AA

Sie verkaufen Platten, Schmuck und Papier: Wie drei Feldkircher Geschäfte dem Onlinehandel trotzen

Drei Feldkircher Geschäfte zeigen, wie Tradition auch in Zeiten von Amazon und Co. bestehen kann.
Drei Feldkircher Geschäfte zeigen, wie Tradition auch in Zeiten von Amazon und Co. bestehen kann. ©VOL.AT/Rausch
Onlinehandel, Einkaufszentren und neue Gewohnheiten setzen Feldkirchs Innenstadt unter Druck. Drei Traditionsgeschäfte zeigen, warum sie trotzdem bestehen.

Nach wenigen Minuten im Musikladen im Zentrum der Montfortstadt erhält man bereits einen guten Eindruck vom breiten Spektrum der Kundschaft. Innerhalb kurzer Zeit betritt ein Vater aus Bregenz mit seiner Tochter das Geschäft, auf der Suche nach einer ausgefallenen Jazz-Schallplatte.

Danach wendet sich ein Pensionist aus Lustenau mit einem speziellen Vinyl-Wunsch an den Verkäufer. Da die gewünschte Schallplatte derzeit nicht lagernd ist, bietet ihm dieser stattdessen eine Aufnahme aus Kuba an. Für 20 Euro wechselt sie schließlich den Besitzer. Kurz darauf holt ein weiterer Musikfan seine bestellte CD von Ed Sheeran ab.

Musikladen-Betreiber Dieter Grabher mit der Schallplatte "In the Court of the Crimson King" von King Crimson, die er bereits als Jugendlicher in diesem Geschäft gekauft hat.
Musikladen-Betreiber Dieter Grabher mit der Schallplatte "In the Court of the Crimson King" von King Crimson, die er bereits als Jugendlicher in diesem Geschäft gekauft hat. ©VOL.AT/Rausch

"Erfolgsrezept Standort"

Für kulturbegeisterte Menschen ist der 1979 von Karl Müllner gegründete Musikladen eine Institution. "Unser Erfolgsrezept ist natürlich der Standort", sagt Dieter Grabher (57) im Gespräch. Anfang Jänner übernahm der begeisterte Progressive-Rock-Fan den Betrieb. Bereits als Jugendlicher fuhr Grabher mit seinem älteren Bruder nach Feldkirch, um im Musikladen Schallplatten zu kaufen. Damals besuchte er noch die Hauptschule in Lustenau.

"Und jetzt bin ich da und mache das weiter aus Überzeugung. Ich denke, es braucht einfach einen Musikladen in Feldkirch", betont der 57-Jährige. "Ich bin sehr zufrieden, wie es läuft, und hoffe, dass es so weitergeht und es den Musikladen noch lange, lange gibt."

Auf wenigen Quadratmetern können Kunden zwischen Tausenden Schallplatten, CDs und DVDs wählen.
Auf wenigen Quadratmetern können Kunden zwischen Tausenden Schallplatten, CDs und DVDs wählen. ©VOL.AT/Rausch

Wie kann ein Musikladen in Zeiten von Onlinehandel, Einkaufszentren und Musik-Streaming überleben? "Zu uns kommen Kunden, die entweder keinen Computer haben oder den Einkauf im Internet nicht unterstützen wollen. Unser Angebot ist breit gefächert und unsere Stärke liegt in der persönlichen Beratung. Manchmal kommt jemand zu uns und sucht ein Geburtstagsgeschenk. Dann beraten wir ihn gerne", so Grabher.

Es komme vor, dass ein Kunde eine bestimmte Schallplatte unbedingt haben wolle, koste es, was es wolle. "Dann mache ich mich schlau, wo ich sie auftreiben kann. Ich habe gute Kontakte zu anderen Plattenläden, und wenn ich sie dort nicht bekomme, muss ich anderswo suchen. Von diesem Know-how leben wir schließlich."

