Vorarlbergs Autoindustrie fürchtet massive Jobverluste
Die wirtschaftlichen Probleme der deutschen Autoindustrie sorgen zunehmend auch in Vorarlberg für Unsicherheit. Besonders die Zulieferbetriebe stehen unter Druck. Martin Ohneberg, Vorstandsvorsitzender des Dornbirner Automobilzulieferers HENN, rechnet gegenüber dem ORF in den kommenden Jahren mit deutlich mehr Stellenabbau als bislang angenommen.
Die europäische Autoindustrie befinde sich in einem tiefgreifenden Wandel, sagte Ohneberg. Vor allem die Umstellung auf Elektroautos habe den Wettbewerb massiv verändert. Elektrofahrzeuge seien deutlich einfacher aufgebaut als klassische Verbrenner und benötigten weniger Bauteile.
Wettbewerb aus China wächst
Laut Ohneberg verschärft sich der Konkurrenzdruck vor allem durch asiatische Hersteller. Unternehmen aus China seien nicht nur günstiger, sondern zunehmend auch innovativer und schneller. Gleichzeitig würden hohe Lohnkosten und Bürokratie den europäischen Standort zusätzlich schwächen.
"Das Elektroauto ist einfach ein komplett anderes Konzept als der konventionelle Antrieb. Weniger komplex, weniger Teile, ein viel höherer Wettbewerb als bisher", erklärte Ohneberg.
Besonders problematisch seien laut dem Unternehmer die fehlenden Strukturreformen in Europa. Zusammen mit den schwierigen Standortbedingungen entstehe ein "gefährlicher Cocktail".
Tausende Jobs könnten betroffen sein
Die deutsche Autoindustrie baut bereits massiv Stellen ab. Bis 2035 könnten laut aktuellen Prognosen rund 225.000 Arbeitsplätze verloren gehen.
Auch Vorarlberg dürfte diese Entwicklung deutlich spüren. Derzeit arbeiten rund 1.800 Menschen im Land in der Autozulieferindustrie. Wie stark einzelne Unternehmen betroffen sein werden, hänge laut Ohneberg davon ab, wie breit sie wirtschaftlich aufgestellt seien oder welche Märkte sie bedienen.
Auswirkungen auf die gesamte Industrie möglich
AMS-Vorarlberg-Geschäftsführer Bernhard Bereuter sieht ebenfalls Risiken für den Wirtschaftsstandort. Besonders betroffen könnte die Warenproduktion sein, in der rund 43.000 Menschen in Vorarlberg beschäftigt sind.
Dieser Bereich sei stark exportabhängig und eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland verbunden, sagte Bereuter. Bereits zuletzt sei die Zahl der Arbeitslosen in der Zulieferindustrie und in der Produktion gestiegen.
Ohneberg fordert deshalb umfassende Reformen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie langfristig zu sichern.
(VOL.AT)