1,7 Kilometer durch den Berg: Norwegen plant einzigartigen Schiffstunnel
Der Stad Ship Tunnel verbindet den Moldefjord im Norden mit dem Kjødepollen im Süden. Nach Angaben der norwegischen Küstenverwaltung Kystverket handelt es sich um den weltweit ersten vollwertigen Schiffstunnel für Hochseeschiffe.
Ein Bauwerk mit außergewöhnlichen Dimensionen
Zwar gibt es bereits kleinere Tunnel für Boote oder Wasserwege durch Felsformationen, ein Projekt dieser Größenordnung wurde bislang jedoch noch nicht umgesetzt.
Die eigentliche Tunnelstrecke soll rund 1,7 Kilometer lang sein. Einschließlich der Zufahrtsbereiche umfasst das Gesamtprojekt etwa 2,2 Kilometer. Der Tunnel wird rund 36 Meter breit und vom Boden bis zur Decke etwa 50 Meter hoch sein.
Mehr Sicherheit auf gefährlicher Route
Der Tunnel soll ein Problem lösen, das Seefahrer seit Jahrhunderten kennen. Das Kap Stad gilt als einer der gefährlichsten Küstenabschnitte Norwegens. Anders als viele andere Bereiche der norwegischen Küste ist die Region kaum durch vorgelagerte Inseln geschützt. Hier treffen Wettersysteme aus der Nordsee und dem Norwegischen Meer aufeinander.
Hohe Wellen, starke Winde und rasch wechselnde Wetterbedingungen erschweren regelmäßig die Schifffahrt. Vor allem kleinere Frachtschiffe, Fischereifahrzeuge und Passagierschiffe müssen ihre Fahrten häufig verschieben oder auf bessere Bedingungen warten. Künftig sollen Schiffe den gefährlichen Küstenabschnitt nicht mehr auf offener See umfahren müssen, sondern direkt durch den Berg fahren können.
Millionen Kubikmeter Fels müssen weichen
Die Dimensionen des Projekts sind enorm. Für den Bau müssen rund drei Millionen Kubikmeter Fels aus dem Berg entfernt werden. Das entspricht etwa 750.000 Lkw-Ladungen.
Auf eine Tunnelbohrmaschine wird dabei verzichtet. Stattdessen soll der Fels abschnittsweise angebohrt und kontrolliert gesprengt werden. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird der Tunnel geflutet und als Wasserstraße genutzt.
Idee ist mehr als 150 Jahre alt
Neu ist das Vorhaben nicht. Erste Überlegungen für einen Durchstich durch Stadlandet gab es bereits im Jahr 1874. Lange scheiterte das Projekt jedoch an den technischen Möglichkeiten und den hohen Kosten.
Das norwegische Parlament gab schließlich 2017 grünes Licht für den Bau. In den darauffolgenden Jahren geriet das Vorhaben jedoch ins Wanken, nachdem die erwarteten Kosten deutlich gestiegen waren. Zeitweise lagen die Schätzungen bei mehr als neun Milliarden norwegischen Kronen.
Baustart könnte 2027 erfolgen
Nach weiteren Verhandlungen wurde das Projekt dennoch in den überarbeiteten Staatshaushalt aufgenommen. Der aktuelle Kostenrahmen liegt bei 8,6 Milliarden norwegischen Kronen, umgerechnet rund 782 Millionen Euro.
Die norwegische Küstenverwaltung bereitet bereits die Vergabe des Hauptauftrags vor. Läuft alles nach Plan, könnte der Bau Anfang 2027 beginnen.
(VOL.AT)