Grabher sagt mit einem Lächeln, dass jemand, der einmal im Jahr vorbeikomme und eine Schallplatte kaufe, bereits ein Stammkunde sei. Von dieser Sorte gebe es einige, außerdem auch viele weitere, die jede Woche vorbeikämen. Doch es gibt noch einen weiteren Grund, warum Musikliebhaber aus der ganzen Region den Weg in die Feldkircher Tonträgerhandlung finden: "Mittlerweile sind wir in Vorarlberg traurigerweise ein Alleinstellungsmerkmal. Wir sind der einzige Plattenladen im ganzen Bundesland."

In der Schmiedgasse 6 weht seit Kurzem frischer Wind. Im April 2025 hat Tobias Ritter (30) das Traditionsunternehmen Juwelier Ritter von seinem Vater Gerhard übernommen. Der Familienbetrieb wurde 1866 gegründet und ist der älteste Juwelier der Stadt. Der gebürtige Feldkircher, der direkt über dem Geschäft aufgewachsen ist, stieg bereits 2014 in das Unternehmen ein. Zum Angebot gehören Reparaturen aller Art an Schmuck und Uhren, vom Batteriewechsel bis zum Einsetzen eines Brillanten.

Seit April 2025 führt Tobias Ritter das Traditionsgeschäft Juwelier Ritter.
Seit April 2025 führt Tobias Ritter das Traditionsgeschäft Juwelier Ritter. ©VOL.AT/Rausch

"Echtes Erlebnis vor Ort"

Als Erfolgsrezept für schwierige Zeiten nennt Ritter "Vertrauen, Emotion und das echte Erlebnis vor Ort". Denn: "Schmuck und Uhren sind Vertrauenssache, das kauft man nicht einfach per Mausklick", betont der 30-Jährige. Seit fast 160 Jahren biete man den Kunden persönliche, ehrliche Beratung und jene Sicherheit, die der Onlinehandel nicht liefern könne.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in seiner Branche verändert? "Die Erwartungen der Kunden verändern sich durch die digitale Welt. Die Herausforderung besteht darin, zeitgemäß und digital sichtbar zu bleiben, gleichzeitig aber im Geschäft genau jene persönliche, entschleunigte Atmosphäre zu bieten, die uns ausmacht", so Ritter.

Nur einen Steinwurf entfernt beweist Evamaria Begle in ihrem Geschäft Moosmann Stift & Papier ebenfalls, dass Tradition und Innovation kein Widerspruch sein müssen. Im Jahr 1889 eröffnete ihr Urgroßvater Karl Moosmann im selben Haus eine Buchbinderei. Später wurde daraus eine Tabaktrafik und anschließend ein Papierfachgeschäft. Vor 50 Jahren übernahm Begle den Betrieb in vierter Generation.

Elke Längle (l.) und Evamaria Begle verkaufen bei Moosmann Schulsachen, Kugelschreiber, Notizblöcke und vieles mehr.
Elke Längle (l.) und Evamaria Begle verkaufen bei Moosmann Schulsachen, Kugelschreiber, Notizblöcke und vieles mehr. ©VOL.AT/Rausch

"Sicher keine Dinosaurier"

"Wir sind ganz sicher keine Dinosaurier, die aus Mitleid am Leben erhalten werden müssen", sagt Begle auf die Frage, wie sie wirtschaftlich überleben kann. Im Gegenteil: "Wir könnten ein bisschen stolz sein auf das, was wir bieten." Das sei ein ganz anderes Produkt, als es Kunden in einem Einkaufszentrum oder online angeboten werde. "Wir müssen auch die als Partner sehen, denn wir kleinen Geschäfte können gar nicht mehr diese Masse an Produkten führen, wie es etwa Amazon hat."

(VOL.AT/Rausch)

  • ADMIN AT
  • Feldkirch
  • Sie verkaufen Platten, Schmuck und Papier: Wie drei Feldkircher Geschäfte dem Onlinehandel trotzen