"Wenn es am schönsten ist": Kropfen-Wirte starten in letzte Saison
Für das Gasthaus Kropfen oberhalb von Schruns hat die Sommersaison begonnen. Für die Pächter wird es jedoch die letzte Saison sein.
Bei der Mittelstation der Hochjochbahn oberhalb von Schruns ist das Team vom Berggasthaus Kropfen früher als geplant in die Sommersaison gestartet. "Bei dem tollen Wetter wollten wir nicht länger mit der Eröffnung warten", sagt Gastronomin Sonja Zwischenbrugger. Viele Stammgäste hätten bereits gefragt, wann sie vorbeikommen können.
Für das Pächterpaar Herbert (62) und Sonja Zwischenbrugger (53) aus Zwischenwasser beginnt die Saison jedoch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Am 1. November 2016 haben sie das Gasthaus auf rund 1335 Metern Seehöhe übernommen. Mit 1. November 2026 endet ihre Pacht. Dann wird der Platz frei für die neuen Pächter Oliver Martin, der parallel das Café Strandkorb in Tschagguns weiterführt, seinen Sohn Ben Martin und Thomas Luippold.
Noch ein Sommer mit den Stammgästen
"Wir freuen uns sehr, dass wir jetzt starten", sagt Sonja Zwischenbrugger. Mit ihren Gästen möchte sie noch zwei schöne Monate verbringen und sich gebührend verabschieden. "Wir haben ganz tolle Stammgäste, mit denen wir immer eine gute Zeit hatten. Der Stammtisch ist eigentlich immer besetzt."
In ihrer letzten Saison wollen die Pächter jede Woche ein kulinarisches Schwerpunktthema anbieten, das die kleine Speisekarte ergänzt. Der gelernte Koch Herbert Zwischenbrugger steht seit 48 Jahren in der Küche und weiß, was gut ankommt und was er selbst am liebsten zubereitet: "Kaiserschmarrn natürlich."
Zwischen Bergblick und Pistentrubel
Im Sommer geht es im Gasthaus mit der großen Terrasse und dem Blick über die Montafoner Bergwelt grundsätzlich gemütlich zu. Neben Stammgästen aus dem Tal kehren Wanderer ein, die vom Hochjoch absteigen oder aus der Hochjochbahn aussteigen. Im Winter herrscht deutlich mehr Betrieb. Dann liegt das Gasthaus direkt an der Talabfahrt der Skipiste. "Wir wollten nicht noch eine Wintersaison machen. Vergangenen Winter war wirklich viel los", sagt die Wirtin. Herbert Zwischenbrugger ergänzt: "Wenn es am schönsten ist, soll man bekanntlich aufhören."
Die Pächter haben in den vergangenen zehn Jahren viel erlebt. Ihr Gasthaus ist eng mit der Bergbahn verbunden. Wenn diese nicht fährt, wird es schwierig. So mussten sie Lieferungen im Winter schon mit dem Schlitten nach oben ziehen, weil die Bahn nicht fuhr. Kam ein Sturm auf und das Team war noch oben, konnte es auch einmal heißen: "In zehn Minuten fährt die letzte Bahn." Dann musste alles schnell gehen. "Flexibilität", sagt Sonja Zwischenbrugger. "Das haben wir gelernt."
Zweite Heimat
Auch die beiden Töchter der Zwischenbruggers finden es schade, dass die Zeit am Kropfen zu Ende geht. Nach zehn Jahren ist das Haus für die Familie zu einer zweiten Heimat geworden.
Ende August sollen sich die Türen des Gasthauses unter der aktuellen Führung schließen. Für Herbert Zwischenbrugger endet mit der Sommersaison auch sein Berufsleben. Er geht anschließend in Pension. Laufen, Motorradfahren, Skifahren und kleinere Projekte sollen künftig seinen Alltag bestimmen. Langweilig werde ihm nicht, ist Sonja Zwischenbrugger überzeugt. Sie selbst möchte sich Zeit nehmen, um herauszufinden, wohin ihr beruflicher Weg führt. "Wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf", sagt sie.
(VOL.AT/Franziska Eckert)