AA

Zürcher Freimaurerzentrum in Flammen – Zuvor wurde eingebrochen

Großbrand in Zürcher Freimaurerloge: Ermittlungen nach Einbruch.
Großbrand in Zürcher Freimaurerloge: Ermittlungen nach Einbruch. ©berufsfeuerwehr.ch, Screenshot Google Maps
In der Nacht auf Montag ist im Freimaurerzentrum in der Zürcher Altstadt ein verheerender Brand ausgebrochen. Die Polizei ermittelt – auch wegen eines möglichen Einbruchs.

Gegen ein Uhr früh hörte eine Anwohnerin unterhalb des Freimaurerzentrums ein verdächtiges Klirren. Als sie aus dem Fenster blickte, spiegelte sich bereits der brennende Erker des gegenüberliegenden Gebäudes in den Scheiben, wie die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) am Montag berichtet hat. Die Feuerwehr rückte rasch an, evakuierte angrenzende Gebäude und verhinderte nach eigenen Angaben "in letzter Minute", dass sich das Feuer weiter ausbreitete.

Verletzt wurde niemand. Zehn bis fünfzehn Personen mussten in Sicherheit gebracht werden, einige konnten im Laufe des Morgens bereits in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Rettung war vor Ort, primär zur Unterstützung der Einsatzkräfte und zur Betreuung der evakuierten Anwohnerinnen und Anwohner.

Schwierige Bedingungen in der Altstadt

Der Einsatz wird zusätzlich durch die Lage des Gebäudes erschwert: Das Freimaurerzentrum befindet sich im historischen Kern der Zürcher Altstadt, mit beschränktem Zugang. Mehrere Tanklöschfahrzeuge, Drehleitern und Zivilschutzeinheiten waren im Einsatz. Auch eine Drohne lieferte Luftbilder zur besseren Koordination.

Einbruch vor dem Brand?

Die Zürcher Stadtpolizei bestätigte am Nachmittag einen Einbruch in ein Nebengebäude der Loge. Ob dieser mit dem Brand in Zusammenhang steht, sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Derzeit könne ein Delikt nicht ausgeschlossen werden.

Mitglieder der betroffenen Loge "Modestia cum Libertate" – die älteste und größte der Zürcher Freimaurerlogen – berichten gegenüber der NZZ, dass Vitrinen eingeschlagen und wertvolle Gegenstände, etwa kunstvolle Gehstöcke, gestohlen worden seien.

Zwei Tage zuvor hatte das rechte Medienformat "Weltwoche" ein Video über die Freimaurerloge veröffentlicht. In den Kommentaren auf YouTube fanden sich zahlreiche verschwörungstheoretische Inhalte. Ein Zusammenhang mit dem Brand ist bislang nicht erwiesen – doch der zeitliche Zusammenhang sorgt für Unruhe.

Eine traditionsreiche Loge

Die Loge "Modestia cum Libertate" wurde 1771 gegründet und feierte 2021 ihr 250-jähriges Bestehen. Sie gilt als bedeutende soziale Institution in Zürich, hat unter anderem das Zürcher Brockenhaus und das Altersheim Perla Park mitbegründet. Über die Mitglieder ist kaum etwas bekannt – die Freimaurer legen traditionell Wert auf Diskretion. Ihre Treffen, bei denen etwa über Religion, Philosophie und Ethik gesprochen wird, finden regelmäßig statt. Laut dem öffentlich einsehbaren Kalender fand das letzte Treffen am Dienstagabend statt – nur knapp 24 Stunden vor dem Brand.

Männerbund mit langer Geschichte

Die Zürcher Loge zählt rund 125 Mitglieder – ausschließlich Männer. Jeden Dienstag treffen sie sich, um zu diskutieren, sich auszutauschen, einander zuzuhören. Ärzte, Handwerker, Juristen, Akademiker – darunter auch Logenpräsident Raoul Würgler selbst, Geschäftsführer des Verbands der Auslandsbanken. Ihre Maxime: "Servir et disparaître" – dienen und verschwinden.

Dieses stille Wirken hat Tradition. Schon der erste Bundespräsident der Schweiz, Jonas Furrer, war Freimaurer – Mitglied der Winterthurer Loge Akazia. Der Jurist orientierte sich beim Aufbau des Schweizer Bundesstaates an der US-Verfassung, die maßgeblich von Freimaurern wie George Washington oder Benjamin Franklin mitgestaltet wurde.

Geheimbund oder gemeinnützige Gemeinschaft?

Die Mischung aus Diskretion, prominenten Mitgliedern und internationaler Vernetzung liefert seit jeher Stoff für Spekulationen. Von der Kontrolle über das Finanzsystem bis zur Unterwanderung staatlicher Institutionen: Freimaurer gelten in Verschwörungsnarrativen als weltumspannende Schattenmacht. Ihr Symbol – das Auge in der Pyramide – wurde zum Sinnbild solcher Theorien.

Würgler kennt diese Vorwürfe. Er widerspricht ihnen entschieden. "Wir haben nichts zu verstecken", zitiert ihn die NZZ. "Im Gegenteil – wir fühlen uns mit der Stadt Zürich tief verbunden." So habe die Loge in ihrer 250-jährigen Geschichte soziale Einrichtungen wie das Zürcher Brockenhaus oder das Altersheim Perla Park initiiert. Jährlich würden fünf- bis sechsstellige Beträge für den guten Zweck gespendet.

(VOL.AT)

  • ADMIN AT
  • Schweiz
  • Zürcher Freimaurerzentrum in Flammen – Zuvor wurde eingebrochen