AA

Winterthur-Angreifer soll abgeschoben werden

©APA/KEYSTONE/CLAUDIO THOMA
Nach dem Terrorakt in der Schweizer Stadt Winterthur strebt die zuständige Regionalbehörde die Abschiebung des mutmaßlichen Attentäters mit türkisch-schweizerischem Doppelpass an.

Dies teilte der Sicherheitsdirektor des Kantons Zürich, Mario Fehr, am Freitag mit. Man stufe den Vorfall als Terrorakt ein, das Verfahren werde die Schweizer Bundesanwaltschaft führen. Der 31-Jährige hatte am Donnerstag drei Menschen am Bahnhof Winterthur mit einer Stichwaffe verletzt.

Polizeifahrzeug vor dem Hauptbahnhof in Winterthur. Dort hatte am 29. Mai 2026 ein Mann drei Menschen mit einer Stichwaffe verletzt. Die Zürcher Kantonspolizei gab bekannt, dass der mutmaßliche Täter – ein 31-jähriger Schweizer – festgenommen wurde und sein Motiv noch ermittelt wird. ©APA/AFP/ARND WIEGMANN

Mann fiel bereits polizeilich auf

Der Mann fiel bereits in der Vergangenheit polizeilich auf: Er wurde 2015 wegen Verstoßes gegen das IS-Verbot, das Verbot der Terrororganisation Islamischer Staat, und wegen Propaganda im Umfeld der mittlerweile geschlossenen Winterthurer An’Nur-Moschee angezeigt. Nach einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt in der Türkei kehrte er erst kürzlich wieder zurück.

Besonders brisant ist die Vorgeschichte der vergangenen Tage. Erst am Montag hatte sich der Mann verwirrt bei der Stadtpolizei gemeldet und wurde über eine fürsorgerische Unterbringung in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Nach einer zwischenzeitlichen Flucht am Dienstag und einer erneuten Rückführung durch die Polizei stufte ein Arzt ihn am Mittwoch als nicht mehr selbst- und fremdgefährdend ein. Er verließ die Klinik daraufhin am Mittwochabend selbstständig, bevor er am Donnerstagvormittag am Bahnhof Winterthur zustach.

Politiker kritisiert "Fehleinschätzung" von Medizinern

Sicherheitsdirektor Fehr sprach von einem folgenschweren "Kipp-Moment" und bezeichnete das Vorgehen der Mediziner als offensichtliche Fehleinschätzung. Angesichts der Radikalisierung fordert der parteilose Politiker nun harte politische Konsequenzen für den Täter, der 2009 in Winterthur eingebürgert worden war. "Wir wollen solche Leute nicht hier haben. Bei schweren Verbrechen und Terrorismus kann das Bürgerrecht entzogen werden", betonte der Ex-Sozialdemokrat. Der Mann solle in die Türkei abgeschoben werden, wo er laut Informationen der Behörden die letzten zwei Jahre vermutlich lebte.

Der blutige Vorfall in Winterthur reiht sich in eine Serie von mehreren jihadistisch motivierten Gewalttaten in der Schweiz ein. Fehr zog Parallelen zum März 2024, als ein radikalisierter Jugendlicher in Zürich einen orthodoxen Juden mit einem Messer lebensgefährlich verletzte. Auch damals hatte der Sicherheitsdirektor des bevölkerungsreichsten Schweizer Kantons die Forderung nach dem Entzug des Bürgerrechts für extremistische Gefährder lautstark in die politische Debatte eingebracht.

Psychologe verweist auf fehlenden Einblick in Strafakte

Der Psychologe Jérôme Endrass sagte, dass die Entlassungsentscheidung im Fall des 31-Jährigen "im Nachhinein gesehen fehlerhaft" gewesen sei. "Aber einem Psychiater liegen nicht die gleichen Informationen vor wie einem Forensiker", sagte der stellvertretende Leiter des Zürcher Amts für Justizvollzug und Wiedereingliederung gegenüber Radio SRF.

In der Regel hätten sie relativ wenig Dokumentation über die Patienten, insbesondere keinen Einblick in Strafakten oder das Vorstrafenregister. Ob dies noch zeitgemäß sei oder der Informationsaustausch besser werden müsse, sei Sache der Politik.

(APA)

  • ADMIN AT
  • Schweiz
  • Winterthur-Angreifer soll abgeschoben werden