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Wenn Zucker bei Kindern zum Problem wird

Was hier nach schneller Energie aussieht, hat oft genau den gegenteiligen Effekt.
Was hier nach schneller Energie aussieht, hat oft genau den gegenteiligen Effekt. ©Symbolfoto: KI
Emilia Waanders (VOL.AT) emilia.waanders@russmedia.com
Ein schneller Snack, ein Glas Saft – und alles scheint gut. Doch genau hier beginnt oft ein Kreislauf, den viele Eltern nicht erkennen.

Der häufigste Fehler im Alltag – und wann er passiert

Viele Eltern meinen es gut – und tappen genau deshalb in die Zucker-Falle: ein süßer Snack für mehr Energie, ein Saft für zwischendurch. Doch was kurzfristig hilft, kann schnell zu Unruhe, Konzentrationsproblemen und ständigem Nachschubverlangen führen. Prim. Doz. Alexander Vonbank, Leiter der Diabetes- und Stoffwechselambulanz im Landeskrankenhaus Feldkirch, erklärt, wie stark Zucker das Verhalten von Kindern beeinflusst.

Gehirn braucht Zucker – aber nicht zu viel

"Zucker, also eine Untergruppe der Kohlenhydrate, ist ein wichtiger Stoff für unseren Körper", sagt Alexander Vonbank, Leiter der Diabetes- und Stoffwechselambulanz im Krankenhaus Feldkirch. Vor allem das Gehirn sei darauf angewiesen: "Unser zentrales Nervensystem kann eben nur Glucose verbrennen."

Kohlenhydrate werden grob in drei Gruppen eingeteilt:

  • Einfachzucker (Monosaccharide): z. B. Glucose (Traubenzucker), Fructose
  • Zweifachzucker (Disaccharide): z. B. Saccharose (Haushaltszucker)
  • Mehrfachzucker (Polysaccharide): z. B. Stärke in Brot, Kartoffeln oder Nudeln

Einfach- und Zweifachzucker gehen schneller ins Blut. Mehrfachzucker werden meist langsamer verarbeitet und sättigen oft länger.

Doch genau darin liegt die Gefahr: Kinder sind besonders empfindlich. "Was heute allerdings das Problem ist, ist, dass wir zu viel an Zucker haben", so Vonbank. Die dauerhafte Überversorgung könne "zu entsprechenden Schäden führen".

Video: Experte gibt wichtige Tipps für Eltern

Zucker am Abend: Kinder werden überdreht

Der bekannte Effekt von "Zucker vor dem Schlafengehen" ist laut dem Experten kein Mythos. "Das stimmt zu einem Teil", sagt Vonbank. Zucker sei Energie – und genau diese wolle der Körper auch verbrennen.

Gerade bei Kindern könne das spürbare Folgen haben:

  • Unruhe
  • "Überdreht sein"
  • Schlafstörungen (kürzere Tiefschlafphasen und nächtliches Aufwachen)

Konzentration: Zucker wirkt – aber nur kurz

Ein Schokoriegel zur Jause kann helfen, ist aber dennoch mit Vorsicht zu genießen. "Kurzfristig ist Zucker ein Trigger", erklärt Vonbank. Er könne die Konzentration sogar steigern.

Doch Eltern sollten den Effekt nicht überschätzen:

  • kurzfristiger Energieschub
  • danach schneller Abfall
  • Müdigkeit und Leistungstief

"Ein Übermaß an Glucose führt dann genau zum Gegenteil."

Frühstück entscheidet über den Schultag

Besonders wichtig sei die erste Mahlzeit des Tages. Ein Fehler, den viele Eltern machen: zu viel schneller Zucker. "Frühstück ist wichtig, sollte allerdings nicht zu kohlenhydratlastig sein", sagt Vonbank.

Schnelle Zucker sind Kohlenhydrate, die den Blutzucker rasch ansteigen lassen. Sie stecken etwa in Süßigkeiten, Softdrinks, Fruchtsäften, Weißbrot und Traubenzucker.

Worauf Eltern achten sollten:

  • Kombination aus Kohlenhydraten und Eiweiß
  • langsame Zucker (z. B. Haferflocken)
  • keine Weißbrot- oder Zuckerbomben

Der Grund: Schnelle Zucker lassen den Blutzucker rasch ansteigen – und ebenso schnell wieder abstürzen. Die Folge ist Hunger schon nach kurzer Zeit.

Versteckter Zucker als größte Falle

Viele Eltern unterschätzen laut Vonbank vor allem eines: die tatsächliche Menge.

"Es sind ja schlussendlich nicht nur die ganz klar deklarierten Süßigkeiten", sagt Vonbank. Zucker stecke auch in:

  • Saucen
  • Fertigprodukten (hochverarbeitete Nahrungsmittel)
  • Getränken

Besonders kritisch sieht er Softdrinks: "Wir haben sehr viel Zucker in manchen Getränken."

Komplettes Verbot? Keine gute Lösung

Auch radikale Ansätze hält der Mediziner für problematisch. Einige Eltern setzen auf strikte Verbote. "Ganz auf Kohlenhydrate verzichten ist auch nicht gut."

Empfohlen wird:

  • Süßes bewusst einbauen statt verbieten
  • kein freier Zugang zu Snacks
  • Klare Zeiten für Süßigkeiten

Neben der Ernährung nennt Vonbank einen zweiten Schlüssel: Bewegung. Das helfe, überschüssige Energie abzubauen und gesundheitliche Risiken zu senken.

(VOL.AT)

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