Warum in Rankweil 18 Psychiatrie-Betten leer bleiben
Im Landeskrankenhaus Rankweil bleibt die Personalsituation in der Erwachsenenpsychiatrie angespannt. Wie Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) in einer Anfragebeantwortung an die SPÖ mitteilt, können aktuell 18 Betten nicht belegt werden, weil es an Pflegepersonal und Ärzten fehlt.
Weniger gesperrte Betten als zuletzt
Die Zahl der nicht belegbaren Betten sei allerdings rückläufig. Laut Rüscher waren im April noch 28 Betten betroffen. Im Jahresdurchschnitt 2024 seien es sogar 39 gewesen, im Vorjahr durchschnittlich 30.
Ziel sei es nun, ab Oktober weitere sechs bis zehn Betten freizugeben. Bis Ende des Jahres sollen demnach noch acht bis zwölf Betten ungenutzt bleiben.
Keine Einschränkungen gebe es derzeit laut Anfragebeantwortung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Ambulante Angebote ausgebaut
Um die Versorgung trotz der eingeschränkten Bettenkapazitäten sicherzustellen, seien die ambulanten Angebote erweitert worden, erklärt Rüscher. So habe man deutlich mehr Nachsorgetermine angeboten.
Zusätzlich wurde eine interdisziplinäre ambulante Betreuungseinheit geschaffen. Dort können Therapien durchgeführt werden, die früher auf normalen Bettenstationen stattfanden. Dadurch würden stationäre Kapazitäten für Menschen frei, die tatsächlich eine Aufnahme über Nacht benötigen.
Psychiatrische Notfälle könnten weiterhin jederzeit im LKH Rankweil behandelt werden. Laut Rüscher sei rund um die Uhr ein Facharzt oder eine Fachärztin für Psychiatrie im Dienst. In der Ambulanz werde entschieden, ob eine stationäre Aufnahme notwendig sei.
Strategie gegen Versorgungslücken
Rüscher verweist in ihrer Anfragebeantwortung auch auf die Psychiatrie- und Suchtstrategie 2025 bis 2035. Diese zeige, dass die sozialpsychiatrische Versorgung in Vorarlberg grundsätzlich funktioniere, gleichzeitig aber noch "Verbesserungspotenziale" bestünden.
Geplant sei unter anderem ein Ausbau der Sozialpsychiatrischen Dienste (SpDi) mit besserer fachärztlicher Ausstattung. Krisen sollen dadurch früher erkannt und ambulant behandelt werden können, bevor eine stationäre Aufnahme nötig wird.
Besonders wichtig seien laut Rüscher sogenannte aufsuchende Angebote. Dabei komme Hilfe aktiv zu den Betroffenen, anstatt darauf zu warten, dass Menschen in psychischen Krisen selbst Unterstützung suchen.
Nationale Krisenhotline geplant
Zusätzlich soll österreichweit eine rund um die Uhr erreichbare Krisenhotline eingerichtet werden. Eine kostenlose einheitliche Telefonnummer mit direkter Weiterleitung an regionale Krisendienste könne den Zugang zu rascher Hilfe erleichtern, so Rüscher.
Die Landesrätin betont, Ziel sei es, "Versorgungslücken zwischen Krisenerkennung, Akuthilfe und weiterer Betreuung zu schließen". Dafür brauche es ein eng vernetztes System aus Krisentelefon, mobilen Teams, ambulanter Versorgung und stationärer Behandlung.
Bericht über Suizidversuch löste Debatte aus
Auslöser der SPÖ-Anfrage war ein Bericht der "Vorarlberger Nachrichten" über eine junge Frau nach einem Suizidversuch. Laut dem Bericht sei die Betroffene nach einer Nacht auf der Intensivstation in Bludenz entlassen worden und später trotz einer erneuten psychischen Krise nicht stationär in Rankweil aufgenommen worden.
Die Krankenhausbetriebsgesellschaft erklärte laut "VN", dass keine psychiatrischen Notfälle aufgrund von Personalmangel abgewiesen würden. Jeder Fall akuter Suizidalität werde ambulant abgeklärt oder stationär aufgenommen.
Rüscher erklärte dazu, der konkrete Fall könne ohne genaue Angaben zu Patientendaten und Aufnahmezeitpunkt nicht seriös beurteilt werden. Sie kenne den Fall ebenfalls nur aus den Medien.
Neubau erst im Vorjahr eröffnet
Erst im vergangenen November war nach jahrelanger Planung der Neubau der Erwachsenenpsychiatrie am LKH Rankweil offiziell eröffnet worden. Die Kosten für das Projekt lagen bei rund 69 Millionen Euro.
(VOL.AT)