Im Amateurfußball entscheidet oft nicht nur die Leistung. Es sind Kontakte, Empfehlungen, ein bekanntes Gesicht am richtigen Ort. Wer niemanden kennt, hat es schwer. Genau hier setzt eine Idee an, an der ein Vorarlberger beteiligt ist.
Der Schiedsrichter und Softwareentwickler Stefan Macanovic hat gemeinsam mit seinem Tiroler Schiedsrichter-Kollegen Onur Yayar eine Plattform entwickelt, die einen neuen Zugang auf den Transfermarkt bringt. Ihr Name: Lynup. Der Ansatz erinnert bewusst an bekannte Apps.
"Wir haben die App entwickelt, um Vereine, Spieler und Staff im Stiele einer Dating-App oder Recruiting-Plattform zusammenzubringen", erklärt der 28-jährige Macanovic.
Vom Schiedsrichter zur App-Idee
Kennengelernt haben sich die beiden als Schiedsrichter. Im September erzählte Yayar erstmals von seiner Idee, im November begannen die beiden bereits mit der Umsetzung. Während Macanovic den technischen Part übernahm, kümmerte sich Yayar um die operativen Aufgaben und die Kommunikation mit den Vereinen.
Die Motivation ist persönlich. Beide kennen die Probleme aus eigener Erfahrung. Talentierte Spielerinnen und Spieler bekommen keine Chance. Vereine suchen händeringend Verstärkung. Trainer oder Physiotherapeuten warten monatelang auf eine passende Aufgabe.
"Wir möchten das Problem von mangelnder Sichtbarkeit lösen", erklärt Macanovic.
Wie eine Dating-App, nur für Fußball
Das Prinzip ist einfach gehalten und bewusst an bekannte Plattformen angelehnt. Nutzer erstellen ein Profil, geben ihre Position, Erfahrungen und Ziele an. Danach beginnt das Matching.
Ein Algorithmus schlägt passende Kontakte vor. Wer interessiert ist, kann Profile liken oder weiterswipen. Kommt es zu einem Match, entsteht ein direkter Kontakt. Gespräche, Probetrainings oder sogar Verpflichtungen können folgen.
Zusätzlich gibt es eine Art Stellenmarkt. Vereine können gezielt nach Spielern suchen, Spieler nach Clubs oder Staff-Mitglieder nach Jobs. Filter wie Entfernung helfen bei der Eingrenzung. Sogar Testspielgegner lassen sich finden.
Kontrolle statt Selbstdarstellung
Ein Problem klassischer Plattformen wollen die Entwickler bewusst vermeiden. Nicht jeder soll sich einfach anmelden und sich besser darstellen können, als er ist.
Deshalb setzt Lynup auf einen internen Prüfprozess. Profile werden kontrolliert, Vereine verifiziert. So soll sichergestellt werden, dass Angaben stimmen und Vertrauen entsteht.
Start in Tirol, Blick auf Vorarlberg
Der erste Testlauf fand in Tirol statt und sorgte dort rasch für Aufmerksamkeit. Rund 130 Personen und knapp 30 Vereine stehen bereits auf einer Warteliste.
Auch in Vorarlberg wurde das Interesse größer. "Auch im Ländle haben mich immer mehr Leute darauf angesprochen, sodass wir gesagt haben, wir weiten es gleich auch auf Vorarlberg aus", erzählt der Elite-Schiedsrichter. Mit dem FC Wolfurt und dem VfB Hohenems sind auch schon die ersten namhaften Vereine aus dem Ländle mit dabei.
Die App ist fertig entwickelt und befindet sich derzeit im Prüfprozess bei Google und Apple. Der Start soll noch in dieser Woche erfolgen.
Der nächste Schritt: DACH-Raum
Langfristig denken die Gründer größer. Die Plattform soll nicht auf Vorarlberg und Tirol beschränkt bleiben. Der gesamte deutschsprachige Raum ist das Ziel.
Die Idee dahinter bleibt dieselbe. Fußball soll weniger vom Netzwerk abhängen und mehr vom Können.
Und dafür soll die Dating-App für den Fußball Abhilfe schaffen. Nur dass hier nicht das perfekte Match fürs Leben gesucht wird, sondern für die nächste Saison.
(VOL.AT)