Unsere Lebensgrundlage Boden!

Er ist die Basis für Ernährung, Artenvielfalt, Wasserhaushalt, Klimaschutz u. v. m.

Die Vorarlberger Grünen haben kürzlich eine „Entsiegelungs-Offensive“ angekündigt. Bei hohen Ansprüchen und Nutzungsdruck werden in Vorarlberg täglich 8000 Quadratmeter intakter Boden verbraucht. Der Großteil der Fläche wird versiegelt. Regenwasser kann nicht versickern, der Gasaustausch des Bodens mit der Atmosphäre wird verhindert und das Leben im Boden stirbt ab. Wo kein Regenwasser ver­sickert, kann auch keines verdunsten. In Siedlungsräumen mit hoher Versiegelung führt dies zum Anstieg der lokalen Temperaturen, zur Veränderung des Mikroklimas und zur Entstehung von Hitzeinseln – bei Hitzerekorden, wie etwa 36,5 Grad im Schatten in Feldkirch im Juni. An der prallen Sonne erhitzt sich Asphaltfläche bis zu 60 Grad.

Unsere Gesundheit

Schwangere, Kleinkinder, ältere und kranke Menschen leiden besonders darunter. ­Daher müssen urbane Räume zu kühlenden grünen Inseln umgestaltet werden – und hier zählt jeder Quadratmeter. Die „Stimme der Bäume“ aus Dornbirn, Conrad Amber, plädiert für „Wälder in die Stadt“, zahlreiche Umweltarchitekten zeigen Beispiele auf, wie man aus Städten und Hochhäusern „essbare Waldgärten“ machen kann. Es geht darum, intakte Öko­systeme zu schaffen – besonders in Ballungszentren, wo zukünftig der Großteil der Menschheit leben wird. „Mit dem Klimawandel und den damit steigenden Temperaturen gehen Starkregenereignisse einher“, betonen die Grünen. „Ein Hektar funktioneller Boden speichert bis zu 2000 Kubikmeter Wasser und gibt es verzögert an Bäche und Flüsse ab. Jeder Tropfen Wasser, der nicht versickert oder verdunstet, muss über das öffentliche Kanalisations­system abgeleitet werden.“ Bei Unwettern kommt es zu Überschwemmungen. Offener Boden mindert Hochwasserrisiko.

Zurück zur Natur

Versiegelter Boden ist für lange Zeit verloren. Wiederbelebung verursacht hohe Kosten und es dauert Jahrzehnte, bis Bodenleben zurückkehrt und Humus aufgebaut wird. „Daher stehen wir Grüne für sparsamen und fürsorglichen Umgang mit Boden. Die jahrzehntelange Fehlentwicklung ruft nach Strategien, die unsere intakten Böden schützen“, heißt es im Appell an alle. Beim Landesumweltreferent(inn)entreffen in Wien wurden Abfall, Wasser, Luftqualität, Verkehr, Energie, Atomkraft, Bodenschutz und Biodiversität besprochen. „Die Klimakrise wird zu einem drastischen Verlust an Biodiversität und fruchtbaren landwirtschaftlichen Flächen führen, dies wiederum zu einer Verstärkung der Lebensmittelknappheit“, sagte Umwelt­landesrat Daniel Zadra. Die Klimabündnis-Lehrgänge, die von Univ.-Prof. DI Dr. Gerlind Weber – heuer in Vorarlberg – geleitet wurden, zielen auf ­Entsiegelung und „gesunden Boden“ ab. „Die vordringliche Herausforderung ist, die Einsicht bei den Menschen zu ­verankern, dass die Klimaschutzziele ohne rigorosen Bodenschutz nicht erreichbar sein werden“, erläuterte Prof. Weber im VN-Interview.

Treibhausgassenke Boden

„Mit dem Bauen im Außen­bereich werden einerseits immer mehr klimaschädigende Emissionsquellen geschaffen und andererseits der Boden als potenzielle Treibhausgassenke verringert. Diese Schere geht derzeit immer mehr auf“, führt Gerlind Weber aus. „Daher der Appell an die Gemeinden, ihre Entwicklungsstrategie von der gepflogenen Außenentwicklung zur Innenentwicklung zu ändern. Heißt, Bestehendes effizient nützen – etwa durch Schließung von Baulücken oder durch verträgliche Verdichtung mittels An-, Um- oder Zubau. Aber auch organisatorische Verbesserungen sind gefragt wie das Anlegen eines Leerstandkatasters oder einer Immobilientauschbörse.“

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