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Social Freezing kommt – und diese Zahl sollte jede Frau kennen

Emilia Waanders (VOL.AT) emilia.waanders@russmedia.com
Viele Frauen denken: Ich bin gesund, ich hab noch Zeit. Gynäkologe Mathias Zech aus Bregenz hört diesen Satz regelmäßig – und er hat eine Zahl, die das Bild schlagartig verändert. Ab 2027 wird Social Freezing in Österreich legal. Wer jetzt wartet, könnte zu spät dran sein.

Wie hoch ist die Schwangerschaftschance mit Mitte 40 – ohne eingefrorene Eizellen? Und ab welchem Alter empfiehlt Zech das Einfrieren auch seiner eigenen Tochter?

Social Freezing: Was sich ab 2027 ändern wird – und was Zech heute schon sieht

DDr. Mathias Zech, Gynäkologe in Bregenz und in der Kinderwunschklinik NextFertility tätig, behandelt im Bodenseeraum Kinderwunschpaare und Patientinnen, die sich informieren oder bereits vorsorgen möchten. Derzeit ist Eizellvorsorge in Österreich in dieser Form an medizinische Gründe gebunden.

Factbox: Medical Freezing

Zech beschreibt die Zielgruppe klar: Frauen, „die irgendwo ein Risiko in sich tragen, dass sie in naher Zukunft eventuell ihre Fertilität abnehmen wird“. Oder Frauen, „die schon in einer Situation sind, wo die Fertilität vielleicht per se reduziert ist“.

Als häufiges Beispiel nennt er Endometriose – besonders dann, wenn sie im Eierstock sitzt: „Endometriose-Patientinnen“, „vor allem auch solche, die sich dann im Eierstock zeigt“. Stehen Operationen an, könne es passieren, dass Eierstockgewebe entfernt werden muss – und damit auch Eizellen verloren gehen. „Wenn man da im Vorhinein Eizellen entnimmt, ist das sehr sinnvoll.“

Zech nennt darüber hinaus weitere Situationen, in denen Vorsorge im Fokus steht:

  • Operationen am Eierstock, unabhängig von Endometriose
  • Langzeitmedikationen, etwa bei „Rheuma oder so was“, wenn „immundämpfende Medikamente“ nötig sind
  • Chemotherapien, „wo die Chemotherapie auch den Eierstock angreifen“ kann

Wenn Social Freezing ab 2027 greift, geht es nicht um Krankheit. Es geht um eine Entscheidung, die immer mehr Frauen bewusst treffen: den Kinderwunsch auf später verschieben. Zech beobachtet diesen Trend täglich in seiner Praxis. Das Alter beim ersten Kind steige, sagt er – viele Frauen entschieden sich, „erst mit Ende 30, Anfang 40 oder noch später" Mutter zu werden. Was dabei oft unterschätzt wird: Die Biologie wartet nicht.

Factbox: Social Freezing

Was ist das? Social Freezing bedeutet: Eizellen werden vorsorglich eingefroren, ohne dass eine medizinische Indikation vorliegt – etwa, um sich die Chance auf eine spätere Schwangerschaft offenzuhalten.

Warum ist es Thema? Dr. Mathias Zech beobachtet, dass sich der Kinderwunsch gesellschaftlich nach hinten verschiebt. Viele Frauen fühlen sich gesund und stabil – unterschätzen aber, dass es „mit Ende 30, Anfang 40“ „wirklich Probleme machen“ kann.

Worum geht’s laut Zech vor allem? Frühzeitig informieren und realistisch bleiben: Es ist eine Vorsorge, keine Garantie – die Chancen steigen, „je jünger die Eizellen“ eingefroren werden.

Die Zahl, die alles verändert

Ohne eingefrorene Eizellen sinkt die Chance auf eine Schwangerschaft mit Mitte 40 auf 1 bis 5 Prozent. Mit jungen, rechtzeitig eingefrorenen Eizellen liegt sie laut Zech bei 50 bis 60 Prozent pro Versuch – mit zwei Versuchen an der 70- bis 80-Prozent-Grenze. „100 Prozent gibt es nicht", sagt Zech. Aber der Unterschied ist dramatisch.

Mag. DDr. Mathias Zech. ©Thomas Gmeiner

Ab wann ist der richtige Zeitpunkt?

