Mit KI schreiben ist erlaubt – doch bei der Matura zählt jetzt etwas anderes
"Man kennt die Schüler ja und fragt sich dann, woher ein perfekter Text kommt", sagt Christoph Prugger, Direktor am Gymnasium Feldkirch. Er spricht von Texten, die nicht von den Absolventen stammen: Künstliche Intelligenz ist ein großes Thema an Vorarlbergs AHS, HAK und Bundesgymnasien, wo derzeit Abschlussarbeiten geschrieben werden. Die Nutzung von KI ist nicht verboten, muss aber gekennzeichnet werden. Prugger sieht sie als "Werkzeug, das da ist, bleibt und nicht verteufelt werden sollte". Sei die KI-Nutzung allerdings nachweisbar, aber nicht gekennzeichnet, müsse die Leistung als nicht bestanden gewertet und wiederholt werden.
Einer, der die Nutzung von KI in Abschlussarbeiten bereits im September 2023 geregelt hat, ist Michael Weber von der Handelsakademie Feldkirch. "Die Schüler sollen KI sinnvoll einsetzen, aber wo genau sie verwendet wird, wissen wir nicht", gibt der Direktor zu. In den Texten der Abschlussarbeiten fänden sich immer weniger Grammatik- und Rechtschreibfehler. Weber setzt auf persönliche Betreuung der Arbeiten: "Aus Gesprächen habe ich das Gefühl, dass die KI bei großen Projekten wie der Abschlussarbeit weniger eingesetzt wird als bei Hausübungen und Referaten."
Bildungsministerium regelt den Umgang
Am Bundesgymnasium Dornbirn hat Christof Bohle in Abschlussarbeiten, für die sich die Hälfte der Maturantinnen und Maturanten entschieden, "hier und dort KI" entdeckt: Diese Stellen wurden nach offiziellen Zitierregeln angegeben, wie sie das Bildungsministerium aufgestellt hat. In einer Eigenständigkeitserklärung, wie sie früher bei wissenschaftlichen Arbeiten gefordert wurde, erklären die Verfasser, welche "generativen KI-Tools" sie zu welchem Zweck verwendet haben. Im Fließtext sollen die Inhalte als Kurzzitat ausgewiesen, im Quellenverzeichnis ähnlich einer Literaturangabe angegeben werden.
KI bei Abschlussarbeiten: Das Wichtigste
KI-Tools dürfen unterstützend eingesetzt werden, ersetzen aber nicht die eigene wissenschaftliche Leistung. Verantwortung für Inhalt und Qualität bleibt immer bei dir.
✔ Sinnvolle Nutzung
- Ideenfindung und Themenentwicklung
- Struktur und Gliederung erstellen
- Unterstützung bei Recherche
- Formulierungen verbessern
- Übersetzung von Quellen
⚠ Wichtige Regeln
- KI nur als Hilfsmittel verwenden
- Ergebnisse kritisch prüfen
- KI-Nutzung offenlegen (Tool + Prompts)
- Quellen korrekt zitieren
- Arbeitsprozess dokumentieren
⚡ Risiken
- Fehlerhafte oder verzerrte Inhalte
- Unzuverlässige oder veraltete Quellen
- Datenschutzprobleme
- Plagiatsgefahr bei fehlender Kennzeichnung
KI hilft – aber Eigenständigkeit, Transparenz und korrektes Zitieren sind Pflicht!
"In jeder Maturaarbeit kommt etwas selbstständig Erarbeitetes vor", erklärt Bohle. Die Schüler erheben Daten, machen Umfragen oder führen Interviews. Und die Betreuung durch die Lehrer sei sehr engmaschig, sagt der Dornbirner Direktor. Die Nutzung von KI erfordere Grundwissen, um den Wahrheitsgehalt zu beurteilen.
KI als Werkzeug, nicht als Feindbild
Den eigenständigen Teil betont auch Edgar Mayrhofer vom BORG Götzis. Schüler würden ihre Fähigkeiten stattdessen in künstlerischen oder wissenschaftlichen Arbeiten beweisen und die Präsentation sei ausführlicher: "Die mündliche Gestaltung und die Diskussion der Arbeit nimmt mehr Zeit ein, sodass zur Methode, dem Einsatz von KI, aber auch der inhaltlichen Vertrautheit deutlich besser nachgefragt werden kann." Mayrhofer hat sogar eine "AI-Policy" erarbeitet. Das Problem der Eigenständigkeit sei durch Plagiate, unsaubere Quellen oder Hilfe aus dem familiären Umfeld kein neues, aber durch KI sichtbarer, erklärt der Direktor.
Unisono bestätigen die befragten Direktoren, dass durch KI der persönliche Betreuungsprozess von Abschlussarbeiten und die Präsentation wichtiger sind. So werde sichtbar, wie viel ein Schüler wirklich könne. Für Bohle aus Dornbirn ist die KI nicht das Feindbild: "Sie wird uns weiter begleiten und die Schule muss einen Weg damit finden." Und Prugger vom Gymnasium in Feldkirch ist der Meinung: "Die Schüler sollen den Umgang damit korrekt erlernen."
(VOL.AT/Isabel Lochbühler)