Warum eine Bäckerei im Allgäu nur noch Brot von gestern verkauft
Semmel, Weckle oder Brötchen – egal wie man sie nennt: Frisches Gebäck gehört für viele zum Alltag. Umso bemerkenswerter ist ein Konzept aus dem bayerischen Allgäu, das genau hier ansetzt. Eine Bäckerei in Marktoberdorf verkauft bewusst nur noch Backwaren vom Vortag.
Geschäftsführer Christian Münzel erklärt gegenüber der "Allgäuer Zeitung": "Wir machen seit einer Weile 'Too Good To Go' und die Nachfrage ist groß." Über eine App werden überschüssige Lebensmittel angeboten, statt sie zu entsorgen.
Zentrale Sammelstelle für übrige Backwaren
Die Idee dahinter ist simpel – und wirkungsvoll: Nicht verkaufte Ware aus anderen Filialen wird gebündelt und in der Marktoberdorfer Filiale günstiger angeboten. Im Sortiment: Brot und Gebäck, das noch einwandfrei genießbar ist. Die Ware werde sorgfältig geprüft und aussortiert – verkauft werde nur, was qualitativ noch überzeugt.
Nachhaltigkeit trifft Geldbörse
Das Konzept kommt an. Kunden profitieren doppelt: Sie sparen Geld und leisten gleichzeitig einen Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung. Gerade in Zeiten steigender Preise trifft dieses Modell einen Nerv.
Ein Blick auf Zahlen auch in Österreich zeigt, wie relevant das Thema Lebensmittelverschwendung ist: Die Summe der vermeidbaren Lebensmittelabfälle liegt geschätzt bei rund einer Million Tonnen pro Jahr. In Deutschland landen laut Bundesministerium für Landwirtschaft sogar rund 10,8 Mio. Tonnen Lebensmittel im Müll. Der Großteil - rund 58 Prozent - entstehe in privaten Haushalten.
Brot von gestern: Ein Modell mit Signalwirkung?
Was im Allgäu funktioniert, könnte auch anderswo Schule machen. Ob sich das Modell langfristig durchsetzt, bleibt offen – die steigende Nachfrage zeigt jedoch: Das Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln wächst. Und manchmal reicht dafür schon ein einfaches Prinzip: weniger wegwerfen, mehr nutzen.
(Red.)