Strom-Transferkosten als unkalkulierbare Zeitbombe für Betriebe
Der Grund dafür sind die Strom-Transferkosten, welche illwerke vkw ihren Großkunden ab einem Jahresverbrauch von 100.000 Kilowattstunden verrechnet.
Keine gesetzliche Vorgabe
Transferkosten sind unabhängig vom Energiepreis und losgelöst von gesetzlich vorgegebenen Gebühren und Abgaben sowie Steuern zu sehen. Sie kommen quasi noch oben drauf. Die Art und Weise der Berechnung und ihre Höhe sind gesetzlich nicht geregelt. Es handelt sich um eine zivilrechtliche Vereinbarung zwischen illwerke vkw und ihren Großabnehmern und damit um einen Bestandteil der Angebots- und Preispolitik des Energieversorgers.
Folge der Regelzonen-Trennung Deutschland und Österreich
Mit den Transferkosten reagiert illwerke vkw - so wie auch andere österreichische Energieversorger - auf die 2018 erfolgte rechtliche Trennung der Strommarktgebiete Deutschland und Österreich. Davor galten die beiden Länder als eine Regelzone. Dadurch wird seither der schon vorher faktisch bestehende Kapazitätsengpass an den grenzüberschreitenden Leitungen jetzt auch finanziell auf der Rechnung sichtbar, weil die entstehenden Transferkosten nunmehr verrechnet werden.
Kritik von Vorarlbergs Großabnehmern - Transferkosten sind nicht kalkulierbar
Für diese Weiterverrechnung von Transferkosten haben Vorarlbergs große Stromabnehmer grundsätzlich Verständnis, wie wpa-Gespräche mit mehreren Industriebetrieben zeigen. Kein Verständnis haben die Betriebe aber für die Art und Weise der Berechnung dieser Transferkosten. Denn illwerke vkw bezieht sich dabei einzig und allein auf die Differenz (den Spread) zwischen den offiziellen Börsenstrompreisen in Deutschland und Österreich.
Es zählt nur die Preisdifferenz an den Strombörsen
Für die Berechnung wird täglich der Spread beim Base- und Peak-Strompreis ausgerechnet und am Monatsende ein Mittelwert errechnet. Mit einer Gewichtung von 75/25-Prozent von Base und Peak werden dann monatlich die Transferkosten pro Kilowattstunde Strom (Cent/kWh) ausgerechnet. Ist der Börsenstrompreis in Österreich höher als in Deutschland - was überwiegend der Fall ist, vor allem im Winterhalbjahr -, dann fallen Transferkosten an. Ist er in Österreich niedriger, entsteht eine Gutschrift für die Firmen. Für Transferkosten gibt es keine Obergrenze, sie können auch höher als der Energiepreis werden.
Es wird dabei nicht ausgewiesen, wie viel Strom illwerke vkw in Deutschland (zu einem niedrigeren Preis) an der Börse kaufen und wieder verkaufen musste und schon gar nicht, wie viel Strom tatsächlich aus dem Nachbarland bezogen wurde. Es ist also von außen für Großkunden nicht nachvollziehbar, welche faktischen (Mehr-)Kosten illwerke vkw mit dem Strom-Transfer tatsächlich hatte, die man hier weiterverrechnet.
Jänner 2026 als Extremfall und warnendes Beispiel
Die unterschiedlichen Preisniveaus zwischen Deutschland und Österreich hängen von vielen Faktoren ab wie etwa verschieden fallenden Feiertagen sowie viel oder wenig Wind- und Sonnenenergie. Im Jänner 2026 kam es bedingt durch viele Kältetage, eine Dunkelflaute, wenig Wasserkraft und einen erhöhten Stromverbrauch zu markant höheren Preisen an Österreichs Strombörse im Vergleich zu Deutschland. So kostete beispielsweise am 22. Jänner 2026 eine Megawattstunde Strom (Base) in Deutschland 105,28 Euro und in Österreich 218,65 Euro - mehr als das Doppelte. Und das trieb dann im Jänner die Transferkosten auf 3,53 Cent pro Kilowattstunde nach oben. Zum Vergleich: Im Jänner 2024 waren es rund 0,5 Cent und im Jänner 2025 ca. zwei Cent.
Ein Fünftel der Stromrechnung
Der wpa liegen die Monatsstromabrechnungen von mehreren Großverbrauchern vor. In einem Fall betrugen die Transferkosten im Jänner 21 Prozent der gesamten Strom-Rechnung ohne Umsatzsteuer. Die Transferkosten kletterten dabei auf mehr als ein Drittel der Höhe des Energiepreises. In den Monaten davor und danach bewegten sie sich deutlich darunter. Die anderen Stromrechnungen zeigen ein ähnliches Bild. Mehr als ein Fünftel der Netto-Stromrechnung entfiel auf die Transferkosten. Die Heftigkeit der Preisausschläge vom Jänner 2026 - die jederzeit wieder kommen können - zeigt sich an den jüngsten Transferkosten. So fielen im April nur 0,85 und im Mai nur 0,22 Cent/kWh an, also ein Bruchteil.
Transferkosten "völlig unkalkulierbar"
Die Kritik der Betriebe richtet sich nicht nur gegen die zwar rechnerisch nachvollziehbare, aber inhaltlich nicht begründbare Art und Weise der Berechnung und die dadurch entstehende Intransparenz. Sie richtet sich auch gegen die "völlige Unkalkulierbarkeit" der Gesamtstromkosten, da die Transferkosten nur anhand der volatilen Börse-Spreads berechnet werden. Die Absicherung der Transferkosten über das DE-AT-Y-Base-Auktionsmodell sei keine Hilfe, weil die Gefahr sehr groß sei, deutlich über den dann tatsächlichen Transferkosten abzuschließen und auf den Mehrkosten sitzen zu bleiben, heißt es aus den Betrieben.
illwerke vkw: "Verrechnung ist branchenüblich"
Bei illwerke vkw wird die Verrechnung von Transferkosten bestätigt. Die Vorgehensweise sei seit der Marktgebietstrennung Deutschland-Österreich "branchenüblich". Auf die Frage, warum die Transferkosten strikt nur auf Basis der offiziellen Börsenstrompreise errechnet werden und sich in den Rechnungen keine Informationen über dem Energieversorger tatsächlich entstandene Kosten finden, die man weitergeben müsse, ging man nicht ein. Das bleibt ein Geheimnis von illwerke vkw.
(wpa/gübi)