Vom No-Go zum Hype: Warum kehrt dieser Tattoo-Trend zurück?
Peinlich oder cool?
Was lange als peinliches Relikt der 2000er galt, sorgt plötzlich wieder für Gesprächsstoff: Das "Arschgeweih" taucht wieder auf – auch in Vorarlberger Tattoo-Studios. Ist das nur ein kurzer Social-Media-Hype oder beginnt hier gerade ein überraschendes Comeback?
Video: Arschgeweih vor Comeback?
Nachfrage "definitiv zurück"
Model Hailey Bieber zeigt es beim Coachella-Festival, Sängerin Miley Cyrus ebenfalls: Das sogenannte "Arschgeweih" ist wieder sichtbar auf der Bildfläche. Was in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren als Must-have galt und später zum "No-Go" wurde, erlebt aktuell ein vorsichtiges Comeback.
Robert Bedjanic, Tätowierer und Inhaber von "Faktor 7" in Bregenz mit rund 25 Jahren Berufserfahrung, bestätigt: "Es ist ein leichter Trend spürbar." Von einem Massenphänomen sei man aber noch entfernt. "Wir haben regelmäßige Anfragen, im Moment ungefähr einmal im Monat."
Eine Tattoo-Artistin aus der Schweiz berichtet gegenüber einem Schweizer Medium, sie steche "alle zwei Wochen ein Arschgeweih". Die Nachfrage sei "definitiv zurück".
"Teilweise drei Arschgeweihe am Tag"
Der Unterschied zu früher ist deutlich. Während Anfang der 2000er-Jahre Hochbetrieb herrschte, beschreibt Bedjanic die damalige Situation als Ausnahmezustand: "Wir haben teilweise drei Arschgeweihe oder Steiß-Tribals am Tag gemacht."
Tribals, chinesische Zeichen und großflächige Motive dominierten damals die Studios. Popkulturelle Einflüsse – etwa aus Filmen wie "From Dusk Till Dawn" – verstärkten den Boom zusätzlich.
Heute zeigt sich ein anderes Bild. Zwar nehme das Interesse wieder zu, "aber ich weiß nicht, ob es wieder so wird, dass es so stark kommt", so Bedjanic.
Beweggründe hinter einem Steißbein-Tattoo?
Auch gestalterisch hat sich das Steißbein-Tattoo verändert. Klassische Tribals sind kaum mehr gefragt.
"Mittlerweile geht es viel in Richtung Realismus oder Mischformen", sagt Robert. International dominieren zudem filigrane Muster, Schriftzüge und verspielte Designs statt breiter Linien.
Inhaltlich bleibt das Motiv schlicht. "Das ist wirklich nur Zierde oder Schmuck", so der Tätowierer.
Imagewandel nach dem "Schlampenstempel"
Das Tattoo überm Hintern hatte lange mit einem schlechten Ruf zu kämpfen. "Man hat halt 'Schlampenstempel' dazu gesagt", erinnert sich der Geschäftsführer. Grund dafür sei vor allem die frühere Massenverbreitung gewesen: "Es war negativ behaftet, weil es einfach zu viele gemacht haben."
Viele hätten ihre Tattoos später überstechen lassen. "Ich würde sagen, jede zweite hat sich das sicher irgendwann überstechen lassen." Gründe seien veränderte Mode, neue Lebensphasen als Mutter oder ein anderer Stil gewesen.
Kurzfristiger Trend mit Social-Media-Anschub
Dass prominente Persönlichkeiten wie Hailey Bieber den Trend neu anstoßen, überrascht Robert nicht. "Wenn es eine bekannte Persönlichkeit macht wird es natürlich zum Trend."
Trotzdem bleibt er skeptisch, was die Dauer betrifft: "Alles, was sich wiederholt, ist eher ein kurzfristiger Hype."
Frauen greifen zu – Männer jammern
Auffällig bleibt die Zielgruppe: Das klassische "Arschgeweih" ist weiterhin fast ausschließlich ein Frauenthema.
"Ganz selten, dass das ein Mann gemacht hat", so Bedjanic. Zwar werde die Stelle generell auch bei Männern tätowiert, etwa bei Rückenbildern – das typische Steiß-Tribal bleibe jedoch weiblich geprägt.
Interessant: Beim Schmerzempfinden gibt es Unterschiede. "Das Steißbein ist bei Frauen eher nicht schmerzhaft", sagt Robert. Männer hingegen würden "eigentlich alle jammern".
(VOL.AT)