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"Ich war immer die Letzte" – Wie zwei 32-jährige Frauen das Rennradfahren neu zugänglich machen

Viele Frauen steigen gar nicht erst aufs Rennrad – aus Angst, nicht mithalten zu können. Genau dort setzen Julia Blum (32) aus Dornbirn und Elena Roch (32) an: Mit viertägigen Camps nur für Frauen schaffen sie einen geschützten Rahmen – ohne Leistungsdruck, aber mit sportlichem Anspruch.

Als Julia Blum 2019 bei der "Tour d’Alba" erstmals auf einem Rennrad saß, hatte sie weder eigenes Equipment noch Erfahrung. "Ich wusste nicht einmal genau, wie die Gangschaltung funktioniert", sagt sie. Trotzdem sprang der Funke sofort über. Heute organisiert sie gemeinsam mit Elena Roch Rennradcamps für Frauen – aus einer Erfahrung heraus, die viele kennen: das Gefühl, nicht gut genug zu sein.

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"Ich mache Rennradcamps für Frauen – also von Frauen für Frauen", sagt Julia Blum. ©VOL.AT/SKÖ

Dabei war Rennradfahren für die Dornbirnerin lange kein Thema. Erst 2019, beim Vintage-Rennen "Tour d’Alba" in Vorarlberg, saß sie zum ersten Mal auf einem Rennrad – auf einem geliehenen. "Das war Liebe auf den ersten Blick", sagt sie. Gleichzeitig wusste sie nicht einmal genau, wie die Gangschaltung funktioniert. Sie startete ohne Training, ohne Ausrüstung, ohne Erfahrung – und merkte schnell, wie groß der Respekt vor Tempo und Technik sein kann.

Später meldete sie sich für ein gemischtes Trainingscamp mit rund 30 Teilnehmern an. Körperlich sei das "die schlimmste Woche" gewesen, sagt Blum. Die Distanzen länger, das Tempo höher als erwartet. "Ich war zwar immer die Letzte, aber ich habe durchgehalten." Das Gefühl, hinterherzufahren statt mitzuhalten, habe sie damals stark beschäftigt.

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Neben dem Rennrad ist Pilates Julias zweite Leidenschaft – Übungen daraus sind fixer Bestandteil ihrer Camps. ©VOL.AT/SKÖ

In diesem Camp habe sie verstanden, was viele Frauen zurückhält. "Viele denken, sie sind die Last der Gruppe", sagt Blum. Aus einer angekündigten "Kaffeefahrt" werde schnell ein Tempovergleich. Wer nicht mithalte, falle zurück – körperlich und mental. "Frauen trauen sich oft weniger zu, als sie eigentlich könnten."

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Julia Blum und Elena Roch mit einer Gruppe von acht Teilnehmerinnen bei einem ihrer Rennradcamps. ©VOL.AT/SKÖ

Aus der Beobachtung wurde ein Projekt

In einem Innsbrucker Radverein lernte Blum Elena Roch kennen. In der wöchentlichen Sonntagsrunde seien Frauen deutlich in der Minderheit gewesen. "Wir waren oft nur ein, zwei unter vielen Männern", sagt Blum. Die Idee eines eigenen Formats entstand aus dieser Beobachtung – und wurde an Rochs 30. Geburtstag konkret.

"Wir haben gesagt: Warum gibt es das eigentlich nicht?", erinnert sich Blum. Aus einem Gespräch wurde ein Plan. Am nächsten Tag beschlossen sie, das Projekt umzusetzen.

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In einem Innsbrucker Radverein entstand ihre Freundschaft – und die Idee für ihr gemeinsames Rennrad-Projekt kam ins Rollen. ©VOL.AT/SKÖ

Was als Idee begann, wurde professionell aufgesetzt. Neben der Organisation von Unterkünften und Streckenplanung investierten die beiden in ihre Ausbildung. Eine spezifische Rennrad-Trainerausbildung existierte nicht. "Wir wollten nicht einfach nur Ausfahrten anbieten, sondern fundiert arbeiten", sagt Blum. Nach mehreren Gesprächen mit "Cycling Austria" wurde ein eigenes Ausbildungsmodul entwickelt – Blum und Roch waren die ersten Absolventinnen.

Vom Fehlstart zum Erfolgsmodell

Der Start verlief holprig. Der erste Termin musste wetterbedingt abgesagt werden, beim zweiten Versuch meldeten sich nur drei Teilnehmerinnen an. Für ein neu gegründetes Format sei das ein Dämpfer gewesen, sagt Blum. "Natürlich fragt man sich da, ob die Idee trägt." Aufgeben war dennoch keine Option. Die kleine Gruppe habe gezeigt, dass das Konzept funktioniert – auch im überschaubaren Rahmen.

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Ihre Rennradtouren planen die beiden quer durch ganz Österreich. ©VOL.AT/SKÖ

Inzwischen organisieren sie vier bis fünf Camps pro Jahr, jeweils von Donnerstag bis Sonntag. Zuletzt nahmen bis zu 18 Frauen teil – deutlich mehr als bei den ersten Versuchen. Gefahren wird bewusst in zwei Leistungsgruppen: eine "Cappuccino-Gruppe" für Einsteigerinnen oder alle, die das Tempo bewusst moderat halten wollen, sowie eine schnellere Gruppe mit Elena Roch an der Spitze.

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Ziel der beiden ist ein geschützter Rahmen ohne Leistungsdruck – aber mit sportlichem Anspruch. ©VOL.AT/SKÖ

Das Format ist bewusst ausschließlich für Frauen konzipiert. Partner können im Hotel übernachten, die Ausfahrten selbst bleiben jedoch reine Frauensache. Ziel ist ein geschützter Rahmen – ohne Leistungsdruck, aber mit klar sportlichem Anspruch.

Mehr Mut auf zwei Rädern

Heute geht es den beiden nicht nur um Kilometer und Höhenmeter. Im Mittelpunkt steht das Selbstvertrauen der Teilnehmerinnen. Viele kämen mit der Sorge, nicht mithalten zu können, sagt Blum. "Man kann mehr, als man sich zutraut."

Genau diesen Perspektivwechsel wollen sie ermöglichen – unabhängig von Ausrüstung oder jahrelanger Erfahrung. Die Camps sollen einen Raum schaffen, in dem Frauen erleben, was in ihnen steckt – auf zwei Rädern und darüber hinaus.

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Julia Blum wünscht sich, dass mehr Frauen den Mut haben, einfach anzufangen. ©VOL.AT/SKÖ

(VOL.AT)

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