VVV reformiert Tarife: Drei Zonen ersetzen Domino-System
Drei Zonen statt 94 Domino-Felder
Was bisher ein kleinteiliges Netz aus 94 sogenannten Domino-Zonen war, wird radikal vereinfacht. Künftig gilt ein Drei-Zonen-Modell:
- Lokal: kurze Wege rund um den Startort
- Regio: größere Strecken innerhalb einer von neun Regionen
- Maximo: Fahrten durchs gesamte Bundesland
Dazu kommen drei Zeitstufen: 60 Minuten, 120 Minuten oder 24 Stunden. Innerhalb dieses Zeitfensters kann beliebig oft gefahren werden. VVV-Geschäftsführer Christian Hillbrand bringt das Prinzip auf den Punkt: "Es ist drei mal drei – entscheidend ist nur, wie lange und in welcher Zone man unterwegs ist."
Ziel: Mehr Gelegenheitsfahrer
In den vergangenen Jahren habe es vor allem bei Jahreskarten deutliche Zuwächse gegeben, sagt Verkehrslandesrat Christof Bitschi (FPÖ). Nun wolle man gezielt jene ansprechen, die Bus und Bahn nur gelegentlich nutzen – etwa für Ausflüge oder Erledigungen.
Das bisherige System sei für viele zu kompliziert gewesen. Die neue Struktur soll den Zugang erleichtern – und damit mehr Menschen in den öffentlichen Verkehr bringen.
Viele Strecken werden günstiger
Laut Verkehrsverbund profitieren vor allem kürzere Fahrten. Innerhalb einer Lokalzone – etwa rund um Feldkirch – sind mehrere Orte künftig mit nur einem Ticket erreichbar.
Ein Beispiel: Zwischen Klaus und Satteins kostet ein 60-Minuten-Ticket künftig 2,40 Euro. Auch längere Strecken werden leicht günstiger – etwa Bludenz–Dornbirn, wo laut VVV rund 80 Cent eingespart werden können.
Aber: Teure Ausreißer im System
So klar die Vorteile scheinen, so deutlich sind auch die Schattenseiten. Denn je nach Verbindung und Zeitbedarf kann es spürbar teurer werden, wie der ORF berichtet.
Ein Beispiel:
Die Strecke Dornbirn–LKH Feldkirch kostete bisher für Hin- und Rückfahrt rund 11 Euro. Künftig ist – bei mehr als zwei Stunden Gesamtzeit – ein 24-Stunden-Maximo-Ticket nötig. Preis: 18,40 Euro. Das entspricht einer Steigerung von rund 67 Prozent.
Noch drastischer fällt es auf manchen kürzeren Strecken aus:
Von Hohenems nach Klaus oder von Hard nach Lochau kostet eine einfache Fahrt künftig 9,60 Euro statt bisher etwa 4 Euro – ein Plus von rund 140 Prozent. Grund: Diese Verbindungen fallen in keine Lokal- oder Regio-Zone und erfordern daher das landesweite Ticket.
Zeit wird zum entscheidenden Faktor
Ein weiterer Knackpunkt sind die Zeitlimits. Nicht jede Strecke lässt sich sinnvoll in 60 oder 120 Minuten abbilden.
Beispiel Bürs–Damüls:
Die Fahrt dauert knapp zwei Stunden. Ein 60-Minuten-Ticket ist zu kurz, also bleibt nur das 24-Stunden-Ticket um 9,20 Euro – rund 18 Prozent mehr als bisher.
Ähnliche Fälle gibt es etwa zwischen Partenen und Brand, Stallehr und Lech oder Kennelbach und Sibratsgfäll.
Kritik abgewehrt
Den Vorwurf einer "Preissteigerung durch die Hintertür" weist Bitschi gegenüber dem ORF zurück. "Der Großteil wird günstiger oder bleibt gleich", betont er. Rund 94 Prozent der bisherigen Tickets würden in die Kategorien Lokal oder Regio fallen. Auch Hillbrand räumt ein, dass einzelne Fahrten "durchaus spürbar" teurer werden können. Insgesamt habe man aber gezielt dort entlastet, wo die meisten Menschen unterwegs sind.
Neues Ticket für Senioren – mehr Verkaufsstellen
Neben der Tarifreform bringt der Juni noch weitere Neuerungen:
- KlimaTicket 75+: Für 229 Euro pro Jahr im ganzen Land unterwegs
- Mehr Verkaufsstellen: Tickets bald in rund 100 Trafiken erhältlich
- Bargeldlos im Bus: Ausbau der Bezahlmöglichkeiten
- Hunde: künftig kostenlos mitfahrend
Unterm Strich steht ein System, das einfacher zu verstehen ist – aber nicht für alle günstiger wird. Wer regelmäßig unterwegs ist, dürfte profitieren. Wer quer durchs Land fährt oder längere Aufenthalte einplant, sollte künftig genauer rechnen.
(Red.)