Vorarlbergs Kinderärzte vor Pensionswelle
Mehr als vier Jahrzehnte für Dornbirns Familien
In Dornbirn geht eine medizinische Ära zu Ende. Wolfgang Hilbe hat über 40 Jahre lang als Kinderarzt praktiziert und dabei mehrere Generationen begleitet. Viele seiner früheren Patienten kommen heute mit ihren eigenen Kindern in jene Praxis, in der sie selbst schon als Kinder betreut wurden.
Eigentlich wollte der 76-Jährige seine Ordination bereits Ende des vergangenen Jahres schließen. Ganz verabschiedet er sich aber noch nicht: Für Verwandte und Bekannte will er nach eigenen Angaben noch ein bis zwei Jahre weiterbehandeln.
Wie der ORF berichtet, löste die Ankündigung seines Ruhestands eine Welle der Dankbarkeit aus. Zahlreiche E-Mails und handgeschriebene Karten hätten ihn erreicht – auch von Menschen, die zuletzt vor drei oder vier Jahrzehnten bei ihm in Behandlung waren.
Schwierige Suche trotz fast voller Stellen
Für viele Dornbirner Familien bedeutet Hilbes Rückzug dennoch einen Einschnitt. Die Suche nach einem neuen Kinderarzt gestaltet sich schwierig, da zahlreiche Praxen keine zusätzlichen Patienten mehr aufnehmen können.
Rein statistisch sieht die Lage jedoch anders aus: Von 21 Kinderarztstellen in Vorarlberg sind derzeit 20 besetzt. Lediglich eine Kassenstelle in Lustenau ist aktuell vakant. „Diese Stelle wurde bereits mehrmals ausgeschrieben, bislang allerdings ohne Erfolg“, erklärte Bernhard Jochum, Fachgruppenobmann für Kinder- und Jugendheilkunde der Ärztekammer und selbst Kinderarzt in Bludenz.
Ein akuter Mangel an Kinderärzten bestehe im Bundesland laut Ärztekammer daher nicht.
Kassenstellen unter Druck
Jochum sieht dennoch Handlungsbedarf. Kassenarztstellen müssten attraktiver werden, betont er. Wiederkehrende Kürzungen und Streichungen bei Honoraren träfen vor allem jene Mediziner, die besonders viele Patienten versorgen. Wer viel arbeite, werde im derzeitigen System wirtschaftlich benachteiligt.
Auch Hilbe kann nachvollziehen, warum sich manche Kollegen für den Weg als Wahlarzt entscheiden. Kassenärzte stünden unter dem Druck, in möglichst kurzer Zeit viele Patienten zu behandeln, um wirtschaftlich bestehen zu können.
(VOL.AT)