Schüler nach der Zentralmatura erleichtert – "Fühlte sich an wie eine lange Schularbeit"
Am Montag wurden die Maturantinnen und Maturanten an den AHS und BHS im berüchtigten Angstfach Mathematik geprüft, auch die Berufsreifeschüler mussten 270 Minuten lang zeigen, was sie gelernt haben. In der vergangenen Woche standen Deutsch (Dienstag), Englisch (Donnerstag), Französisch (Freitag) und Latein auf dem Plan.
"Wenig Spielraum für individuelle Interpretation"
An der HAK Feldkirch war die Erörterung das Lieblingsthema: Die Schüler sollten einen Artikel aus dem "Standard" zum Aussterben von Sprachen argumentativ behandeln. Laut Direktor Michael Weber hätten Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer rückgemeldet, die "Ausgangstexte waren umfassend und es gab wenig Spielraum für die individuelle Interpretation". Für Vorarlberger Schüler sei der Text aufgrund einiger Wörter wie "Tamtam" schwieriger zu verstehen gewesen, mutmaßt er. "Mathe sollte machbarer sein", prognostizierte er am Vormittag nach einem Blick auf die Aufgaben.
Für die Schüler war das auch so. Für Lukas Rosenberger (19) war nie Mathematik das Angstfach, sondern vielmehr Deutsch – die anderen Maturantinnen und Maturanten stimmten ihm zu. "Weil es so unberechenbar ist", meint der 19-Jährige. "Man braucht ein bisschen Fantasie und Vorstellungskraft und weiß nie, welcher Text kommt."
"Fühlte sich an wie eine lange Schularbeit"
Jetzt, nachdem die Matura hinter den jungen Erwachsenen liegt, sind sie erleichtert und stellen fest, dass es gar kein so großes Thema war: "Ich hatte immer Angst vor der Matura. Aber schlussendlich hat es sich angefühlt wie eine ewig lange Schularbeit", meint Isabelle Strunk (20).
"Es fühlt sich gut an, jetzt alles Schriftliche hinter sich zu haben", sagt Vincent Lercher (19). "Mathe zum Schluss war für mich ein großer Brocken." Außerdem ging er in Englisch in die Kommunikationsprüfung, wo ein Dialog und Monolog gehalten werden mussten, und fand das Hörverständnis schwierig.
Luca Cioran (20) war dankbar, dass Formeln wie für die Rentenrechnung in Mathematik einfach abgeschrieben werden konnten, auch wenn andere Aufgabenteile kompliziert gewesen seien.
Noch knapp zwei Wochen müssen sich die Schüler gedulden. Dann erhalten sie die Ergebnisse der schriftlichen Prüfungen und wissen, in welchen Fächern sie mündlich geprüft werden. Ob sie Angst haben, durchgefallen zu sein? "Das sehen wir dann, wenn es so weit ist", antwortet Lukas Rosenberger entspannt. Alle sind positiv: Die Matura sei machbar gewesen.
30-Prozent-Regel soll heuer letztes Mal gelten
Möglicherweise hilft auch die 30-Prozent-Regel, die ein "angenehmer Puffer" für Maturantinnen und Maturanten war. Sie wurde während der Corona-Zeit eingeführt und bezieht 30 Prozent der Jahresnote aus der Abschlussklasse in die Benotung der Matura ein, wenn dort mindestens ein "Befriedigend" erreicht wurde. Zum Bestehen muss dann nur ein Drittel der Punkte bei der schriftlichen Matura erreicht werden. Wird auch diese Schwelle nicht erreicht, zählt die Jahresnote nicht und es kommt zur Kompensationsprüfung.
Nach drei Wochen Ferien müssen die Schüler zu den mündlichen Prüfungen antreten – je nach Zweig unterschiedlich. Amelie Györgyfalvay (19) wird dann noch in Digital Business geprüft, wo sie entweder programmiert oder sich in Bild- und Videobearbeitung beweisen soll.
An der HAK/HAS Lustenau berichtet Direktor Johann Scheffknecht von einer Deutschmatura mit "drei recht einfachen Themenpaketen, die gut auf die Jugendlichen zugeschnitten waren". Einer der Schüler freute sich: "Das Thema ist leichter als die letzte Schularbeit!" Auch Mathe sei am Montag "durchaus bewältigbar" und nicht schwieriger als in den Vorjahren gewesen.
(VOL.AT/Isabel Lochbühler)