Warum bei Landesaufträgen nicht nur Vorarlberger Firmen zum Zug kommen
Rund 17 Prozent des ausgewerteten Auftragsvolumens des Landes Vorarlberg gingen seit Juli 2023 an Unternehmen, die in der Vergabeliste mit Sitz außerhalb Vorarlbergs aufscheinen – netto rund 67 Millionen Euro.
Was genau wurde ausgewertet?
Grundlage ist die Auswertung veröffentlichter Landesaufträge ab 25.000 Euro netto. Enthalten sind auch Rahmenvereinbarungen, also Auftragsrahmen, aus denen erst später konkrete Leistungen abgerufen werden. Die tatsächlich abgerufenen Beträge können daher unter den ausgewiesenen Summen liegen.
Sitz ist nicht gleich Standort
Die Zahlen zeigen den in der Vergabeliste eingetragenen Firmensitz, nicht zwingend den Ort, von dem aus ein Auftrag tatsächlich abgewickelt wird. Der Elektroinstallateur Fiegl + Spielberger ist etwa in der Datenbank mit Innsbruck erfasst, hat aber auch eine Niederlassung in Hohenems. Auch größere Unternehmen wie die HTB Baugesellschaft oder die STRABAG sind trotz auswärtiger Sitzangabe mit eigener Struktur in Vorarlberg präsent. Allein diese drei Top-Platzierungen machen zusammen rund 18,5 Millionen Euro aus.
Die Daten zeigen also nicht, wie viele Mitarbeiter, Subunternehmen oder Lieferanten am Ende tatsächlich aus Vorarlberg stammen und damit auch nicht, wie viel Wertschöpfung im Land bleibt.
Salz, Software, Spezialtechnik
Manche Platzierungen erklären sich über Spezialprodukte oder überregionale Lieferketten: Die Südwestdeutschen Salzwerke liefern Auftausalz im Wert von rund 2,9 Millionen Euro – eine Menge, die in Vorarlberg nicht verfügbar ist. SWARCO Traffic Austria deckt mit Verkehrstechnik und Ampelanlagen einen Spezialbereich ab, der spezifisches Systemwissen und Wartungsstrukturen voraussetzt. KPMG Advisory kam über die Einführung einer neuen HR-Softwarelösung in die Auswertung.
Ein anderer Fall lässt sich nicht über ein Spezialprodukt erklären, sondern über den Verfahrensablauf selbst: Bei den Steinmetzarbeiten am Landhaus Bregenz, die an die Ecker Wolfgang Gesellschaft m.b.H. nach Traiskirchen gingen, zeigt ein Blick in die Vergabeunterlagen, dass schlicht kein Vorarlberger Unternehmen ein Angebot gelegt hat. Der Auftrag über zwei Millionen Euro ging also nicht an der Region vorbei, weil ein auswärtiges Unternehmen bevorzugt wurde, sondern weil es im konkreten Verfahren keine einheimische Konkurrenz gab.
Das verweist auf den rechtlichen Rahmen dahinter: Eine Bevorzugung Vorarlberger Unternehmen allein wegen ihres Sitzes ist, gerade bei größeren Aufträgen, vergaberechtlich ohnehin nicht zulässig. Das Land muss Aufträge nach den gesetzlich festgelegten Kriterien vergeben. Unabhängig davon, ob und wie viele regionale Anbieter mitbieten.
Wirtschaftskammer fordert mehr regionale Chancen
Die Wirtschaftskammer Vorarlberg sieht trotzdem Spielraum. WKV-Präsident Karlheinz Kopf fordert, bestehende vergaberechtliche Möglichkeiten stärker auszuschöpfen: „Bei der Vergabe öffentlicher Aufträge müssen die gesetzlichen Spielräume bestmöglich genützt werden, damit heimische Unternehmen in der Region zum Zug kommen und Wertschöpfung möglichst im Land gehalten werden kann.“
Konkret verweist die Wirtschaftskammer auf mehrere rechtlich mögliche Hebel: Aufträge könnten gewerksweise vergeben oder in kleinere Lose aufgeteilt werden. Dadurch hätten auch kleinere und mittlere Unternehmen bessere Chancen, sich zu beteiligen. Zudem könnten Auftraggeber dort, wo es passt, einfachere Verfahrensarten wie die Direktvergabe nutzen und bei Ausschreibungen stärker auf das Bestbieter-Prinzip setzen. Als mögliche Kriterien nennt die Wirtschaftskammer etwa Reaktionszeiten. Solche Kriterien könnten Ausschreibungen regionaler und KMU-freundlicher machen, ohne gegen das Vergaberecht zu verstoßen.
Nicht jeder Euro fließt ab
Die Zahlen sind aber kein einfaches Abflusskonto. Bei Bau- und Infrastrukturprojekten wird die Leistung oft direkt in Vorarlberg erbracht, auch wenn der Sitz des Hauptauftragnehmers anderswo liegt, etwa durch lokale Mitarbeiter, Subunternehmen oder Lieferanten. Die Vergabeliste zeigt nur den Auftragnehmer und dessen eingetragenen Sitz, nicht die tatsächliche Wertschöpfungskette.
Jetzt bist du dran
Such selbst: nach deiner Gemeinde, nach einer Firma, nach einem bestimmten Projekt. Schau nach, welche Aufträge das Land vergeben hat – und an wen.
Dir fällt etwas auf? Ein Fehler in den Daten oder eine Auffälligkeit, der wir nachgehen sollen? Schreib uns in den Kommentaren oder per Mail an redaktion@vol.at. Wir prüfen jeden Hinweis.
(VOL.AT)