"Sind keine Halunken": Vater des Barbetreibers äußert sich zur Tragödie von Crans-Montana
Die Westschweizer Zeitung "24heures" hat J. M. Moretti in Solenzara auf Korsika aufgespürt und mit ihm vor Ort gesprochen. Im Interview verteidigte er seinen Sohn gegen mediale Vorverurteilungen und sprach über die Betroffenheit der Familie.
Trauerfeier für die Todesopfer
Am Freitag gedachte die Schweiz im Rahmen eines nationalen Trauertags der Opfer der Brandkatastrophe. Derzeit stehen Sicherheitsmängel der Bar "Le Constellation" im Fokus der Untersuchungen. Bei dem Brand in der Silvesternacht starben 40 Menschen, 116 weitere wurden verletzt, viele davon schwer.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung, Körperverletzung und Brandstiftung. J. Moretti (49), einer der Barbesitzer, wurde am Freitag in Gewahrsam genommen. Seine Frau befindet sich auf freiem Fuß.
"Habe ihn zum ersten Mal weinen gesehen"
J. M. Moretti kritisierte im Interview, dass die frühere Strafvergangenheit seines Sohnes in Frankreich nun mit der Brandkatastrophe in Verbindung gebracht werde. "Was hat die Vergangenheit meines Sohnes – Jugendfehler, die er komplett abbezahlt hat – mit den 40 Toten zu tun?", sagte er.
Er beschrieb seinen Sohn als "harten Arbeiter", der sich selbst ein Unternehmen aufgebaut habe. Die Ereignisse in Crans-Montana hätten ihn tief getroffen: "Ich habe ihn im Kontext der Brandkatastrophe zum ersten Mal weinen sehen." Das Wohnhaus der Familie stehe derzeit unter Polizeischutz – "aber nicht auf seinen Wunsch hin".
Der Vater berichtete zudem, dass auch das Umfeld der Familie vom Brand betroffen sei. Unter den Opfern befinde sich eine Mitarbeiterin, die die Freundin eines Mannes aus dem Familienkreis gewesen sei. Dieser arbeite in einem anderen Schweizer Betrieb der Familie Moretti.
"Wir sind seriöse Leute, keine Halunken"
Die Familie werde sich nicht zurückziehen, betonte der Vater. "Wir werden uns nicht verstecken und nicht davonlaufen. Wir sind seriöse Leute, keine Halunken! Ich kenne meinen Sohn: Er wird nie fliehen. Das ist eine Frage der Ehre."
Die Tragödie habe die ganze Familie erschüttert. "Wir weinen jeden Tag. Ich schlafe nicht mehr", sagte J. M. Moretti weiter. Wenn die Presse seinen Sohn "herunterputzen" wolle, sei das deren Sache. "Am Ende werden wir nur vor der Justiz antworten. Mein Sohn ist verantwortlich, weil es sein Betrieb ist – ob er schuldig ist, wird man sehen."
(red.)