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Zwischen Tradition und Wandel: Wie die Vorarlberg Lines Kurs auf die Zukunft nehmen

Die Vorarlberg Lines sind seit April wieder mit ihrer gesamten Flotte auf dem Bodensee unterwegs. Trotz steigender Treibstoff- und Wartungskosten verzichtet das Unternehmen auf Preiserhöhungen. Gleichzeitig setzt die Schifffahrt auf Nachwuchs, Digitalisierung und neue Angebote, um auch künftig erfolgreich zu bleiben. Hohe Kosten belasten die Schifffahrt Wenn die sechs Schiffe der Vorarlberg Lines ihre Signalhörner erklingen lassen, beginnt für viele Vorarlberger die Bodenseesaison. Seit Anfang April verkehren die Schiffe wieder zwischen den Häfen rund um den See und bieten ein breites Angebot – von klassischen Kursfahrten über Genuss- und Themenfahrten bis hin zu Veranstaltungen an Bord. Zu den Aushängeschildern der Flotte zählt die frisch restaurierte MS Austria. Das 1939 erbaute Traditionsschiff bietet Platz für bis zu 1.200 Passagiere und soll auch in dieser Saison zahlreiche Gäste anziehen. Doch hinter den Kulissen steht das Unternehmen vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Vor allem die hohen Treibstoffpreise machen der Schifffahrt zu schaffen. „Wir liegen immer noch bei circa 50 Prozent über dem Durchschnitt, den wir in den vergangenen zwei Jahren gehabt haben, auf das Jahr gerechnet“, erklärt Geschäftsführer Alexandro Rupp. Die gestiegenen Kosten seien ein bedeutender Faktor in der Jahresbilanz. Dennoch wolle man die Ticketpreise heuer nicht erhöhen. Weniger Fahrgäste im Linienverkehr Neben den Treibstoffkosten steigen auch die Ausgaben für Wartung und Instandhaltung. Besonders bei älteren Schiffen könne die Beschaffung von Ersatzteilen teuer werden. Gleichzeitig verzeichnen die Vorarlberg Lines seit Jahren rückläufige Passagierzahlen im klassischen Linienverkehr. Als Gründe nennt das Unternehmen unter anderem die geopolitischen Krisen der vergangenen Jahre sowie Veränderungen im Mobilitäts- und Freizeitverhalten. Hinzu kommt, dass viele Nächtigungsgäste auf deutscher Seite den öffentlichen Verkehr mittlerweile kostenlos nutzen können. Dadurch werde das Schiff als Verkehrsmittel zwischen einzelnen Orten seltener genutzt als früher. Eventfahrten werden immer wichtiger Positiv entwickelt sich dagegen das Geschäft mit Themen- und Eventfahrten. Sie haben sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Standbein entwickelt und sorgen regelmäßig für gut ausgelastete Schiffe. Um neue Zielgruppen zu erreichen, investieren die Vorarlberg Lines verstärkt in Marketing und soziale Medien. Die Hoffnung dahinter: eine noch stärkere Marktdurchdringung und eine höhere Auslastung. Junge Generation übernimmt das Steuer Die Jahre 2023 bis 2025 standen bei den Vorarlberg Lines ganz im Zeichen eines Generationenwechsels. Zahlreiche langjährige Mitarbeiter gingen in Pension, während gleichzeitig jüngere Kräfte nachrückten. Einer von ihnen ist der 29-jährige Raimund aus Lauterach. Als Schiffsführer lenkt er bereits kleinere Schiffe eigenständig. Auf der MS Austria ist er derzeit als Steuermann tätig und arbeitet auf das Kapitänspatent hin. „Ich war noch nie ein Büromensch“, erzählt er. Besonders schätze er die Arbeit an der frischen Luft und die Verbindung von Technik und Verantwortung. Der Bodensee verlangt Respekt In der langjährigen Ausbildung lernen die angehenden Kapitäne weit mehr als nur das Steuern eines Schiffes. Auf dem Ausbildungsplan stehen unter anderem Motor- und Antriebstechnik, Elektrotechnik, Hydraulik, Radar- und Funkwesen sowie regelmäßige Sicherheitstrainings. Der Bodensee gilt trotz seiner vergleichsweise überschaubaren Größe als anspruchsvolles Gewässer. Wetterumschwünge, Wind und wechselnde Wasserstände sorgen für Herausforderungen. „Es ist jeden Tag anders“, sagt Raimund. Man müsse mit allen Szenarien umgehen können. Technik als wichtiger Helfer Bevor ein Schiff den Hafen verlässt, muss die Besatzung eine umfangreiche Kontrollroutine durchführen. Rund eine Stunde lang werden sämtliche nautischen und technischen Systeme überprüft, darunter Motoren, Antriebe und Wasserstände. Im Steuerhaus werden Funkanlagen, Radar, GPS und Wetterdaten kontrolliert. Erst wenn alle Systeme einwandfrei funktionieren und die Sicherheitsausrüstung geprüft wurde, darf abgelegt werden. Pensionierte Kapitäne bleiben an Bord Der erfolgreiche Generationenwechsel sei auch deshalb gelungen, weil frühzeitig in die Ausbildung investiert wurde. Gleichzeitig unterstützen ehemalige Kapitäne weiterhin das Unternehmen. Einer von ihnen ist Johann Wüstner. Der langjährige Kapitän und Betriebsleiter gehört heute zum sogenannten Seniorenpool der Vorarlberg Lines. Bei personellen Engpässen oder Großveranstaltungen springt er weiterhin ein. In den letzten zwei Jahren sind gesamt fünf Kapitäne in Pension. Das wäre eine Menge, so Johann. Um Ausfälle auszugleichen und junge Kollegen zu unterstützen, habe man deshalb rechtzeitig Vorsorge getroffen. Ganz loslassen kann er die Schifffahrt bis heute nicht. Besonders die Abendfahrten auf dem Bodensee vermisse man irgendwann wieder. „Das ist ein wunderschöner Job“, so der ehemalige Kapitän. Digitalisierung und neue Antriebe im Blick Auch die Digitalisierung hält zunehmend Einzug in die Schifffahrt. Verwaltungsprozesse und Abläufe an Bord werden heute vielfach digital abgewickelt. Künstliche Intelligenz komme bereits in einzelnen Bereichen unterstützend zum Einsatz. Vollautomatische Passagierschiffe sieht man bei den Vorarlberg Lines allerdings nicht. Die Verantwortung für Besatzung und Fahrgäste werde auch künftig beim Kapitän liegen. Parallel dazu beschäftigt sich das Unternehmen mit alternativen Antriebstechnologien. Langfristig könnten synthetische Kraftstoffe wie E-Fuels eine wichtige Rolle spielen. Fest steht: Die Vorarlberg Lines stehen vor einem Spagat zwischen Tradition und Moderne. Während historische Schiffe wie die MS Austria das Bild der Bodenseeschifffahrt prägen, bestimmen Digitalisierung, Nachwuchsförderung und neue Mobilitätskonzepte zunehmend den Kurs für die Zukunft. (LÄNDLE TV)
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