Warum Vorarlberg Millionen in neue Kunststofftechnik-Werkstätten investiert – obwohl die HTL-Labore leer stehen
Millionen-Investition
Vorarlberg investiert Millionen in neue Werkstätten und Labore für die Ausbildung von Kunststofftechnik-Lehrlingen an der Landesberufsschule Bregenz. Gleichzeitig verfügt die nur wenige Kilometer entfernte HTL Bregenz seit Jahren über vergleichbare Ausstattung – allerdings mit deutlich geringer Auslastung. Das Nebeneinander zweier nahezu identischer Strukturen wirft Fragen auf.
Bestehende HTL-Labore kaum genutzt
Die HTL Bregenz betrieb früher einen eigenen Zweig für Kunststofftechnik. Heute ist das Thema lediglich eine Vertiefung im Maschinenbau. Derzeit besuchen zehn Schüler diesen Schwerpunkt. Die Schule bestätigt eine stark rückläufige Nachfrage.
Trotz geringer Auslastung stehen die Labore und Maschinen weiterhin zur Verfügung – darunter Anlagen für Spritzguss, Extrusion, 3D-Druck und Werkstoffprüfung. Der überwiegende Teil der HTL-Schüler entscheidet sich mittlerweile für den Bereich Automatisierungstechnik, sagt Abteilungsvorstand Jörg Maninger.
Land baut eigene Kunststoffausbildung auf
Bereits 2022 beschloss die Landesregierung, die berufliche Ausbildung im Kunststoffbereich künftig nach Bregenz zu holen. Bislang müssen Vorarlberger Lehrlinge für den Berufsschulunterricht nach Steyr in Oberösterreich pendeln.
Die neuen Räumlichkeiten an der Landesberufsschule Bregenz umfassen Werkstätten für Spritzguss und Extrusion sowie Labore für Verbundwerkstoffe, Klebetechnik und Werkstoffprüfung. Teilweise sollen Maschinen von Betrieben zur Verfügung gestellt werden. Die Beschulung startet ab 2026, ab dem Schuljahr 2028/29 findet die Ausbildung vollständig im Land statt.
168 Lehrlinge im Land – verteilt auf vier Jahrgänge
Aktuell gibt es in Vorarlberg 168 Lehrlinge in Kunststoffberufen, aufgeteilt auf vier Lehrjahre. Das entspricht rund 40 bis 45 Auszubildenden pro Jahrgang. Für sie entsteht in Bregenz eine völlig neue Infrastruktur – parallel zur bestehenden Ausstattung an der HTL.
Gemeinsame Nutzung geprüft, aber verworfen
Auf Anfrage von VOL.AT erklärt das Land, man habe die Option einer Mitnutzung der HTL-Werkstätten „intensiv geprüft“. Genannt werden organisatorische Hürden wie längere Wegezeiten oder der EDV-Zugang für Lehrpersonen. Fachliche Gründe werden nicht genannt.
Trotz knapper Budgets hält das Land am Neubau fest. Der Beschluss sei lange vor der aktuellen wirtschaftlichen Lage gefallen, ein Abbruch des Projekts komme nicht infrage.
Zwei Systeme – wenige Kilometer voneinander entfernt
Mit dem Neubau in der Landesberufsschule entstehen nun zwei Einrichtungen für denselben Fachbereich innerhalb derselben Stadt:
- eine HTL mit vorhandener, aber wenig genutzter Ausstattung
- eine Landesberufsschule mit nahezu identischer, neu errichteter Infrastruktur
Warum die bestehenden HTL-Labore nicht stärker einbezogen wurden und ob die Doppelstruktur langfristig sinnvoll ist, bleibt offen. Klar ist: Das Land setzt in der Kunststofftechnik auf Ausbau – jedoch nicht auf ein gemeinsames Zentrum, sondern auf zwei separate Standorte.
Land verteidigt Millionenprojekt
Beschlossen wurde der Ausbau bereits 2022 durch die Vorarlberger Landesregierung. Damals präsentierten Landeshauptmann Markus Wallner, Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink und Wirtschafts- bzw. Hochbaulandesrat Marco Tittler den Plan, die Kunststofflehrlinge künftig in Bregenz auszubilden.
(VOL.AT)