Wenn in Vorarlberg über prägende Torjäger gesprochen wird, fällt sein Name unweigerlich: Hannes Aigner. Der Tiroler war über Jahre hinweg das Gesicht des SCR Altach, traf wie kaum ein Zweiter und schrieb Vereinsgeschichte. Insgesamt absolvierte der Stürmer in seiner Karriere 521 Pflichtspiele, erzielte 193 Tore und bereitete 62 weitere vor. Allein für den SCRA lief er 196-mal auf und traf dabei 85-mal – Rekord. "Altach ist ein besonderer Verein", sagt Aigner heute. "Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt."
Rheindorf als Ziel einer langen Reise
Seine Laufbahn begann der heute 45-Jährige beim SV Weerberg, ehe er über den Innsbrucker SK zum FC Wacker Tirol kam. 2006 folgte der Wechsel zur Wiener Austria, wo er gleich in seiner ersten Saison den ÖFB-Cup gewann, der einzige große Titel seiner Laufbahn.
Über Wiener Neustadt (81 Spiele, 36 Tore) und den LASK (32/15) führte ihn sein Weg 2012 schließlich nach Altach. Dort erlebte Aigner die wohl prägendste Zeit seiner Karriere: Aufstieg in der Saison 2013/14 und mehrere Spielzeiten im Oberhaus. "Mit einem Verein etwas aufzubauen und zu entwickeln, das war immer das Schönste", sagt der 45-Jährige.
"Ich würde nochmal die Schuhe schnüren"
Dass der SCR Altach nun selbst im Cupfinale steht, verfolgt er natürlich genau: "Mit einem Verein überhaupt in ein Finale einzuziehen und die große Chance auf einen Titel zu haben, ist schon sehr cool. Für so ein Spiel würde ich mir sogar noch einmal für die letzten fünf Minuten die Fußballschuhe anziehen", sagt er lachend. "Ich drücke alle Daumen, die ich habe, und hoffe, dass der Pokal ins Ländle wandert."
Im Frühjahr 2019 war dann Schluss – nicht ganz freiwillig. Sehprobleme zwangen Aigner zum vorzeitigen Karriereende. "So aufhören zu müssen, ist natürlich nicht leicht", sagt er. "Aber ich war in einem Alter, in dem man diese Entscheidung akzeptieren kann."
Talent allein reicht nicht
Ganz losgelassen hat ihn der Fußball nie. Heute arbeitet Aigner als Spielerberater bei der Alliance Sportsmanagement AG – gemeinsam mit seinem langjährigen Wegbegleiter Mario Weger. Statt selbst Tore zu erzielen, kümmert er sich nun um die Karrieren anderer. "Die Arbeit mit jungen Spielern macht mir extrem viel Spaß", sagt Aigner. "Man hat das alles selbst erlebt und kann viel weitergeben, gerade was Mentalität und Einstellung betrifft. Talent allein reicht nicht, um sich im Profigeschäft durchzusetzen", betont er.
Zu seinen Klienten zählen unter anderem die ÖFB-Nachwuchstalente Fabio Ebner (FC Augsburg) oder auch Yanik Spalt (VfB Stuttgart). Der Kontakt nach Altach ist dabei ebenfalls nie abgerissen. "Ich verfolge das Geschehen sehr genau und bin regelmäßig im Stadion, zuletzt vor wenigen Tagen gegen den GAK (1:0)."
Wenn Rekorde wackeln
"Ich war noch nie ein Zahlenmensch, aber natürlich ist es eine schöne Randnotiz", sagt Aigner mit einem Schmunzeln über seine SCRA-Rekorde. "Ich habe gehört, dass Patrick Greil aktuell auf dem Weg ist, mich als besten Torschützen in einer Bundesliga-Saison in Altach abzulösen." In der Spielzeit 2014/15 traf Aigner zwölfmal, Greil hält aktuell bei zehn Saisontoren. "Ich würde es ihm von Herzen wünschen, er spielt eine wahnsinnige Saison."
Wie seine Zukunft konkret aussieht, lässt er offen. Trainer oder Funktionär? "Aktuell überhaupt kein Thema", sagt er. "Ich habe mich bewusst für diesen Weg entschieden und möchte ihn weitergehen." Stillstand ist für Aigner keine Option. Oder, wie er selbst sagt: "Ich habe das große Glück, weiterhin im Fußball arbeiten zu dürfen."
(VOL.AT)