"Was ist das?" – Künstlerin Birgit Konzett setzt auf das Unerwartete
Birgit Konzett ist Künstlerin. Doch sie malt und gestaltet nicht, damit etwas "schön" aussieht. Die 57-Jährige aus Nenzing-Beschling möchte die Betrachter ihrer Kunst berühren. In ihren Ausstellungen sollen die Menschen vor ihren Werken stehen bleiben und sich fragen: "Was ist das?"
Frühe Leidenschaft
Kunst begleitet Konzett, wie sie sagt, "schon immer". Im Kindergarten saß sie am liebsten am Zeichentisch. Später machte sie eine Textilausbildung. Das Nähen selbst habe sie aber gar nicht wirklich interessiert. Den Entwurf zu zeichnen, bereitete ihr viel mehr Freude. Nach der Geburt ihrer Tochter vor 15 Jahren entschied sie, sich beruflich voll auf die Kunst zu konzentrieren. Ihre Erfahrung mit Stoffen fließt dabei immer wieder in ihre Arbeiten ein.
Seit Februar arbeitet Konzett in ihrem neuen Atelier. Links im Raum stehen Regale voller Gemälde, Kunstdrucke und Objekte aus früheren Ausstellungen. Die anderen Wände sind weiß und leer. "Ich liebe weiße Wände, weil ich sie gestalten kann", sagt die Künstlerin.
Schicht für Schicht zum Kunstwerk
Ihre Gemälde entstehen meist Schicht für Schicht, manchmal in 20 Lagen von Farbe. Wichtig sei für sie der Prozess. An einem Werk kann die Vorarlbergerin über Wochen hinweg arbeiten, bis sie feststellt: "Jetzt ist es fertig." Wiederholungen spielen dabei eine große Rolle. Wenn ihr eine Technik, eine Farbe oder ein Material besonders gut gefallen, verwendet sie diese immer wieder. In ihren Bildern wiederholen sich oft geometrische Formen, wie Kreise, Halbkreise und Ovale. Alles in blassen Farben und mit schwerem Metallrahmen.
An ihren Kunstobjekten reizt sie das Unerwartete: Kunststofffolie, die aussieht wie Keramik. Stoff, der angemalt wird. Konzett will Fragen und Denkprozesse auslösen: "Ist das Malerei?" oder "Wieso macht die Künstlerin das so?"
Engagement im Kunstverein
Seit Jahren ist Konzett beim Künstlerverein KunstVorarlberg aktiv und sitzt dort im Vorstand. Sie schätzt die Ausstellungsmöglichkeiten des Vereins in der Villa Claudia in der Bahnhofstraße 6 in Feldkirch. Ebenso schätzt sie die Begegnungen, auch durch Gruppenausstellungen. "Man kann von anderen wahnsinnig viel lernen", sagt die Künstlerin.
Vorarlberg erlebt sie als lebendige Kunstregion: mit Kunstvereinen, Galerien und vielen Möglichkeiten. Die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger seien innovativ, "schaffig" und offen. "Dieses kleine Land muss sich absolut nicht verstecken", sagt Konzett.
Ausstellung in der Villa Claudia
Ihre nächste Ausstellung "Im Spannungsfeld der Gegensätze" in der Villa Claudia wird am Freitag, 22. Mai, um 19 Uhr eröffnet. Gemeinsam mit Heidi Comploj, May-Britt Nyberg, Dorothea Rosenstock, Anna Rubin und Renate Wittwer setzt sie sich mit Kontrasten wie Leichtigkeit und Schwere auseinander. Konzett, die gern thematisch arbeitet, hat sich dabei für die Hauptfarbe Rot entschieden.
Für Konzett ist es wichtig, Kunst nicht einfach "nur zu produzieren". Sie möchte Emotionen auslösen. Wenn Menschen ihre Kunst kaufen, weiß sie, dass sie das Richtige gemacht hat. Eine ihrer Kundinnen sei hochschwanger gewesen, als sie sich für ein Bild entschied. Die Frau habe empfunden, dass es genau das Bild sei, das sie jetzt brauche. Andere Kunden hätten sogar Werke "von bekannten Künstlern" abgehängt, um Platz für eines ihrer Werke zu schaffen.
Kunst für alle zugänglich
"Ich freue mich, wenn meine Kunst nach außen geht und ihren Platz bei den Leuten findet", sagt Konzett. Auch mit kleinem Budget könne man Künstler aus der Region unterstützen. Und so packt sie im Gespräch ihre Kunstwerke aus und hängt sie – zur kurzen Schau – an die weißen Wände in ihrem Atelier.
(VOL.AT/Franziska Eckert)