„Wir können es nur gemeinsam schaffen“

Bürgermeister Karl Wutschitz im Interview über den Umgang mit Krisen.

Seit 2005 an der Spitze der Gemeinde Sulz hat Bürgermeister Karl Wutschitz schon einfachere Zeiten erlebt. Dennoch stehen in Sulz immer noch alle Zeichen auf Konsens.

Bürgermeister in Krisenzeiten – wie geht es Ihnen damit?

Wutschitz: Aktuell kommen wir von einer Krise in die andere. Da aber die Krisen von Menschen gemacht sind, ist meine Hoffnung, dass die, die sie verursachen, sie auch bewältigen können. Was mich sehr beschäftigt, ist die Frage, was Corona aus unserer Gesellschaft gemacht hat. Ich denke, sie hat sich zu ihren Ungunsten verändert. Das Ehrenamt zum Beispiel hat Schaden genommen – Vereinsaktivitäten sind nach wie vor rückläufig. Hier sind wir als Gemeinde gefordert, Wege zu finden, wie die Motivation gefördert werden kann.

Allgemein spürt man, dass der Ton rauer geworden ist. Mich stört massiv, welche Verrohung der Sprache in der sogenannten hohen Politik stattfindet und welche Umgangsformen dort gepflegt werden. Ich denke, das färbt auf unser tägliches Leben ab. Das spüren wir auch im Bürgerservice. Es braucht dringend eine Trendwende und mehr Wertschätzung im Umgang miteinander, denn, wenn wir aus den vielen Krisen herauskommen wollen, dann können wir es nur gemeinsam schaffen.

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?

Wutschitz: Meine größte Sorge ist, wie wir in Zukunft mit den nicht vorhandenen Ressourcen umgehen sollen. Es fehlt uns an Personal sowohl in der Kinderbetreuung als auch in der Altenpflege. Im Vorderlandhus stehen 55 Betten zur Verfügung, 15 davon sind nicht belegt, weil das Personal fehlt. Gleichzeitig werden die Aufgaben für die Gemeinden immer zahlreicher und herausfordernder. Wir haben nur noch Zeit zu verwalten und nicht zu gestalten.

Wie kann diesem Problem entgegen gewirkt werden?

Wutschitz: Ein Lösungsansatz liegt für mich im Kooperieren. Wir haben viele Kooperation in der Regio Vorderland-Feldkirch, wie die gemeinsame Baurecht- und die gemeinsame Finanzverwaltung. Aktuell arbeiten wir am Aufbau eines regionalen Bauamts. Gemeindezusammenlegungen hingegen machen aus meiner Sicht wenig Sinn, wenn, dann müsste man auf einer größeren Ebene denken. Für mich ist es sinnvoller, an bestehenden und zukünftigen Kooperationen zu arbeiten, statt über Gemeindezusammenlegungen zu diskutieren.

Wie wird die aktuelle Teuerung die Arbeit der Gemeinde Sulz beeinflussen?

Wutschitz: Die Teuerung bedeutet eine große Belastungsprobe für die Gemeinde. Nach den zwei Großinvestitionen in den Kindercampus und die Sanierung der Mittelschule müssen wir jetzt sowieso ein bisschen piano tun. Ich hoffe, dass wir auch weiterhin Unterstützung durch Land und Bund bekommen. Dennoch werden wir uns zukünftige Investitionen genauer anschauen müssen, nicht ohne die Daseinsvorsorge abzusichern. Notwendige Sanierungsmaßnahmen werden natürlich durchgeführt. So wird auch die bereits begonnene Sanierung der Wasserversorgung sukzessive fortgeführt – heuer im Sommer konnte ein weiterer Abschnitt abgeschlossen werden.

Alles in allem werden wir in manchen Bereichen zurückschrauben müssen – die Zeiten, als es immer nur aufwärts ging sind leider vorbei. Ich denke, jeder sollte bei seinen eigenen Ansprüchen anfangen. Wichtig ist mir dabei, dass wir die nicht vergessen, die sich wirklich das tägliche Leben kaum noch leisten können. Sie sollen das Gefühl haben, dass sie mit ihren Nöten nicht allein sind.

Ist auch bei Ihnen in der Gemeindevertretung der Ton rauer geworden?

Wutschitz: Nein, wir pflegen nach wir vor ein sehr wertschätzendes Miteinander und ziehen alle an einem Strang. Ohne gemeinsame Entscheidungen und Lösungsansätze hätte vieles in der Gemeinde Sulz nicht realisiert werden können. Deshalb finde ich es vielleicht umso verstörender wie unsere politischen Verantwortlichen miteinander umgehen. Hier in Sulz habe ich ein tolles Team sowohl in der Verwaltung, in den verschiedenen Abteilungen als auch bei den politischen Vertretern. Das gibt mir Kraft, meiner Aufgabe nach wie vor mit Freude nachzukommen.

Mit welchen Themen wird man sich in Sulz in den kommenden Monaten vorrangig beschäftigen?

Wutschitz: Neben den bereits erwähnten Projekten, sollten wir uns überlegen, wie wir als Gemeinde aufgestellt sind, um auf Krisen zu reagieren. Wie gut sind wir beispielsweise auf einen Blackout vorbereitet? Sind Wasser- und Energieversorgung gesichert?

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