Von der Rocker-Tochter zur gläubigen Christin: "Konnte den Namen 'Jesus' nicht aussprechen"
Als Tochter eines Motorradclub-Mitglieds führte Isabella Wild (37) ein Leben, das sie von Gott wegführte. "Ich war auch in schwierigen Umfeldern unterwegs, und alles durfte damals in mein Herz, außer der Mann am Kreuz", beschreibt die Bregenzerin ihre Jugend. Den Namen Jesus konnte sie schlicht nicht aussprechen. Sie wurde römisch-katholisch getauft, aber weil ihr Vater und Großvater nicht gut auf die Kirche zu sprechen waren, fand sie nur schwer den Zugang zum Glauben.
Jahrelang begleiteten sie Albträume. Schlafparalysen, während denen der Körper bewegungsunfähig bleibt, aber der Geist wach ist, gaben ihr das Gefühl, sie sei in sich selbst eingesperrt. Isabella beschäftigte sich mit Okkultismus und anderen Religionen, reiste viel und zog oft um, fand aber nirgendwo Halt.
Die Tür zum Glauben schien endgültig zu
"Ich war voller Ängste und Hoffnungslosigkeit", erzählt Isabella. Sie suchte Stille und hoffte, diese in Südamerika zu finden. Dort begleitete sie aber ein ständiges Gefühl der Gefahr: "In Brasilien dachte ich, jeder Tag könnte mein letzter sein." Als sie Affen im Botanischen Garten in Rio de Janeiro beobachtete, überkam sie "ein Gefühl der Glückseligkeit, Liebe, Friede, Freude." Schnell war das wieder vergangen, aber sie beschloss, so lange danach zu suchen, bis sie es wiederfand.
Als sie bei einem Besuch in Rom einen Mitarbeiter des damaligen Papstes traf und das Gespräch in einen sehr unangemessenen Annäherungsversuch kippte, schien die Tür zum Christentum endgültig zu. „Ein Wunder, dass ich danach überhaupt noch zum Glauben gefunden habe", sagt die 37-Jährige heute.
Zurück in Bregenz kam sie ganz unten an: "Es war alles hoffnungslos. Das war die tiefste Dunkelheit." Es folgte eine Zeit mit einer schmerzhaften Kieferklemme, starken Schmerzen am ganzen Körper, monatelanger Schlaflosigkeit und inneren Stimmen, die ihr sagten, sie sei nichts wert: "Dann sagte etwas: 'Jetzt traust du dich noch nicht einmal, dich umzubringen.'" Eines Nachts erinnerte sie sich an das Kindheitsgebet einer Bekannten. Isabella betete es: "Ich habe nicht 'Heile mich, rette mich' gesagt, sondern nur: 'Gott, wenn es dich gibt, dann bitte jetzt. Vergib mir all meine Verfehlungen.'" Und spürte plötzlich, wie sie beschreibt, seine Gegenwart am ganzen Körper.
Von der Suchenden zur Hoffnungsbotschafterin
Isabella erzählte dem christlichen Sender ERF ihre Geschichte und fand zum ersten Mal echte Orientierung darin, sich dem Willen Gottes hinzugeben. 2020 ließ sie sich im Kreise ihrer Familie und Freunde im Bodensee taufen, wurde "Hoffnungsbotschafterin" und machte ihren Weg öffentlich. Auch der frühe Tod ihres älteren Bruders im vergangenen Jahr nahm Isabella nicht den Glauben.
Immer weniger Menschen glauben
Isabella steht damit gegen den Trend. 2021 bekannten sich laut Statistik Austria 68 Prozent der Vorarlberger zum Christentum, davon waren 61 Prozent römisch-katholisch, 2001 waren es noch 79 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Konfessionslosen von 6 auf 19 Prozent – Vorarlberg verzeichnet dabei laut Forschungsgruppe Weltanschauungen einen der stärksten Zuwächse unter den Bundesländern. Österreichweit lag der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung Ende 2024 bei unter 50 Prozent.
Isabella resigniert trotzdem nicht. „Wenn der Feind so Angst hat, ist da etwas zu verlieren", sagt sie und will, dass Vorarlberg sieht: Es gibt einen lebendigen Gott – keinen "Verehrungsgott aus Gewohnheit".
(VOL.AT/Isabel Lochbühler)