Vorarlbergerin ist Österreichs schnellste Frau
Historischer Lauf in St. Pölten
Für Isabel Posch verlief das Meeting in St. Pölten nahezu perfekt. Die Vorarlbergerin absolvierte die 100 Meter in 11,10 Sekunden und sorgte damit für einen neuen österreichischen Rekord. Gleichzeitig verbesserte sie ihre persönliche Bestleistung um bemerkenswerte 0,29 Sekunden.
Mit ihrer Zeit löste die 26-Jährige den bisherigen Rekord von Karin Mayr-Krifka ab, der 23 Jahre Bestand hatte. Zudem erfüllte Posch die Qualifikationsnorm für die Europameisterschaft im August in Birmingham. In der aktuellen europäischen Jahresbestenliste liegt sie damit auf Rang fünf.
"Es ist für mich selbst unerklärlich, wo dieser Sprung herkommt", sagte Posch gegenüber dem STANDARD. Mit einer Zeit knapp unter 11,30 Sekunden habe sie gerechnet, "aber damit nie im Leben".
Gute Bedingungen und starke Konkurrenz
Nach eigenen Angaben passte in St. Pölten vieles zusammen. Zulässiger Rückenwind von 0,9 Metern pro Sekunde sowie starke Konkurrenz auf den Nachbarbahnen sorgten für optimale Voraussetzungen.
"Mein Start war gut, dann hab ich nicht lockerlassen. Aber diese Zeit hätte ich mir nie erträumt", erklärte die Rekordhalterin.
Die Nacht nach ihrem Erfolg verlief allerdings wenig erholsam. "Mir ist in der Nacht so viel durch den Kopf gegangen. Ich hab’ vielleicht eine Stunde geschlafen, mehr sicher nicht."
Vom Siebenkampf zur Sprint-Spezialistin
Posch galt lange als großes Talent im Siebenkampf. 2023 gewann sie bei der Universiade in Chengdu mit 6.107 Punkten die Goldmedaille. Inzwischen hat sie sich jedoch auf den Sprint konzentriert.
"Der Sprint hat mir immer getaugt", begründete sie ihre Entscheidung. Ausschlaggebend sei auch gewesen, dass sie im Siebenkampf ihr Potenzial als begrenzt einschätzte.
Nach einem Studienaufenthalt an der California State University in Fresno kehrte Posch nach Österreich zurück. Seit rund einem Jahr trainiert sie in der Gruppe von Christian Gutgsell im Schweizer St. Gallen. Die Nähe zur Schweizer Trainingsstätte sei für die Vorarlbergerin ein zusätzlicher Vorteil.
Staffel und EM als nächste Ziele
Bereits am Wochenende steht für Posch das nächste Meeting in Regensburg auf dem Programm. Dort soll sie auch mit der österreichischen Staffel antreten. Das Quartett hatte zuletzt in Villach den österreichischen Rekord auf 43,77 Sekunden verbessert.
Trotz ihres Rekordlaufs bleiben die Rahmenbedingungen für die Vorarlbergerin vergleichsweise bescheiden. Nach ihrem Wechsel vom Mehrkampf zum Sprint gehört sie nicht mehr zum Heeressportprogramm. Unterstützung erhält sie vom Land Vorarlberg, vom Österreichischen Leichtathletik-Verband sowie von einem Sponsor.
An ihrer Einstellung will Posch trotz des historischen Erfolgs nichts ändern: "Nicht verkopfen, locker bleiben. Alles andere ergibt sich."
(VOL.AT)