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Vorarlberger Industrie zwischen Hoffnungsschimmern und harter Realität

Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer, Industrie-Spartenobmann Markus Comploj und IV-Geschäftsführer Simon Kampl stellen den Geschäftsklima-Index vor.
Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer, Industrie-Spartenobmann Markus Comploj und IV-Geschäftsführer Simon Kampl stellen den Geschäftsklima-Index vor. ©WKV/KOMM
Die Vorarlberger Industrie zeigt im vierten Quartal 2025 erste Anzeichen der Stabilisierung – getrieben von der Metallbranche. Doch von Aufbruchstimmung ist man weit entfernt.

Leichte Aufhellung, große Skepsis

Ein Hoffnungsschimmer inmitten zäher Flaute: Die aktuelle Konjunkturumfrage der Wirtschaftskammer Vorarlberg für das vierte Quartal 2025 zeigt erstmals seit über drei Jahren einen deutlich positiven Geschäftsklima-Index. Mit +13 Prozentpunkten liegt er wieder klar im Plusbereich – zuletzt war das im zweiten Quartal 2022 der Fall. Getragen wird diese Verbesserung fast ausschließlich von der metalltechnischen Industrie. Trotzdem: Eine flächendeckende Erholung ist noch nicht in Sicht.

"Von Entwarnung kann keine Rede sein", sagt Markus Comploj, Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg. "Die Verunsicherung in den Betrieben ist weiterhin hoch."

Zahlen und Fakten: Ein gemischtes Bild

Die Umfrage unter 34 Unternehmen mit insgesamt 23.775 Beschäftigten bringt ein differenziertes Bild zutage:

  • 46 Prozent bewerten ihre derzeitige Geschäftslage als gut, 34 Prozent als durchschnittlich, 20 Prozent als schlecht.
  • Exportgeschäfte bleiben schwach – der Saldo liegt bei -1.
  • Verkaufspreise dürften steigen: 42 Prozent rechnen mit einer Anhebung.
  • Personalstand bleibt angespannt: Nur vier Prozent planen, mehr Mitarbeiter aufzunehmen, 18 Prozent erwarten Rückgänge.
  • Die Ertragserwartung in sechs Monaten zeigt hingegen Optimismus – der Saldo verbessert sich deutlich von -40 auf +28 Prozentpunkte.
  • 41 Prozent der Unternehmen können derzeit nicht abschätzen, wann sich die Lage spürbar bessert – ein deutliches Signal für die allgemeine Unsicherheit.

Metallindustrie gibt den Takt vor

Den größten Beitrag zur positiven Tendenz liefert die metalltechnische Industrie: 85 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen ihre Geschäftslage als gut, nur elf Prozent als schlecht. Der Saldo verbessert sich auf bemerkenswerte +75 Punkte. Auch die Ertragserwartungen in sechs Monaten sind mit 84 Prozent Zustimmung ausgesprochen optimistisch.

"Das zeigt, dass unsere exportstarken, technologieintensiven Betriebe widerstandsfähig bleiben – aber sie brauchen Luft zum Atmen", sagt Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie.

Andere Branchen: Von Stabilität bis Alarmstufe Rot

  • Lebensmittelindustrie: Stabilster Sektor – 95 Prozent sehen ihre Lage als gleichbleibend, nur fünf Prozent als schlecht. Die meisten erwarten konstante Auslandsaufträge und Mitarbeiterzahlen.
  • Textilindustrie: Leichte Erholung – der Geschäftslage-Saldo steigt von -44 auf -28. Positiv: 62 Prozent planen mehr Personal.
  • Elektro- und Elektronikindustrie: Nach wie vor unter massivem Druck. Über die Hälfte bewertet die aktuelle Geschäftslage als schlecht, 81 Prozent rechnen mit sinkendem Personalstand. Preisnachlässe sind wahrscheinlich.
  • Verpackungsindustrie: Keine Entwarnung in Sicht. Kein Unternehmen meldet eine gute Geschäftslage, mehr als die Hälfte eine schlechte. Auch die Ertragserwartungen bleiben düster.

Forderungen an die Politik: Jetzt muss geliefert werden

Angesichts der schwierigen Lage fordert die Vorarlberger Industrie konkrete Schritte – nicht nur Versprechen. Markus Comploj nimmt dabei kein Blatt vor den Mund:

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Kritik gibt es an der Finanzierung: Die Senkung der Lohnnebenkosten dürfe nicht durch neue Steuern gegenfinanziert werden. Comploj fordert stattdessen Einsparungen im öffentlichen Sektor – auch unbequeme Maßnahmen wie eine Anhebung des Pensionsantrittsalters müssten auf den Tisch. "Die fetten Jahre sind vorbei", bringt es der Spartenobmann auf den Punkt.

Forschung als Zukunftsinvestition

Ein weiteres zentrales Anliegen: die Stärkung der betriebsnahen Forschung. Vorarlberg solle hier gezielt Strukturen bündeln und ausbauen – etwa durch die bessere Vernetzung von Fachhochschule, WISTO, V-Research und Digital Factory. Der FTI-Pakt des Bundes für 2027 bis 2029 müsse rasch beschlossen und solide finanziert werden.

"Forschung ist keine Nebensache – sie ist die Grundlage für unsere Wettbewerbsfähigkeit von morgen", betont Comploj.

Detailforderung mit Symbolkraft: Weg mit dem Nacht-60er

Ein Beispiel aus dem Alltag zeigt, wie konkrete Standortpolitik auch aussehen kann: Die Vorarlberger Industrie fordert die Abschaffung des sogenannten "Nacht-60ers" für Lkw auf der A14 und S 16. Die Tempobeschränkung sei ein veraltetes Relikt, das Zeit, Geld und Nerven koste.

"Eine Fahrt zwischen Bregenz und dem Arlberg könnte in der Nacht mit 80 km/h eine halbe Stunde kürzer sein", rechnet Comploj vor. Auf der Strecke bis Wien wären es sogar über zwei Stunden.

(VOL.AT)

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