AT)