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"Wenn Leute unpolitisch sind, dann sind sie scheiße"

©Sabrina Norte
"Trans Agenda Dynastie" heißt das neue Album von Kem Kolleritsch aka. Kerosin95. Diesen Samstag spielt das Multitalent in Dornbirn auf dem Schnitzelfestival im Conrad Sohm. VOL.AT hat nachgefragt.

Eine Art feministischer Kampf

VOL.AT: Diesen Samstag spielst du auf dem Schnitzelfestival im Conrad Sohm in Dornbirn. Freust du dich schon?

Kerosin95: Ja! Speziell nach der langen Konzertpause freue ich mich auf die Tour und die Veröffentlichung des neuen Albums.

VOL.AT: Wie ist es für dich, wieder auftreten zu können?

Kerosin95: Es ist sehr aufregend. Ich bin es gar nicht mehr so gewohnt.

VOL.AT: Wird das dein erstes Konzert in Vorarlberg sein?

Kerosin96: Nein, mit "My Ugly Clementine" habe ich einmal in der Poolbar gespielt.

VOL.AT: Du spielst Schlagzeug und singst bei der Band "My Ugly Clementine". Was du jetzt machst, hat mit Gitarrenmusik wenig am Hut. Wie bist du zum Rap gekommen?

Kerosin95: Ich glaube, es ging über die Texte. Rein spielerisch komme ich ja nicht vom Rap. Am Anfang war es einfach ein Projekt, indem ich mich ausprobieren konnte. Ich habe gemerkt, dass ich dabei viel verarbeiten kann.

VOL.AT: Gibt es andere Stilrichtungen, in denen du dich noch ausdrücken möchtest?

Kerosin95: Bestimmt, aber in welchen weiß ich noch nicht. Ich habe viele Interessen und Pop Musik ist ja auch ein großer Begriff.

VOL.AT: Du machst politische Musik. Gab es einen Moment, in dem dir klar wurde, dass dir das wichtig ist?

Kerosin95: So einen Moment gibt es jeden Tag. Für mich ist es die gleiche Frage, wie wenn man mich als Privatperson fragt, warum ich mich mit der Ungerechtigkeit in der Welt auseinandersetze - weil es gemacht werden muss. Es ist eine Art feministischer Kampf. Den habe ich mir nicht ausgesucht, weil er so lustig ist, sondern weil es nicht anders geht.

VOL.AT: Wie siehst du das Verhältnis von Musik und Politik?

Kerosin95: Wenn Kunst gar keinen Raum für Politisches hat, dann ist es hoch problematisch, denn das Private ist politisch - vor allem wenn sie von privilegierten Personen gemacht wird. Wenn Leute unpolitisch sind, dann sind sie scheiße. Es ist ja kein Hobby. Privat- und Kunst-Person sind nicht trennbar. Acts, die keinen einzigen Funken Politisches in ihre Arbeit tragen, interessieren mich nicht besonders.

VOL.AT: Was bedeutet das für "Privilegierte"?

Weiße Personen, Cis*-Personen oder Heteros müssen ihre Arbeit machen. Wer Privilegien hat, muss das auf der Bühne nutzten. Ich glaube, je privilegierter eine Person ist, desto mehr Verantwortung hat diese auch.

VOL.AT: Gibt es ein politisches Ziel, dass du mit deiner Musik erreicht hast oder zu dem deine Musik beigetragen hat?

Kerosin95: Sichtbarkeit ist ein großes Thema. Ich bekomme viel Feedback von Leuten, die mir sagen, dass das Projekt Transpersonen sichtbarer gemacht hat. Was das auslösen kann, ist sehr wichtig.

VOL.AT: Du bist in der Südsteiermark am Land aufgewachsen. Hattest du damals schon Kontakt zu Transpersonen?

Kerosin95: Nein. In Graz bin ich das erste Mal auf Cis*-Lesben und -Schwule gestoßen. Sonst haben alle in meinem Umfeld ein hetero-monogames Leben geführt. Andere Lebensentwürfe sah ich damals nur im Internet oder Fernsehen.

VOL.AT: Was hast du für die nahe Zukunft geplant?

Kerosin95: Ich arbeite an vielen Projekten, aber die darf ich nicht alle verraten. Bald gibt es ganz viel Kerosin95 Merchandise. Darauf habe ich schon voll Bock und darauf kann man sich freuen.

VOL.AT: Gibt es noch etwas, dass du deinen Fans ausrichten möchtest?

Kerosin95: Ich freue mich auf die Show, ich hoffe die Fans haben Bock und gönnen sich die Feier.

*Cis ist Latein für "diesseits" und bezeichnet Personen, bei denen das soziale mit dem biologischen Geschlecht übereinstimmt. Das unterscheidet sie z.B. von Transpersonen.

(VOL.AT)

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