Der Traum von den zweiten Olympischen Spielen ist geplatzt. Als vor wenigen Tagen in Oberhof das Trainerteam des Österreichischen Rodelverbandes (ÖRV) die Karten offenlegte, war für Yannick Müller endgültig klar: Die Rennen unter den fünf Ringen im Cortina Sliding Centre werden ohne ihn über die Bühne gehen.
Der 26-jährige ist der einzige heimische Rodler, der bei den Winterspielen 2026 nur Zuschauer sein wird, ein bitteres Déjà-vu für einen Athleten, den Olympia bislang nicht loslässt.
Knappe Entscheidung
"Es gab eine gemeinsame Sitzung mit den Trainern und allen Athleten. Dort wurde uns mitgeteilt, wer nach Cortina fahren darf und wer eben nicht“, schildert Müller den Moment der Entscheidung. Die Enttäuschung sei groß gewesen. "Gerade weil die Situation zwischen uns drei Doppelsitzern in den letzten Wochen extrem eng, angespannt und ehrlich gesagt auch kräftezehrend war.“
Die finale Entscheidung sei hinausgezögert worden, weil auch die Verantwortlichen lange mit sich gerungen hätten. "Am Ende war es eine sportliche Entscheidung. Dass sie gegen uns ausgefallen ist, tut weh, aber so ist der Sport.“
Starke Saison reicht nicht
Besonders hart: Die Saisonbilanz des Polizeisportlers mit seinem Tiroler Partner Armin Frauscher liest sich wie jene eines Olympiastarters. Zwei Podestplätze im Weltcup, jeweils Rang drei in Lake Placid (USA) und Sigulda (LAT), sowie Platz fünf im Gesamtklassement zeugen von konstant starken Leistungen.
"Es ist extrem bitter. Ich glaube, das hat es noch nie gegeben, dass man mit Platz fünf im Gesamtweltcup bei Olympia zuschauen muss“, so der Bludenzer offen.
Entscheidend war letztlich die interne Qualifikationsrangliste und die Testfahrten auf der Olympiabahn in Cortina, weiß auch Müller: „Wenn man sich den Weltcupstand anschaut, liegen wir vor Steu/Kindl. Aber bei den Testevents waren sie schneller. Das hat am Ende vermutlich den Ausschlag gegeben.“
Olympia als unvollendetes Kapitel
Emotional herausfordernd ist die familiäre Konstellation. Bruder Jonas ist im Einsitzer in Italien dabei. „Ich gönne es ihm von Herzen und freue mich für ihn. Gleichzeitig leidet er natürlich mit mir mit“, erzählt Yannick Müller. Vor vier Jahren war es umgekehrt: Damals war Yannick für Peking nominiert, Jonas nicht.
Doch auch dieses Kapitel blieb für den Bludenzer unvollendet. Bei einem Trainingssturz im Eiskanal von Yanqing zog sich Müller einen Bruch des linken Unterarms zu, musste operiert werden und verpasste die Rennen, noch bevor sie begonnen hatten.
Immer noch motiviert
Ganz loslassen will Müller die Rennrodel-Bewerbe in den Dolomiten dennoch nicht. Zumindest teilweise wird er vor Ort sein. „Das Einsitzer-Rennen von Jonas werde ich mir auf alle Fälle anschauen und ihn bestmöglich unterstützen.“
Abstand nehmen? Dafür sei keine Zeit. Die Saison ist noch nicht vorbei, drei Weltcups stehen noch an. „Wir wollen Vollgas geben und diese gute Saison sauber zu Ende bringen.“
Und dann: Vier Jahre bis zu den nächsten Spielen, eine lange Zeit, in der viel passieren kann. „Ob und wie es weitergeht, müssen wir uns erst überlegen. Aber klar ist: Das ist Motivation. Auch wenn es diesmal nicht gereicht hat.“ Olympia bleibt für Yannick Müller eine noch nicht zu Ende erzählte Geschichte. Und vielleicht gerade deshalb ein Antrieb.