Zech nennt eine klare Orientierung: vor dem 35. Lebensjahr. Nicht weil danach alles vorbei ist – „Es ist nicht so, dass man mit 35 schlagartig infertil wird." Aber die Biologie ist eindeutig: Die Eizellreserve sinkt, während der Bedarf steigt. Wer Anfang 30 einfriert, braucht laut Zech vielleicht sechs Eizellen als Puffer. Wer Ende 30 kommt, eher zehn bis zwölf – und oft mehrere Entnahmezyklen.

So läuft die Eizellentnahme ab

  • Stimulation: Hormontherapie über etwa zehn bis 14 Tage mit täglichen Spritzen.
  • Kontrollen: Mehrere Ultraschalluntersuchungen zur Überprüfung der Follikelreifung.
  • Auslösen der Reifung: Ist die passende Größe erreicht, wird die letzte Reifung medikamentös ausgelöst.
  • Entnahme: Rund 36 Stunden später erfolgt ein kurzer vaginaler Eingriff, bei dem die Follikel abpunktiert werden.
  • Narkose: Sedoanalgesie – "man schläft einfach", keine Vollnarkose, "man atmet selber".
  • Danach: Etwa eine halbe Stunde Erholung, anschließend kann die Patientin nach Hause.

Mögliche Nebenwirkungen:

  • Während der Stimulation: etwa Kopfschmerzen
  • Nach der Entnahme: meist leichte Unterbauch- oder Regelbeschwerden

Laut Zech sind in 90 Prozent der Fälle nur leichte Beschwerden zu erwarten – eine normale Schmerztablette reicht meist.

Was kostet Social Freezing?

Ein Zyklus inklusive Medikamente kostet ungefähr 3.000 bis 3.500 Euro. Dazu kommen jährliche Lagerungskosten – für zehn Jahre schätzt Zech grob 2.000 Euro. Das Einfrieren selbst wird nicht gefördert.

Anders sieht es bei der späteren IVF aus: Über den österreichischen IVF-Fonds können bis zum 40. Lebensjahr zwei Drittel der Behandlungskosten erstattet werden – für in Österreich wohnhafte Frauen.

Factbox: Was ist IVF?

IVF steht für In-vitro-Fertilisation („Befruchtung im Reagenzglas“). Dabei werden Eizellen nicht im Körper, sondern im Labor mit Spermien befruchtet.

So läuft es ab: Nach einer hormonellen Vorbereitung werden Eizellen entnommen. Im Labor werden sie mit dem Sperma befruchtet und mehrere Tage in einer Kulturschale entwickelt. Üblicherweise wird bis Tag 5 kultiviert – bis zur Blastozyste.

Danach wird ein Embryo in die Gebärmutter eingesetzt („Embryotransfer“). Zech betont: Es wird nicht die Eizelle eingesetzt und im Körper befruchtet – die Befruchtung findet „wie in der klassischen In-vitro-Fertilisation“ im Labor statt.

Bei eingefrorenen Eizellen werden diese später aufgetaut, befruchtet und wie bei einer IVF bis zum Transfer vorbereitet – ohne dass die gesamte Stimulation nochmals notwendig ist.

Wenn die Eizellen später gebraucht werden

Die aufgetauten Eizellen haben laut Zech eine Auftaurate von rund 90 Prozent. Danach werden sie im Labor befruchtet und fünf Tage kultiviert – bis zur sogenannten Blastozyste. Aus neun jung eingefrorenen Eizellen entstehen dabei vielleicht drei bis vier Embryonen, die für einen Transfer geeignet sind. Eingesetzt wird nicht die Eizelle, sondern der fertige Embryo – wie bei einer klassischen In-vitro-Fertilisation.

Was würde er seiner eigenen Tochter raten?

Der häufigste Fehler, den Zech beobachtet: zu lange warten. Das Thema werde ausgeblendet – und tauche erst dann auf, wenn es eng wird. Gefragt, was er seiner eigenen Tochter raten würde, antwortet er klar: „Wenn sie ihren Kinderwunsch aus Lebens- oder Karrieregründen verschieben wolle, würde ich ihr zumindest nahelegen, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen – entscheiden müsse sie am Ende selbst."

Ihre Meinung zum Thema Social Freezing

Ab 2027 soll Social Freezing in Österreich legal möglich sein. Wir möchten mit Frauen sprechen, die sich damit auseinandersetzen – unabhängig davon, wie sie dazu stehen.

  • Können Sie sich vorstellen, Eizellen einfrieren zu lassen?
  • Haben Sie sich bewusst dagegen entschieden?
  • Hätten Sie sich diese Möglichkeit früher gewünscht?
  • Haben Sie bereits Erfahrungen mit Medical oder Social Freezing gemacht?

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