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"Viele haben Angst, pornosüchtig zu sein" – was Pornos mit Beziehungen machen

Pornos schauen, obwohl man in einer Beziehung ist – das sagt Sexualberaterin Schwung.
Pornos schauen, obwohl man in einer Beziehung ist – das sagt Sexualberaterin Schwung. ©VOL.AT/Nina Breuss
Emilia Waanders (VOL.AT) emilia.waanders@russmedia.com
Viele schauen Pornos – aber kaum jemand spricht darüber. In Vorarlberg wird es für manche zum Problem.

Pornos in Beziehungen: Wo beginnt der Betrug?

Pornos gehören für viele längst zum Alltag – auch in Vorarlberger Schlafzimmern. "Die Vorarlberger schauen sehr wohl Pornos – auch in Beziehungen", sagt Sexualberaterin Bettina Schwung in der vierten Folge von "Let’s Talk About Sex – Vorarlberg Edition". Doch zählt das Pornoschauen trotz Partner schon zum Fremdgehen?

Video: Zählt Pornokonsum als Fremdgehen?

"Fluch und Segen"

Für Schwung sind Pornos weder grundsätzlich schlecht noch automatisch problematisch. "Pornos sind ein bisschen Fluch und Segen", erklärt sie. Einerseits könnten sie anregend sein – allein oder gemeinsam als Paar. Andererseits bergen sie Risiken, etwa durch unrealistische Darstellungen oder falsche Erwartungen. "Das ist einfach Science-Fiction, was ich da sehe."

Besonders kritisch sei ein früher Kontakt mit pornografischem Material oder der Vergleich mit gezeigten Körpern. "Dann finde ich plötzlich, das eine oder andere ist bei mir zu groß oder zu klein", so Schwung.

Podcast: Pornos in Beziehungen: No-Go oder völlig normal?

Fremdgehen oder Privatsache?

Ob Pornokonsum als Betrug gilt, ist laut der Expertin keine klare Frage. "Für mich persönlich ist Pornoschauen nicht fremdgehen", sagt sie. Gleichzeitig habe sie Verständnis für Menschen, die das anders sehen. Manche hätten das Gefühl, der Partner hole sich im Porno etwas, "was er bei mir nicht kriegt". Entscheidend sei die Haltung innerhalb der Beziehung – und die Kommunikation darüber.

Laut Schwung schauen grundsätzlich mehr Männer Pornos als Frauen. Gleichzeitig sei es häufig so, dass Frauen eher ein Problem damit in der Beziehung hätten. "Viele Frauen wissen, dass ihre Männer Pornos schauen, aber es wird nicht thematisiert."

"Ich glaube, dass die meisten heimlich schauen"

Offen gesprochen wird über Pornos selten. "Ich glaube, dass die meisten heimlich Pornos schauen", sagt Schwung. Nicht unbedingt aus Angst, sondern weil oft die Worte fehlen.

Fehlt die Möglichkeit, das Thema in der Beziehung anzusprechen, werde es eben verschwiegen. "Wenn ich schon weiß, wie der andere reagiert, dann würde ich es heimlich tun."

Wenn Pornos zum Problem werden

Neben falschen Darstellungen des Geschlechtsverkehrs werden die erotischen Filme laut Schwung vor allem dann problematisch, wenn sich Sexualität stark an Pornos orientiert. "Wenn ich meine Masturbation wirklich nur auf Pornos ausrichte, brauche ich immer mehr oder immer wildere Reize", erklärt sie. Das könne dazu führen, dass reale Intimität nicht mehr ausreiche – im Extremfall kann es sogar zu sexuellen Funktionsproblemen kommen.

Besonders häufig suchen Menschen genau deshalb Hilfe. "Es kommen einige Vorarlberger, die Angst haben, dass sie pornosüchtig sind", sagt Schwung.

OnlyFans sorgt für zusätzlichen Konfliktstoff

OnlyFans ist eine Online-Plattform, auf der Creator kostenpflichtige Inhalte veröffentlichen können. Nutzer abonnieren einzelne Profile gegen Bezahlung und erhalten dafür Zugriff auf Fotos, Videos oder persönliche Nachrichten. Bekannt wurde die Plattform vor allem durch freizügige und erotische Inhalte, sie wird aber auch für andere exklusive Inhalte genutzt.

Neben klassischen Pornos spielt auch die Plattform OnlyFans eine zunehmende Rolle. Dort gehe es nicht nur um Inhalte, sondern oft um konkrete Personen – inklusive Bezahlung und Interaktion.

"Das sorgt für noch größeren Wirbel in der Beziehung", sagt Schwung. Für viele sei es problematischer als herkömmliche Pornos. "Für die meisten stellt es wirklich ein großes Problem dar."

Zwischen Lustverstärker und Lustkiller

Pornos können das Sexleben sowohl verbessern als auch belasten. "Für die einen ist es sehr anregend", sagt Schwung. Andere wiederum empfinden die Inhalte als unpassend oder störend – etwa durch Rollenbilder oder Darstellungen.

Gerade wenn Erwartungen aus Pornos ins reale Sexleben übertragen werden, könne das Druck erzeugen und die Lust mindern.

Lösung: Die Frage nach dem Warum

Statt Vorwürfen empfiehlt Schwung einen anderen Zugang: "Sich einmal anzuschauen, warum schaue ich mir Pornos an." Gehe es um fehlende Nähe, unerfüllte Wünsche oder Gewohnheiten?

Pauschale Verurteilungen würden selten helfen. Entscheidend sei, gemeinsam herauszufinden, "was spricht dafür und was dagegen" – und ob Bedürfnisse auch innerhalb der Beziehung Platz finden können.

Kommunikation ist der Schlüssel

Ob Pornos Beziehungskiller oder Bereicherung sind, hängt laut der Expertin stark vom Umgang damit ab. "Es braucht Ehrlichkeit – und jemanden, der diese Ehrlichkeit auch tragen kann."

Ohne Kommunikation bleibt Pornokonsum in vielen Beziehungen das, was er oft ist: ein offenes Geheimnis.

(VOL.AT)

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