Wenn Andreas Varga an seine Karriere denkt, dann taucht ein Bild immer wieder auf. 58. Minute im dritten Finalspiel 2012, die Sporthalle am See bebt, 2000 Fans stehen. Der Ball liegt am Siebenmeterpunkt. Varga nimmt ihn, trifft und legt kurz darauf noch einen nach. Es sind seine letzten beiden Tore als Profi. Meistertitel Nummer zehn. "Schöner kann man nicht aufhören", sagt der heute 49-Jährige.
Der Schritt ins Ländle als Wendepunkt
Dabei begann alles in Linz. Dort schaffte er den Sprung aus der Jugend in die erste Mannschaft und holte seinen ersten Titel. Der entscheidende Schritt aber führte ihn im Jahr 2000 nach Vorarlberg zum HC Hard. "Das war mein Schlüssel", sagt Varga rückblickend. "Hier habe ich meine große Karriere gestartet und meine Heimat gefunden."
Am Bodensee reifte der Rückraum-Mitte-Spieler zum Leistungsträger, ehe er 2003 nach Bregenz wechselte. Sportlich waren es wohl die erfolgreichsten Jahre seiner Laufbahn: sieben Meistertitel in Serie, Champions-League-Abende, volle Hallen, Derby-Atmosphäre am Siedepunkt. "Das waren Highlights, die vergisst man nicht", so der Linzer.
Zehn Meistertitel mit drei Vereinen machen ihn zu einem der erfolgreichsten Handballer Österreichs. 88 Länderspiele stehen ebenfalls in seiner Vita. "Ich bin stolz, dass ich verletzungsfrei geblieben bin und selbst entscheiden konnte, wann Schluss ist."
Derbys haben eigene Gesetze
Am Samstag, 15.20 Uhr, steigt in der Handball-Arena Rieden das 108. Ländle-Derby zwischen Bregenz und Hard. "In einem Derby herrschen andere Gesetze. Da will jeder 100 Prozent abrufen, egal, wie die Tabelle aussieht", blickt Varga voraus.
Er selbst habe die Duelle gegen Hard im Bregenzer Dress "meistens sehr gut erwischt", sagt er mit einem Schmunzeln. Die Atmosphäre, die Intensität, die Emotionen auf den Rängen, das seien Momente gewesen, die Gänsehaut erzeugten. "Wenn 3000 Leute deinen Namen schreien, das ist besonders."
Heute verfolgt er beide Vereine weiterhin genau. Nach Möglichkeit sitzt er bei Heimspielen in der Halle, wird in Hard wie in Bregenz herzlich empfangen. Gleichzeitig beobachtet er eine Veränderung. "Die großen Glanzzeiten als Handballhochburg sind vorbei", sagt er offen. Die Liga sei ausgeglichener geworden, viele Klubs leisten starke Nachwuchsarbeit, verpflichten gute Trainer und Legionäre. "Früher wusstest du: Gegen Hard oder Bregenz musst du dich anschnallen. Heute können auch die vermeintlichen Underdogs überraschen."
Der bewusste Cut
Der Abschied vom Profisport fiel ihm leichter als gedacht. "Es ist mir eine Last von den Schultern gefallen", sagt Varga. Der körperliche Verschleiß habe eine Rolle gespielt, vor allem aber der Wunsch nach einem neuen Lebensabschnitt.
Dem Handball blieb er dennoch verbunden. Eine Trainerkarriere schließt er bis heute aus. Die Autorität und Erfahrung hätte er wohl, meint er selbst, "aber nicht die Nerven". Spitzensport verlange absolute Priorität und Leidenschaft. "Wenn du zu den Besten gehören willst, musst du auf vieles verzichten. Das sehe ich bei vielen Jungen nicht mehr in letzter Konsequenz."
Zwischen Halle und Beratungsgespräch
Beruflich schlug er deshalb einen anderen Weg ein. Nach ersten Jahren in der Selbstständigkeit arbeitet er seit sechs Jahren als Kreditvermittler. Gefragt nach seinem Tipp für Samstag, kommt die Antwort prompt: "Ich glaube, dass sich Hard mit drei Toren durchsetzt."
(VOL.AT)