„Wünsche mir eine geordnete Übergabe!“

Bürgermeister Philibert Ellensohn möchte sein Amt noch heuer übergeben.

Seit 17 Jahren ist Philibert Ellensohn Bürgermeister der Berggemeinde Viktorsberg. Sobald die Nachfolge geregelt ist, möchte er zurücktreten.

Ihr Plan war, das Bürgermeisteramt im Frühjahr 2022 in jüngere Hände zu übergeben. Hat sich noch keine Nachfolgelösung ergeben?

Ellensohn: Einer der Hauptgründe , wieso ich immer noch auf dem Bürgermeistersstuhl sitze, ist, dass ich das Projekt Riedlequelle noch abschließen möchte. Damit hätten wir in Zukunft eine zweite gefasste Quelle in Viktorsberg und die Eigenversorgung mit Trinkwasser wäre gesichert. Bis jetzt haben wir nur eine Quelle und werden von der Gemeinde Sulz mitversorgt. Auf einem Bein steht man aber nicht gut, außerdem ist der Ertrag aus unserer Quelle wegen Trockenheit um 50 Prozent zurückgegangen. Die Riedlequelle ist im Besitz der Agrargemeinschaft Klaus, wir haben schon alles Vertragliche geregelt und stehen kurz vor der Einreichung.

Aber es stimmt, mein Ziel wäre es gewesen, im Frühjahr 2022 aufzuhören. Mein Versprechen, zwei Jahre im Amt zu bleiben, um die neue Gemeindesekretärin einzuarbeiten habe ich eingelöst. Was einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin angeht, ist die Situation noch nicht geklärt. Ich weiß, dass es Gespräche gibt, mehr kann ich aktuell dazu nicht sagen. Ich bin allerdings alles andere als glücklich mit der Situation. Mein Wunsch wäre es gewesen, den zukünftigen Bürgermeister oder die zukünftige Bürgermeisterin einzuarbeiten und das Amt geordnet zu übergeben. Dennoch gehe ich davon aus, dass die Übergabe noch heuer im Herbst stattfinden wird.

Das Thema REP hätten Sie ja auch gern ihrem/ihrer Nachfolger/Nachfolgerin übergeben – wie weit ist man hier in Viktorsberg?

Ellensohn: Auch hier hat sich mein Wunsch nicht erfüllt. Aber wir sind dran und werden dabei vom Büro „stadtland“ unterstützt. Bis jetzt haben wir eine SWOT-Analyse gemacht und alle Gemeindevertreter haben sich eingebracht. Zu unseren Stärken gehören die Lage, der große Zuzug und die intakte Infrastruktur mit Nahversorgung, aktivem Vereinsleben, Kindergarten und Volksschule. Unsere Schwächen liegen z. B. bei der nicht vorhandenen Baulandreserve der Gemeinde, den geringen Kommunalsteuern, der eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeit durch die Topographie und den fehlenden Parkplätzen. Sehr wichtig wird es auch in Zukunft sein, den Kindergarten und die Schule im Dorf zu haben, sonst stirbt das Dorf.

Wie ist der Stand der Dinge bei der geplanten Wohnanlage – ist hier der Baustart planmäßig erfolgt?

Ellensohn: Ja, am 4. Mai 2022 war Spatenstich. Es ist eine gemischte Wohnanlage mit insgesamt 12 Einheiten von 53 m² bis 88 m². Vier der Wohnungen bekommt die Gemeinde Viktorsberg als gemeinnützige Wohnungen – zwei über die Wohnbauselbsthilfe und zwei bekommen wir zu den gleichen Bedingungen von Wilhelm + Mayer. So wie es derzeit ausschaut, wird der Rohbau wohl noch vor dem Winter fertig. Ein Einzug wird frühestens Ende 2023 stattfinden.

Wie ist allgemein in diesen herausfordernden Zeiten die Stimmung in Viktorsberg?

Ellensohn: Covid ist aktuell bei uns kaum noch spürbar. Das Dorfleben hat wieder Fahrt aufgenommen, die Vereine sind aktiv und es finden Veranstaltungen statt. Gerade hat der Musikverein seinen traditionellen Frühschoppen abgehalten. Die Menschen freuen sich, dass sie wieder zusammenkommen können. Die Teuerung hingegen wird uns alle treffen – das größte Problem sehe ich in der Wohnraumbeschaffung für junge Leute. Die aktuellen Boden- und Baupreise sind ein Wahnsinn.

Welche Themen stehen aktuell auf der Tagesordnung der Gemeindeverantwortlichen?

Ellensohn: Über die Themen Quellfassung und REP haben wir ja schon gesprochen. Noch heuer im Herbst werden wir die Stromerschließung für die Alpe Almein umsetzen. Das Straßenbauprojekt und der Umlegeplan sind bereits abgeschlossen. Dann sollten wir uns mit der Übergabe des Bürgermeisteramts beschäftigen. Ich hoffe, dass diesbezüglich demnächst klärende Gespräche in der Gemeindevertretung stattfinden. Anderenfalls nimmt alles seinen gesetzlichen Lauf und der Vizebürgermeister muss übernehmen. Aus heutiger Sicht kann ich mir nicht vorstellen, die Periode noch fertigzumachen. Das ist meiner Meinung nach auch nicht Sinn und Zweck – ich muss ja nicht der längstdienende Bürgermeister Österreichs werden.

In welchen Bereichen setzen Sie auf regionale Kooperationen?

Ellensohn: Die Gemeinde Viktorsberg ist bei allen Kooperation der Regio Vorderland-Feldkirch dabei – bei der Finanzverwaltung, dem Baurecht, KLAR!, KEM,… Ich sehe das auch als sehr sinnvoll an. Zwischen den Bürgermeistern gibt es eine große Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Beim geplanten gemeinsamen Bauamt hat die Gemeinde Viktorsberg beschlössen, mittelfristig dabei zu sein.

Was wünschen Sie sich für Ihre Gemeinde?

Ellensohn: Einen neuen Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin. Ich wünsche mir, dass jemand mein Amt übernimmt, der oder die eine gewisse Erfahrung in der Gemeindepolitik hat. Ich war auch zehn Jahre in der Gemeindevertretung, bevor ich Bürgermeister wurde. Gerne würde ich die Person noch einarbeiten, so dass für die Bürger in Viktorsberg keine Nachteile spürbar werden.

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