Wie Ernst Seidl sein Lebenswerk absichert – und welche Option bleibt
Warum 2024 ein schwieriges Jahr war
Wer mit Ernst Seidl über das Firmament spricht, hört keinen Manager. Man hört einen Mann, der von seinem Lebenswerk erzählt – und der genau weiß, dass dieses Werk eines Tages über ihn hinausreichen muss.
"Das Firmament ist das persönliche Ergebnis von 30 Jahren Arbeit, 6-Tage-Woche und kein Tag Krankenstand", sagt der 55-Jährige im Gespräch mit VOL.AT. Nach einem Scooterunfall samt Schulteroperation, schildert er, sei er noch am selben Tag wieder an die Arbeit gegangen. Um 10 Uhr ging das erste E-Mail raus. Doch ein Mann, der so denkt, muss sich irgendwann die Frage stellen, die jeden Eigentümer einholt: Was kommt nach mir?
Der Plan: weg vom Catering, hin zum Haus
Seidls Antwort beginnt mit einer klaren strategischen Entscheidung. Aus dem reinen Caterer ist ein Hotelier geworden. Das Business- und Tagungshotel, eröffnet mitten in der Corona-Zeit 2022, ist heute der Mittelpunkt. Das alte Geschäft fährt er bewusst zurück: Statt bis zu 300 externen Caterings im Jahr sind es nur noch rund 100. "Aber ebenfalls rund 100 Caterings stellen wir mittlerweile schon im Firmament auf die Beine", sagt er gegenüber der WPA. In Kombination mit dem Hotel sei der Deckungsbeitrag höher.
Den Umbau, der dahintersteckt, gibt Seidl im Gespräch mit der WPA offen zu: "2024 war für uns ein schwieriges Jahr mit spürbaren Verlusten. Diese Verluste konnten wir 2025 klar reduzieren." Für 2026 ist er überzeugt: "Die Restrukturierungsmaßnahmen beginnen zu greifen." Man arbeite mit laufenden Budgetierungen und Vergleichen und wisse "genau, wo die Reise hingeht". Am Jahresende, sagt er, werde man "glücklich" sein.
Der nächste Schritt: international
Wohin die Reise geht, sieht Seidl längst nicht mehr nur in Vorarlberg. "Wir merken: Die Anfragen aus dem DACH-Raum nehmen zu, es spricht sich herum, die Zahl der Tagungs- und Seminargäste steigt." Als Beispiel nennt er das Schweizer Unternehmen Mammut, das mit 150 Personen mehrere Tage im Firmament verbringen werde.
Die Lage direkt an der Autobahn, mitten im Industriegebiet, ist für ihn der strategische Trumpf: "Wir sind im Umkreis von zwei Autostunden das einzige Tagungshotel, das große Gruppen beherbergen, technisch perfekt ausgestattete Räumlichkeiten bieten und auch kulinarisch auf Top-Niveau versorgen kann." So schließe sich ein Kreis: "Das Firmament ist Homebase von Seidl Catering." Er sieht die Stärke des Firmaments in der Kombination. Vorarlbergs Business und Industrie dürfen auch in Zukunft auf die Qualität des Olympia-Caterers zählen.
Ganz ohne fremdes Kapital läuft ein Projekt dieser Größe freilich nicht. Auf der Immobilie liegt ein Pfandrecht einer Vorarlberger Bank über mehr als 22 Millionen Euro. Investoren im eigentlichen Sinn sind das nicht – und genau das betont Seidl: "Wir sind weder investorengetrieben noch von öffentlichen Geldern abhängig, sondern setzen auf langfristige Partnerschaften und gute Gastgeberschaft." Von der Bank unabhängig macht ihn das allerdings nicht.
Die eigentliche Frage: die Nachfolge
Und damit steht die Frage im Raum, die ĂĽber allem schwebt: Wer fĂĽhrt das Firmament, wenn Seidl es einmal nicht mehr tut? Hier gibt der Unternehmer zwei Antworten, die sich nicht ganz decken.
Die eine ist optimistisch und klar: "Wir sind ein reiner Familienbetrieb, auch unsere beiden Töchter sind inzwischen eingestiegen", sagt Seidl. "Wir gehen somit gestärkt als familiengeführtes Unternehmen in die Zukunft – das zeichnet uns auch im Mitbewerb aus." Verkaufsgerüchte, die in Vorarlbergs Wirtschaftswelt immer wieder kursierten, weist er gegenüber der WPA zurück: "Ich habe das Firmament nicht verkauft und führe auch keine diesbezüglichen Gespräche."
Die andere Antwort lässt eine Tür offen. Das Gebäude bestehe mit Absicht aus drei großen Baukörpern, die sich notfalls einzeln verkaufen ließen. "Irgendwann könnte dies Teil einer Exit-Strategie sein, sofern ich keine eigenen Nachfolger habe", sagt er im WPA-Gespräch– und schiebt nach: "Das ist aber Zukunftsmusik."
Seidl beschreibt das Firmament als Familienbetrieb, in dem die nächste Generation bereits mitarbeitet. Gleichzeitig ist das Gebäude so angelegt, dass einzelne Teile bei Bedarf verkauft werden könnten. Einen konkreten Plan dafür gebe es laut Seidl derzeit nicht.
Ernst Seidl setzt auf Hotelgeschäft und Familiennachfolge
Wer?
Ernst Seidl (Jg. 1971), Unternehmer aus Mäder/Rankweil, Eigentümer der SE.Emotion-Gruppe und der Seidl Catering GmbH.
Standort
Firmament Rankweil
Hotel-, Event- und Tagungszentrum in Vorarlberg.
Strategie
Fokus auf das margenstärkere Hotel- und Tagungsgeschäft, stärkere internationale Ausrichtung sowie Ausbau des Geschäfts mit Gästen aus dem DACH-Raum.
Familie
Beide Töchter arbeiten bereits im Unternehmen mit. Das Projekt bleibt vollständig in Familienbesitz.
Wichtige Stationen
Warum die Neuausrichtung?
- Absicherung eines Lebenswerks im Wert von rund 24 Mio. Euro
- Höhere Deckungsbeiträge im Hotelbetrieb
- Steigende Nachfrage nach Tagungen und Business-Events
- Wachsende Gästezahlen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
Worauf kommt es jetzt an?
- Auslastung von Hotel und Veranstaltungsflächen
- Erfolgreicher Abschluss der Restrukturierung
- Langfristig gesicherte Nachfolgeregelung
- Stabile Finanzierung
Das Firmament befindet sich zu 100 Prozent in Familienhand, ist jedoch mit rund 22 Mio. Euro bankfinanziert. Als Sicherheitsnetz bleibt eine Exit-Option bestehen: Die einzelnen Baukörper können bei Bedarf separat verkauft werden.
(VOL.AT)