AA

Vorarlberger Wirtschaftsforum: "Gegenwind als Antrieb" nutzen

Verhaltensökonom Sutter rät zu fairem Umgang als Mittel gegen Fachkräftemangel
Verhaltensökonom Sutter rät zu fairem Umgang als Mittel gegen Fachkräftemangel ©VOL.AT/Steurer/Sams
Zum 40. Mal trafen sich am Donnerstag Menschen aus Wirtschaft und Politik beim Vorarlberger Wirtschaftsforum im Festspielhaus Bregenz.
Viel Prominenz beim Wirtschaftsforum

Die internationale Tagung wird von den "Vorarlberger Nachrichten", Wirtschaftskammer Vorarlberg und Industriellenvereinigung Vorarlberg veranstaltet. Thema des diesjährigen Wirtschaftsforums, an dem rund 550 Personen teilnahmen, war "Gegenwind als Antrieb" mit der Aufforderung, Wachstumschancen auch in schwierigen Zeiten zu nutzen.

Wirtschaftsforum im Festspielhaus (C) Sams

Boni nicht die besten Anreize

Referentinnen und Referenten nannten als wesentliche Herausforderung ökologische, soziale und damit auch ökonomische Nachhaltigkeit zu erreichen. Empfehlungen, wie Unternehmen dem aktuellen Gegenwind standhalten können, gab Matthias Sutter, Professor für Volkswirtschaftslehre in Innsbruck und Köln und Direktor des "Max Planck Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern Bonn" aus Sicht der Verhaltensökonomie. Diese relativ junge interdisziplinäre Wissenschaft versucht menschliches Verhalten in wirtschaftlichen Situationen aufgrund empirischer Daten zu gründen.

Sutter nannte als ein Beispiel für den herrschenden Gegenwind im deutschsprachigen Wirtschaftsraum den Fachkräftemangel. "Hier kann Gegenwind zum Antrieb werden", sagte Sutter. Denn Unternehmen müssten sich sehr genau überlegen, welche Maßnahmen sie setzten, nicht nur um neue Fachkräfte zu rekrutieren, sondern vor allem, um gute Fachkräfte zu halten. Dabei gelte es zu verstehen, dass Geld nicht die einzige Motivation für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sei. Boni seien nicht die besten Anreize, sagte Sutter. Wesentlich erfolgreicher in der Personalpolitik seien Unternehmen, die die Grundgehälter erhöhen.

Verhaltensökonom Matthias Sutter (C) VOL.AT/Steurer

Fairer Umgang mit Mitarbeitern

Wer gute Fachkräfte bekommen und sie auch halten möchte, müsse fair im Umgang mit ihnen sein, empfahl Sutter. Die sozialen Normen und Umgangsformen in einem Unternehmen, die soziale Kompetenz der Führungskräfte seien maßgeblich für die Verweildauer in einem Unternehmen und für die Produktivität der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Als Beispiel nannte Sutter unfaire Kündigungen. Werden in einem Betrieb unfaire Kündigungen ausgesprochen, sinke auch die Produktivität Nicht-Betroffener, zeigten Studien der Verhaltensökonomie.

"Je besser Vorgesetzte managen können, umso höher ist die Arbeitsplatzzufriedenheit", sagte Sutter. Führungskräfte müssten die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel entwickeln, sich in ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hineinversetzen können. Dazu gehöre eine grundlegende Fähigkeit: "Führungskräfte müssen zuhören können."

Brunner: "Nicht am Montag A und am Dienstag B sagen"

"Zuhören und nicht am Montag A und am Dienstag B sagen", das seien Eigenschaften, die auch der Politik guttun würde, sagte Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) im folgenden Gespräch mit Moderatorin Nadja Bernhard. Auf deren Frage, ob Brunner Kanzler könne, sagte der von Medien immer wieder als Nehammer-Nachfolger gehandelte Politiker: "Ich bin extrem gerne Finanzminister, weil die Aufgabe total spannend ist. Ich werde das hoffentlich weitermachen können."

Finanzminister Magnus Brunenr (C) VOL.AT/Steurer

Wege aus der Schubladenfalle

Die "klaffende Lücke auf dem Arbeitsmarkt", entstehend durch die Pensionierung der Boomer-Generation könne durch gelebte Diversität verkleinert werden, sagte Referentin Annahita Esmailzadeh. Die Managerin bei Microsoft, Autorin und LinkedIn-Influencerin sieht die Zeit reif für die Überwindung von Vorurteilen. Schubladendenken verhindere Vielfalt in einem Unternehmen, schaffe Minderheiten und verursache Diskriminierung im Arbeitsleben.

Annahita Esmailzadeh (C) VOL.AT/Steurer

Wege aus der Schubladenfalle für Unternehmen und ihre Führungskräfte könnten sein: Das Überdenken und Reflektieren eigener Vorurteile, die Personalauswahl und -bewertung beeinflussen; inklusive Stellenausschreibungen, das Sensibilisieren der Belegschaft für Diversity-Fragen und das Schaffen anonymer Feedbackkanäle für Menschen, die sich von Diskriminierung betroffen fühlen. Unternehmensrichtlinien dürften keine Lippenbekenntnisse sein, Manager müssten sich ihrer Vorbildwirkung bewusst werden und Diversität ermöglichen, sagte Esmailzadeh.

Treffpunkt für Meinungsmacher

Das Vorarlberger Wirtschaftsforum ist eine Initiative der "Vorarlberger Nachrichten", der Industriellenvereinigung Vorarlberg und der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Die Veranstaltung versteht sich als Treffpunkt für Meinungsmacher aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Weitere Referenten und Referentinnen waren unter anderen: Michael Diederich, Vorstand der FC Bayern München AG, Anastasia Lauterbach, Expertin für Künstliche Intelligenz und Cybersecurity, Mathias Berthold, Performance Coach und früherer Skirennläufer und Christina Schröder, Unternehmensberaterin und ehemalige deutsche Familienministerin.

Michael Diederich (C) VOL.AT/Steurer
Anastasia Lauterbach, Expertin für Künstliche Intelligenz (C) VOL.AT/Steurer

(VOL.AT)

  • ADMIN AT
  • Vorarlberger Wirtschaftsforum: "Gegenwind als Antrieb" nutzen