AA

Zwischen Kondom und Vertrauen: So liebt die Generation Z

Aufklärung statt Risiko: So schützt sich die Jugend heute.
Aufklärung statt Risiko: So schützt sich die Jugend heute. ©CANVA
Eine neue Studie zeigt: Jugendliche haben später Sex, verhüten zuverlässig und setzen auf Aufklärung in Schule und Familie.

Junge Menschen in Deutschland lassen sich beim Thema Sexualität mehr Zeit und gehen gleichzeitig sehr überlegt mit Verhütung um. Das zeigt die neue Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit (BIÖG), das früher als Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bekannt war. Für die Erhebung wurden zwischen Februar und Juli 2025 insgesamt 5855 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 25 Jahren befragt.

Ein späteres "erstes Mal" – bewusste Entscheidungen

Während Jugendliche 2019 im Schnitt mit 17 Jahren ihr erstes Mal hatten, liegt dieses Alter heute bei 19. Auch der erste Kuss findet später statt als früher. Die Verschiebung sei kein Zufall, sondern das Ergebnis fundierter Aufklärung, heißt es seitens des BIÖG. Nur sechs Prozent der Befragten gaben an, beim ersten Geschlechtsverkehr nicht verhütet zu haben. Die überwiegende Mehrheit griff zum Kondom, viele kombinieren dieses mit anderen Methoden wie der Pille.

In den folgenden Fragen geht es ausschließlich um heterosexuelle Kontakte. Es gibt verschiedene
Arten des Austauschs von Zärtlichkeiten zwischen Mann und Frau. Bitte markieren Sie alles, was
Sie hiervon selbst schon einmal gemacht oder erlebt haben.
In Grafik ausgewertet: "Küssen"
Basis: 14- bis 25-Jährige
©Screenshot: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit

"Jugendliche warten heute auf den richtigen Moment, sprechen offen über Verhütung und schützen sich zuverlässig", sagt Mechthild Paul, stellvertretende BIÖG-Leiterin und zuständig für Sexualaufklärung und Familienplanung. "Diese Entwicklung ist das Ergebnis jahrelanger, qualitätsgesicherter Aufklärungsarbeit – in Schulen, Familien, Praxen und durch digitale Angebote."

Sex meist in fester Beziehung – Verhütung ist selbstverständlich

Die Studie zeigt auch: Der erste Sex findet in der Regel in einer festen Beziehung statt. 65 Prozent der jungen Frauen und 53 Prozent der jungen Männer gaben an, ihr erstes Mal mit einem festen Partner oder einer festen Partnerin erlebt zu haben. Für die meisten fühlte sich der Zeitpunkt richtig an – genau wie 2019 gaben 65 Prozent an, dass der erste Sex "gerade richtig" war.

Erste Erfahrungen verzögern sich – Kuss, Sex, Intimität

Nicht nur der erste Sex, auch das Küssen beginnt später: 2019 hatten noch 53 Prozent der 14-Jährigen bereits jemanden geküsst – 2025 sind es nur noch 33 Prozent. Bei den 17-Jährigen zeigt sich ein ähnlicher Trend: 61 Prozent waren es 2019, heute nur noch 40 Prozent. Als Gründe nennen viele Jugendliche fehlende Gelegenheiten, Schüchternheit oder das Gefühl, noch zu jung zu sein.

Aufklärung über Schule, Eltern – das Internet verliert leicht an Einfluss

Die Schule bleibt mit 78 Prozent die wichtigste Quelle der Sexualaufklärung. Eltern holen mit 64 Prozent auf, Lehrpersonen gewinnen an Bedeutung (45 %). Gleichaltrige als Informationsquelle verlieren hingegen (2025: 54 %, 2019: 65 %). Auch das Internet verliert leicht an Relevanz: 53 Prozent nutzen es noch zur Informationssuche, vor allem über klassische Suchmaschinen. Aufklärungsseiten genießen das höchste Vertrauen (85 %), soziale Medien schneiden deutlich schlechter ab – ebenso wie KI-generierte Inhalte, denen nur knapp die Hälfte der Jugendlichen Vertrauen schenkt.

Hinweis – Langzeitstudie mit breiter Datenbasis: Die Jugendsexualitätsstudie ist eine der bedeutendsten wiederkehrenden Erhebungen in Deutschland zu Sexualverhalten und Aufklärung. Seit 1980 liefert sie datenbasierte Einblicke in die Lebenswelten junger Menschen. Die aktuelle, zehnte Befragungswelle ist repräsentativ für Deutschland und umfasst auch Fragen zu sexueller Orientierung, Partnerschaft, Beratungserfahrungen sowie künftige vertiefende Themen wie sexualisierte Gewalt oder soziokulturelle Einflüsse.

(VOL.AT)

  • ADMIN AT
  • Deutschland
  • Zwischen Kondom und Vertrauen: So liebt die Generation Z