Was Künstliche Intelligenz wirklich über uns weiß
KI hört mit – oft mehr, als uns lieb ist
Programme wie ChatGPT wirken auf den ersten Blick harmlos – ja, fast schon persönlich, so der ORF. Sie stellen Rückfragen, antworten verständnisvoll und schaffen so eine Atmosphäre des Vertrauens. Eine, die dazu verleitet, mehr preiszugeben, als man eigentlich will. Psychische Probleme, Gesundheitsfragen, Firmeninterna oder gar private Fotos: Was wir ins Chatfenster tippen, würden wir auf offener Straße niemals laut aussprechen.
Florian Bühler, KI-Experte an der Fachhochschule Vorarlberg, sieht darin eine gefährliche Entwicklung. "Grundsätzlich müsse man davon ausgehen, dass eingegebene Inhalte nicht vollständig unter eigener Kontrolle bleiben", sagt er am heutigen Europäischen Datenschutztag.
Bezahlt wird mit Daten
Vor allem bei kostenlosen KI-Diensten gilt: Was nichts kostet, ist nicht unbedingt gratis. Die Daten, die Nutzer eingeben, können zur Weiterentwicklung der Systeme verwendet werden. Eine Garantie, dass Inhalte nicht gespeichert oder ausgewertet werden, gibt es schlicht nicht.
Bühlers Faustregel ist simpel, aber effektiv: Teilen Sie nichts mit der KI, was Sie nicht auch öffentlich ins Internet posten würden." Besonders heikel seien vollständige Lebensläufe – nicht nur wegen der Daten selbst, sondern weil sie Rückschlüsse auf Herkunft, Bildungsweg und Karriere zulassen.
Vertraulichkeit? Nur eine Illusion
Manche Anbieter werben mit sogenannten privaten oder temporären Chats. Diese sollen sich angeblich nicht dauerhaft speichern lassen. Doch Bühler mahnt zur Vorsicht: Ob die Inhalte tatsächlich gelöscht oder lediglich "ausgeblendet" werden, ist unklar. Einen zentralen "Löschknopf" gibt es nicht.
Selbst große Anbieter wie OpenAI betonen zwar, Nutzerdaten sicher zu behandeln. Doch auch hier gilt: Wer die kostenlose Version nutzt, muss damit rechnen, dass seine Eingaben für das Training der KI verwendet werden – und dass gelernte Muster im System gespeichert bleiben, auch wenn der konkrete Text gelöscht wurde.
Datenschutz im eigenen Interesse – und im Interesse der Anbieter
Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist der Standort der Server. Viele KI-Dienste haben ihren Sitz in den USA – mit Datenschutzgesetzen, die sich deutlich von der europäischen DSGVO unterscheiden. Doch auch die Unternehmen selbst haben ein Interesse daran, Datenpannen zu vermeiden: Ein massiver Leak von Nutzerdaten wäre für sie ein "Super-GAU", wie Bühler es nennt – und für Betroffene ein mögliches Langzeitproblem.
Mehr Kontrolle durch Geld – oder Technik
Wer Wert auf Datenschutz legt, sollte über kostenpflichtige Versionen nachdenken. Dort besteht weniger wirtschaftliches Interesse, Nutzerdaten weiterzuverwerten, sagt Bühler. Für Unternehmen gibt es sogar spezielle Angebote, bei denen die Daten ausdrücklich nicht für Trainingszwecke verwendet werden.
Noch mehr Kontrolle bietet nur der eigene Rechner. Wer technisch versiert ist, kann KI-Modelle lokal betreiben – ganz ohne Internetverbindung. So bleiben alle Daten auf dem eigenen Gerät.
Und selbst einfache Maßnahmen können helfen: Inhalte anonymisieren, in der dritten Person formulieren – oder eben "für einen Freund fragen". All das erschwert es der KI, Rückschlüsse auf die eigene Person zu ziehen.
(VOL.AT)