Warum Ärzte nach dem Studium in Vorarlberg nicht starten können
In Vorarlberg spitzt sich die Lage für angehende Ärztinnen und Ärzte weiter zu. Nach dem Medizinstudium ist das verpflichtende Basisjahr Voraussetzung für die weitere Ausbildung – doch genau hier fehlen Plätze.
Eine junge Vorarlbergerin schildert laut ORF ihre Situation anonym: Trotz früher Bewerbung, Praktika in Landeskrankenhäusern und positiver Rückmeldungen hat sie keinen Ausbildungsplatz erhalten. Derzeit stehe sie ohne Stelle da.
Wartelisten reichen bis 2027
Die Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft (KHBG) verweist darauf, dass ausreichend Ausbildungskapazitäten geplant seien, um den Bedarf zu decken. Gleichzeitig betonen auch die Spitäler sowie das Büro von Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP), dass eine hohe Ausbildungsqualität entscheidend sei.
In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Laut Vorarlberger Ärztekammer stehen derzeit Dutzende Absolventinnen und Absolventen auf Wartelisten. Freie Plätze seien frühestens ab Mitte 2027 zu erwarten. Konkrete Zahlen nennen weder KHBG noch das Krankenhaus Dornbirn.
Kritik: Absagen trotz fixer Zusagen
Besonders kritisch sieht die Ärztekammer Fälle, in denen bereits zugesagte Ausbildungsplätze kurzfristig wieder abgesagt wurden. Seit Jahresbeginn seien 15 solche Fälle gemeldet worden.
Kammerpräsident Burkhard Walla warnte laut ORF, dass dem Land junge Medizinerinnen und Mediziner verloren gehen könnten. Teilweise hätten Betroffene bereits konkrete Rotationspläne erhalten, bevor die Zusage zurückgezogen wurde.
Nach Intervention der Ärztekammer seien einige dieser Stellen doch noch – wenn auch verzögert oder an anderen Standorten – umgesetzt worden. In anderen Fällen laufen weiterhin Gespräche.
Abwanderung ins Ausland nimmt zu
Angesichts der unsicheren Situation orientieren sich viele Jungmedizinerinnen und Jungmediziner zunehmend außerhalb Vorarlbergs. Auch andere Bundesländer wie Tirol oder Salzburg seien laut Betroffenen stark ausgelastet.
Als Alternative wird häufig Deutschland genannt. Dort gibt es kein verpflichtendes Basisjahr, sodass Absolventinnen und Absolventen direkt mit der Facharztausbildung beginnen können. Auch die Ärztekammer sieht diesen Weg als Möglichkeit – verbunden mit der Hoffnung, dass die Medizinerinnen und Mediziner später nach Vorarlberg zurückkehren.
(VOL.AT)