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Wo sind die Toten? Kaum asiatische Gräber in Vorarlberg – selbst Bestatter wundern sich!

Bestatter über ein merkwürdiges Phänomen.
Bestatter über ein merkwürdiges Phänomen. ©Hartinger/Canva
Emilia Waanders (VOL.AT) emilia.waanders@russmedia.com
Warum in Vorarlberg kaum asiatische Bestattungen stattfinden – und was das über Zugehörigkeit, Migration und den Tod fern der Heimat erzählt.

Was man im Krematorium in Hohenems dazu sagt

In fast jedem größeren Ort Vorarlbergs gibt es heute ein asiatisches Restaurant. Doch auf den Friedhöfen des Landes sucht man asiatische Namen vergeblich. Im Krematorium Hohenems sind asiatische Einäscherungen ebenfalls eine Seltenheit. Bestatter sprechen von einem Phänomen, das sie seit Jahrzehnten beschäftigt – und das mehr über Integration, Religion und den Tod verrät, als Statistiken je zeigen könnten.

"Dieses Thema gibt es schon seit 40 Jahren"

Patrick Nuck von Nuck Bestattung kennt die Frage seit Jahrzehnten. "Das Thema gibt es schon seit 40 Jahren", sagt er. "In all den Jahren hatten wir vielleicht ein oder zwei asiatische Bestattungen – und das ist extrem wenig, wenn man bedenkt, wie viele Asiaten hier leben."

Patrick Nuck kennt das Thema bereits seit geraumer Zeit. ©vmh

Auch sein Vater, seit mehr als 55 Jahren im Beruf, erinnert sich nur an eine einzige asiatische Einäscherung – "und die Person war damals mit falschen Papieren unterwegs".

Nuck hält die gängige Erklärung – dass viele im Alter oder bei Krankheit in ihre Heimat zurückkehren – für unzureichend. "Es gibt ja auch Unfälle oder plötzliche Todesfälle. Ich glaube nicht, dass alle Asiaten wissen, wann sie sterben, und rechtzeitig heimfliegen."

Asiatische Bestattungen: "Kann man an einer Hand abzählen"

Ähnlich beschreibt es Alexander Rapaic von der Bestattung Reumiller in Hard. "Ich bin seit 1999 im Beruf – asiatische Bestattungen kann man an einer Hand abzählen." Einige Urnen seien zwar nach der Einäscherung mitgenommen worden, doch selbst das bleibe selten. "Für die Zahl der hier lebenden Asiaten ist das auffallend wenig", meint Rapaic.

Alexander Rapaic ist seit 26 Jahren als Bestatter tätig. ©Paulitsch

50 Jahre im Geschäft – eine einzige asiatische Bestattung

Auch bei Bestattung Feistenauer in Dornbirn sorgt das Thema für Stirnrunzeln. Die Inhaberin, die seit einem halben Jahrhundert in der Branche tätig ist, hatte bislang nur eine einzige asiatische Bestattung.

Sie vermutet, dass viele Verstorbene zurück ins Heimatland überführt werden. "Natürlich müssten die ordnungsgemäß eingesargt und abgemeldet werden – mit Leichenpass und allem Drum und Dran. Man kann sich ja nicht einfach ins Flugzeug setzen und abfliegen." Trotzdem "weiß kein Mensch", warum man so gut wie nie eine asiatische Bestattung anmeldet.

"Auffallend, dass es so wenig Sterbefälle gibt"

Ähnlich klingt es bei Patrick Kronig vom Bestattungsinstitut Petschenig: "Dass es bei uns kaum asiatische Gräber gibt, stimmt. Wir haben nur sehr selten buddhistische Beisetzungen – das ist wirklich auffallend."

Kronig ist seit zwölf Jahren im Unternehmen und hat bisher "drei buddhistische Bestattungen" erlebt. "Wir gehen stark davon aus, dass viele Überführungen ins Heimatland stattfinden – so wie bei muslimischen Familien auch", sagt er.

"Wir reden im Team oft darüber", sagt Kronig. "Es ist auffallend, dass es so wenige Sterbefälle gibt. Vielleicht leben sie einfach sehr lange – oder es ist eine kulturelle Frage. Aber: Es ist schon ein bisschen komisch."

