Wohnbau-Krise belastet auch die Wilhelm+Mayer Gruppe
Mit einer neuen Serie blicken wir hinter die Zahlen der heimischen Wirtschaft. Regelmäßig analysieren wir veröffentlichte Jahresabschlüsse von Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Heute in Teil 20: die Wilhelm+Mayer Gruppe.
Die in Götzis ansässige Wilhelm Beteiligungs GmbH fungiert als Dachgesellschaft des Wilhelm+Mayer-Konzerns. Die Unternehmensgruppe mit 326 Mitarbeitern deckt in Vorarlberg vom klassischen Baugeschäft mit Hoch- und Tiefbau bis zur Immobilienentwicklung die gesamte Wertschöpfungskette ab. Der jüngst veröffentlichte Jahresabschluss – jener für das Geschäftsjahr 2024 – weist einen Fehlbetrag aus.
Die nackten Umsatzerlöse stiegen 2024 zwar auf fast 77 Millionen Euro an (Vorjahr: 59,5 Mio. Euro). In der Baubranche sind solche Sprünge jedoch oft durch verzögerte Abrechnungen von Bau-Arbeitsgemeinschaften bedingt und wenig aussagekräftig. Der ehrlichere Gradmesser für die tatsächliche Arbeit ist die Betriebsleistung (Umsatz inklusive Bestandsveränderungen). Und diese zeigte im Konzern zuletzt nach unten: Von 79 Millionen Euro im Jahr 2022 sank sie auf rund 70 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024.
Größe & Struktur
Umsatz- und Bilanzentwicklung
Mitarbeiterentwicklung
Ertrag unter Druck
Parallel dazu ging die Ertragskraft der Gruppe spürbar zurück. Während der Konzern 2021 noch 4,5 Millionen Euro Jahresüberschuss auswies und 2022 immerhin 4,3 Millionen, halbierte sich der Gewinn 2023 auf 2,3 Millionen Euro. 2024 drehte das Ergebnis knapp ins Negative: Der Konzern schloss mit einem Jahresfehlbetrag von rund 155.000 Euro. Die Ursache liegt im Marktumfeld: Besonders im Wohnbau hatten hohe Zinsen, erschwerte Kreditvergaben und hohe Baukosten die Nachfrage merklich gedämpft.
Ergebnis & Rentabilität
Gewinnentwicklung
Rentabilitätskennzahlen
Einem Betriebserfolg von 1,71 Millionen Euro steht ein Zinsaufwand von 2,62 Millionen Euro gegenüber. Die Zinslast hat sich seit 2022, als sie noch rund 775.000 Euro betrug, mehr als verdreifacht und liegt damit erstmals über dem operativen Ergebnis.
Bauträgergeschäft schwächelt
Hintergrund ist das kapitalintensive Bauträgergeschäft. Die Vorräte der Gruppe lagen Ende 2024 bei 54 Millionen Euro, dahinter stehen überwiegend unfertige Immobilienprojekte im Wert von 42 Millionen Euro sowie noch nicht abrechenbare Leistungen von 7 Millionen Euro. Es ist Kapital, das erst bei Fertigstellung zu Liquidität wird, während die Finanzierungskosten laufend anfallen. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten stiegen auf 57,5 Millionen Euro. Dem steht eine solide Eigenkapitalquote von rund 32 Prozent gegenüber.
Dass das Unternehmen im Kern gesund ist, zeigt der operative Geldfluss. In den Boomjahren bis 2021 flossen dem Konzern aus dem Tagesgeschäft jährlich bis zu 6,4 Millionen Euro zu. 2022 kippte das Bild: Der operative Cashflow stürzte auf minus 6,5 Millionen Euro, weil der Konzern im Hochpreisumfeld massiv Grundstücke und Bauprojekte aufgebaut hatte, die sich dann nicht mehr rasch verkaufen ließen. Der fehlende Liquiditätsausgleich musste über Bankkredite finanziert werden. Seither hat das Management gegengesteuert und erwirtschaftete 2023 und 2024 jeweils wieder rund 3,4 Millionen Euro positiven Cashflow aus dem Tagesgeschäft.
Bilanzstruktur
Eigenkapitalquote
Zwei Ebenen, zwei Bilder
Ein Blick auf diese Einzelabschlüsse zeigt, wie unterschiedlich sich die Sparten entwickeln: Die Wilhelm+Mayer Bau GmbH, das handwerkliche Kernunternehmen der Gruppe, schloss das Jahr für sich allein betrachtet mit einem soliden Jahresüberschuss von 1,53 Millionen Euro ab. Auf Konzernebene, also wenn alle Tochtergesellschaften zusammengerechnet werden, schlägt sich hingegen die schwächere Entwicklung der Bauträger- und Wohnbaugesellschaften nieder und drückt das Gesamtergebnis ins Minus.
Zu den aktuellen Ergebnissen wollte sich die Geschäftsleitung auf Anfrage nicht äußern. Im zuletzt veröffentlichten Lagebericht gab sich der Konzern vorsichtig optimistisch: Industrie- und Gewerbeaufträge sowie größere ARGE-Projekte sollten den schwächelnden Wohnbau kompensieren.
Kennzahlen – kurz & verständlich
Umsatz (Umsatzerlöse)
Entgelte aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit innerhalb des Geschäftsjahres gemäß UGB (netto, ohne USt).
Bilanzsumme
Summe der Aktiva (entspricht Summe der Passiva) am Bilanzstichtag – misst die Unternehmensgröße.
Eigenkapital
Reinvermögen der Eigentümer am Stichtag (gezeichnetes Kapital, Kapitalrücklagen, Gewinnrücklagen, Gewinnvortrag, Jahresergebnis).
Mitarbeitende
Durchschnittliche Kopfzahl bzw. am Stichtag beschäftigte Personen (je nach Quellenlage).
Operativer Gewinn (EBIT)
Ergebnis aus dem Kerngeschäft vor Zinsen und Steuern (UGB-GuV: Betriebsergebnis).
Jahresüberschuss
Ergebnis nach Steuern der Periode (vor Gewinnverwendung/Ausschüttung).
Cashflow
Zahlungsmittelüberschuss der Periode; üblicherweise der operative Cashflow aus der Kapitalflussrechnung.
Operative Gewinnmarge
Anteil des operativen Gewinns am Umsatz (EBIT-Marge).
Marge = EBIT ÷ Umsatzerlöse × 100 %Eigenkapitalrendite (ROE)
Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals im Jahresverlauf (gebräuchliche Standarddefinition).
EK-Rendite = Jahresüberschuss ÷ durchschnittliches Eigenkapital × 100 %Eigenkapitalquote
Finanzierungsstruktur: Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme.
EK-Quote = Eigenkapital ÷ Bilanzsumme × 100 %Nettoverschuldungsgrad
Der Nettoverschuldungsgrad gibt an, in welchem Verhältnis die Nettoverschuldung zum Eigenkapital des Unternehmens steht
Nettoverschuldungsgrad = (Nettoverschuldung×100) ÷ Eigenkapital inkl. Investitionszuschüsse(VN/VOL.AT)