AA

Wenn Licht zur tödlichen Falle wird: Kaum geschlüpft, sind Felchen-Larven schon in großer Gefahr

Junge Blaufelchenlarve noch mit Dottersack.
Junge Blaufelchenlarve noch mit Dottersack. ©FFS/Roberts
Felchen orientieren sich im Bodensee am Licht. Eine neue Studie zeigt: Klimawandel und künstliche Beleuchtung könnten diese lebenswichtige Navigation stören – mit Folgen für den Nachwuchs.

Grün-gelbes Licht weist den Weg

Winzig, kaum sichtbar – und doch hochsensibel: Felchen-Larven nutzen bereits kurz nach dem Schlüpfen gezielt Licht, um sich im Bodensee zu orientieren. Besonders stark reagieren sie auf grüne und gelbe Wellenlängen. Genau diese führen sie in flache Uferzonen.

Junge Blaufelchenlarve noch mit Dottersack. ©FFS/Roberts

Dort liegen ihre "Kinderstuben": Bereiche mit ausreichend Nahrung und vergleichsweise geringem Risiko durch Fressfeinde. Für die jungen Felchen ist diese lichtgesteuerte Wanderung überlebenswichtig.

Verhalten im Labor sichtbar gemacht

Wie präzise dieses System funktioniert, hat ein Forschungsteam der Fischereiforschungsstelle Langenargen und der Universität Konstanz nun erstmals im Detail untersucht. In einem Y-förmigen Labyrinth wurde beobachtet, welchen Lichtfarben die Larven folgen.

Ein Teil der Versuchsaufbau mit deutlicher sichtbarer Gelbpräferenz bei den Fischlarven. ©FFS/Roberts

Das Ergebnis ist eindeutig: In den ersten Lebenstagen steuern die Tiere gezielt grün-gelbes Licht an. Mit zunehmendem Alter lässt diese Anziehung nach – ein natürlicher Mechanismus, der die Jungfische später wieder in tiefere Bereiche des Sees lenkt.

Klimawandel bringt Timing durcheinander

Doch genau dieser fein abgestimmte Ablauf gerät unter Druck. Steigende Wassertemperaturen – wie sie im Zuge des Klimawandels häufiger auftreten – beschleunigen die Entwicklung der Larven.

Die Folge: Ihre Lichtorientierung verändert sich früher und weniger zielgerichtet. Im schlimmsten Fall verlassen die jungen Felchen ihre geschützten Uferbereiche zu früh – und geraten damit schneller in gefährlichere Zonen.

Künstliches Licht als zusätzliche Gefahr

Auch künstliche Beleuchtung entlang des Bodenseeufers kann zum Problem werden. Straßenlaternen oder andere Lichtquellen ziehen die Larven in ungeeignete Bereiche.

Dort finden sie schlechtere Nahrungsbedingungen vor und sind stärker Fressfeinden ausgesetzt. Zusätzlich kann künstliches Licht ihren natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus stören – ein weiterer Stressfaktor in einer ohnehin sensiblen Entwicklungsphase.

"Derzeit ist dieser Effekt im Bodensee vermutlich noch von begrenzter Bedeutung", sagt Alexander Brinker von der Fischereiforschungsstelle Langenargen. Der Professor der Universität Konstanz warnt jedoch: "Doch mit dem fortschreitenden Klimawandel – insbesondere häufigeren Hitzewellen – könnte sich das Zusammenspiel aus Temperaturstress und Lichtverschmutzung künftig zu einem ernst zu nehmenden Problem entwickeln."

Einfache Maßnahmen möglich

Die Studie zeigt aber auch: Es gibt Ansatzpunkte, um gegenzusteuern. Da Felchen-Larven besonders auf bestimmte Lichtfarben reagieren, könnte eine gezielte Anpassung der Beleuchtung im Uferbereich helfen, negative Effekte zu reduzieren.

Weniger falsches Licht – zur richtigen Zeit – könnte damit einen entscheidenden Unterschied machen für den Nachwuchs im Bodensee.

(VOL.AT)

  • ADMIN AT
  • Deutschland
  • Wenn Licht zur tödlichen Falle wird: Kaum geschlüpft, sind Felchen-Larven schon in großer Gefahr