Ein kulturelles Muster

Tatsächlich zeigt sich, dass Bestattungsgewohnheiten eng mit kultureller Identität und familiären Bindungen verbunden sind. "Viele Asiaten der ersten Generation wollen im Tod dorthin zurück, wo ihre Geschichte begonnen hat", sagt ein chinesischer Staatsbürger, der seit vielen Jahren in Vorarlberg lebt. "In China oder Vietnam haben viele schon vor Jahren Gräber gekauft. Ich kenne einige, die jetzt 55 oder 60 sind und ihr Grab in China längst vorbereitet haben."

Für ihn ist das kein Widerspruch, sondern Ausdruck kultureller Kontinuität. "Wir leben hier – aber unsere Eltern und Großeltern sterben dort. Wenn unsere Generation alt wird, wird sich das ändern. Wir Kinder sind hier aufgewachsen. Wir werden bleiben."

"Der Körper ist nicht mehr die Person"

Das buddhistische Kloster Letzehof in Frastanz. ©Monika Bischof

Im buddhistischen Kloster Letzehof in Frastanz sieht man das ähnlich. "Nach dem Tod versucht man, den Körper drei Tage unberührt zu lassen. Nachdem der Geist den Körper verlassen hat, ist der Leichnam nicht mehr die Person und nur noch Materie. Dann wird der Körper meist eingeäschert", erklärt Mönch Helmut Gassner. Viele Familien, sagt er, nehmen die Asche mit und verstreuen sie in der Heimat. "Früher ging das oft über die Schweiz, weil dort die Gesetze lockerer waren."

Buddhist Helmut Gassner. ©Monika Bischof

Dass es in Vorarlberg kaum asiatische Gräber gibt, wundert ihn daher nicht. "Die Verbundenheit zur Herkunft bleibt bestehen – auch über den Tod hinaus."

Wo werden die Leichen verbrannt?

Das Krematorium in Hohenems. ©E&U Krematorium

Wo einige der Leichname aber verbrannt werden sollen, bleibt dennoch ein Rätsel. Auch im Krematorium Hohenems bestätigt man nämlich den Eindruck: "Es ist nicht so, dass es überhaupt keine asiatischen Einäscherungen gibt. Aber die sind wirklich sehr selten."

Ein Blick nach Altach

Ein ähnliches Muster zeigt sich auch beim Islamischen Friedhof in Altach. Dort stehen 728 Gräber zur Verfügung – doch bis ins Jahr 2022 wurden nur 115 belegt, darunter 39 Kindergräber. Der Friedhof, 2012 eröffnet und von der Gemeinde betrieben, ist die einzige islamische Begräbnisstätte Westösterreichs.

Bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen im Juni 2022 hob Landesrat Christian Gantner die Bedeutung dieser Anlage hervor: "Viele dieser Menschen, die hier alt geworden sind, wollen in ihrer neuen Heimat nach den Regeln ihrer Religion bestattet werden. In Altach haben sie dafür ihre besondere Begräbnisstätte erhalten."

Yasar Capar, Obmann des "Düzceliler Bestattungshilfevereins", beschrieb damals das Spannungsfeld zwischen alter und neuer Heimat eindrücklich: "Unsere Väter wollen in der Türkei begraben werden", sagt er. Der Verein wurde 1983 gegründet, um Überführungen in die Türkei zu finanzieren.

Für Capar persönlich aber hat der islamische Friedhof in Altach einen besonderen Wert: "Wenn es mir schlecht geht und ich Sehnsucht nach meinen Eltern habe, könnte ich das Grab in Altach besuchen." Beerdigungen könnten dort so abgehalten werden, wie es die religiösen Regeln verlangen. "Der spirituelle Wert ist unschätzbar", sagt Capar.

Die Zahlen und Stimmen zeigen: Bestattung ist mehr als Verwaltung des Todes – sie ist Ausdruck kultureller Zugehörigkeit. Die erste Generation kehrt im Tod oft zurück, die zweite sucht langsam ihren Platz in der neuen Heimat.

Zwischen zwei Welten

Der Tod spiegelt die Migration – und die Migration den Tod. In der Fremde alt zu werden, heißt oft, zwei Heimaten zu haben: eine im Leben und eine im Tod. Vielleicht wird man in künftigen Jahrzehnten mehr asiatische Gräber in Vorarlberg finden. Vielleicht erzählen sie dann von jener Generation, die geblieben ist.

(VOL.AT)

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