Wöchentliche Absagen: Ein Direktor warnt vor "Schülertourismus"
Was die kurzfristigen Absagen für Schulen wirklich bedeuten
Michael Weber wundert sich: Beim Direktor der HAK Feldkirch melden sich derzeit jede Woche fünf Familien, die ihre Zusage zu einem Platz in den Zweigen Digital Business, Innovation, Recht & Wirtschaft oder Business Basics zurückziehen. "Dabei sind unsere Programme schon so spezifisch. Wer zu uns kommt, weiß, was er will", meint Weber. "Das ist regelrechter Schülertourismus!"
"Die Berufsbilder wandeln sich so schnell", erklärt er. Zum Teil hätten die Familien falsche Informationen über die Inhalte der weiterführenden Schulen. "Vielleicht sind Eltern auch nicht konsequent genug, damit Kinder das durchziehen." Oder die Auswahl der Schulformen sei zu groß.
"Schülertourismus" erschwere die Planung
Fluktuierende Schülerzahlen machten die Planung des Schuljahrs schwieriger. "Nur wenn ich die Anzahl kenne, weiß ich, ob ich Klassen in Fächern trennen oder zusammenlegen muss." Will jemand wechseln, fragt er bei der anderen Schule, ob ihr die Aufnahme Probleme bereite. Er lasse Schüler gehen, wenn sie wollen: "Ich binde niemanden mit einer Fußfessel."
An der HAK Feldkirch gebe es mehr Abmeldungen als früher. Judith Zeiner von der HTL Rankweil mit Schwerpunkt Bautechnik, Elektrotechnik und Informatik spricht von Einzelfällen, die sich kurzfristig für eine andere Schulform oder doch eine Lehre entscheiden. Angemeldete Schüler säßen "in der Regel" im September in den Klassen – wer sich für einen Zweig entscheide, wolle ihn auch machen.
Das Zeugnis zum Ende des Halbjahrs bestimmt, welche Schule infrage kommt. Danach erfolgt bis Mai die Zusage der HAK, AHS oder Polytechnischen Schule. Mit dem Jahreszeugnis im Juli beweisen Schüler, dass sie die Noten haben, um den Schulplatz anzutreten. Bis Schuljahresbeginn können sie noch abspringen, erklärt die Bildungsdirektion. Wie viele das sind, werde nicht zentral erhoben.
An der BHAK "kommt das immer mal wieder vor"
An der BHAK und BHAS Lustenau ist man entspannt. Abmeldungen kämen "immer wieder vor" und seien dem Alter geschuldet: "Alles ist schnelllebig, da werden auch Entscheidungen anders getroffen." Die BHAK spricht von "Einzelfällen" und könne Fluktuation abfedern.
(VOL.AT/Isabel Lochbühler)